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Guitar Heroes Festival / Festivalbericht, 25.04. – 27.04.2025, Gerds Juke Joint in Joldelund

Guitar Heroes Festival / Festivalbericht, 25.04- - 27.04.2025, Gerds Juke Joint in Joldelund

Unbekannte Saitenhelden sorgen für Magie, Sternstunden, Sprachlosigkeit und feuchte Augen … und werden sogar mitgeschnitten

»Tja, dann mal viel Spaß dabei hierfür Worte zu finden!«
»I have no words!«

Das sind keine Aussagen des Artikelautoren, sondern zwei Statements, die diesem als Backsteingepäck für das Erklimmen luftiger Kreativhöhen mit auf den Weg gegeben werden.
Selbstverständlich gibt es einen Anlass dafür. Vor vier Jahren konnte der Biobäcker Gerd Lorenzen aus dem beschaulichen Joldelund in Nordfriesland mit seinem 'Guitar Heroes Festival' den German Blues Award Abteilung 'Event-Festival (national)' erstmals gewinnen. Das war und ist insofern bemerkenswert, als dass selbiges auf dem Dachboden eines ehemaligen Kuhstalls stattfindet und ursprünglich der Idee entsprang, den Geburtstag des Protagonisten und Enthusiasten (blues)rockiger Klänge mit zünftiger Live-Mucke zu begehen, immer nach dem Motto: »Bei mir tritt nur auf, wen ich auch selber gerne hören möchte«. In diesem Jahr ist das kleine und ausgesprochen familiäre Festival erneut für diesen Award nominiert, inklusive dem Dachboden als Musikclub des Jahres!

Stau in Hamburg City

Stau in Hamburg City

Zur Frühjahrsausgabe reist wiederholt ein berüchtigtes (Blues)Rock-Nerdquartett aus Oldenburg/Bremen mit Hang zum Snobismus an und verheddert sich umgehend im gefürchteten Elbtunnelstau, bei dem selbiger zwar umfahren wird, aber alternativ eine Stadtrundfahrt quer durch die City der Freien und Hansestadt Hamburg am Freitagnachmittag für große 'Freude' sorgt.Es soll sich einen Tag später noch herausstellen, dass auch andere mit diesen Widrigkeiten zu kämpfen haben.

Davon offenbar unbeeindruckt, steht ein riesiger Truck mit der Aufschrift 'Deutschlandfunk' hinter dem umgebauten Kuhstall, womit unmissverständlich klar wird, dass die insgesamt fünf Konzerte an diesem Wochenende einer interessierten Kulturhörerschaft mit Faible für Nischenmusik zugänglich gemacht werden sollen … eine hohe Auszeichnung und Wertschätzung für Gerd Lorenzen und seine Helferinnen und Helfer. Und, am Rande bemerkt, auch der "Deutschlandfunk" ist dieses Jahr für einen Blues Award nominiert – Kategorie 'Medien' mit der Sendung 'On Stage', in welcher vermutlich die hier aufgezeichneten Konzerte laufen werden.

Die Félix Rabin Band mit den Mikrofonen des Deutschlandfunks!

Die Félix Rabin Band mit den Mikrofonen des Deutschlandfunks!

Überpünktlich um kurz vor 20:00 Uhr wird der Hausherr übertölpelt.
Traditionell richtet der Gründer der 'Joldelunder Bioland Backspezialitäten' ein paar launige Worte ans Publikum, informiert über kommende Veranstaltungen und stellt die Acts des jeweiligen Abends vor. Doch am Merchstand im beginnenden hinteren Bereich des Dachbodens klimpert jemand bereits an seinen Saiten rum, auf der Bühne entern drei Musiker ihre Instrumente und ehe sich alle orientiert haben, bahnt sich plötzlich ein kleiner schlanker junger Mann mit einer Fender Strat seinen Weg durchs Publikum, erklimmt die drei Stufen zu seiner Band und startet umgehend mit "Down Our Roads", dem Titelstück seiner ersten EP von 2016. Dieser folgten 2020 ("Pogboy") und erst vor kurzem ("Blue Days") zwei weitere EPs, ein Debütalbum steht noch aus. So bringen der hierzulande völlig unbekannte Félix Rabin und seine Mitstreiter insgesamt sieben Songs von diesen EPs zu Gehör und wissen dabei zunehmend zu begeistern.

Félix Rabin und Niccolò Rebecchi

Félix Rabin und Niccolò Rebecchi

Der in der Nähe von Neuchâtel lebende Gitarrist und Songwriter kann nicht leugnen, von Giganten wie Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan beeindruckt zu sein, während neuzeitliche Kaliber wie Gary Clark Jr. und John Mayer ebenfalls zu seinen Einflüssen zählen. Zusätzlich ist aber auch ein sanfter, geradezu melancholischer Duktus in seinem Spiel auszumachen, gleichsam in den Songs, die neben der rockigen Komponente auch Pop, Funk, Soul, Blues und einen leichten Pink Floyd-Touch integrieren. Seine Setlist ist sehr ausgewogen gewählt und mit einem steten Spannungsbogen versehen, der auch innerhalb einzelner Songs die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer*innen fesselt. Dabei gelingt es ihm mit eigener Stilistik und Handschrift facettenreich zu brillieren, jederzeit eine enorme Intensivität ausstrahlend, mit auffallend hoher Präzision im Ton agierend, das Tempo und die Stimmungen variierend und damit direkt die Seele des Publikums streichelnd. Spätestens als es ihm und seinen Bandkollegen gelingt, dem eigentlich ausgelutschten Thema "Voodoo Child" noch völlig neue Aspekte aus den Rippen zu leiern, manifestiert sich eine weitere Sternstunde dieses prämierten Festivals.

Miguel Montalban & The Southern Vultures

Miguel Montalban & The Southern Vultures

Gerd wäre allerdings nicht Gerd, wenn es im Anschluss musikalisch auf einer ähnlichen Fährte weiterginge.
Vor gut neun Jahren ging in der Tube des Internets ein Video viral, in welchem ein Straßenmusikant an einer kleinen Londoner U-Bahnstation "Sultans Of Swing" auf seiner Gitarre in einer Art und Weise zum Besten gab, dass selbst Mark Knopfler, wäre er damals zufällig vorbeispaziert, die Spucke weggeblieben wäre.

Miguel Montalban

Miguel Montalban

Dabei kann Miguel Montalban, gebürtiger Chilene und in London lebend, einen Abschluss am Konservatorium für Jazzmusik in Rom vorweisen, gründete 2019 die Band The Southern Vultures und heimste 2023 einen 'YouTube Creator Award' ein. Hierzulande ist er wie sein Kollege vor ihm ein völlig unbeschriebenes Blatt und im Zuge seiner ersten ausgedehnten Headliner-Tour auf dem europäischen Festland startet er selbige bei Gerd Lorenzen … auch ein Statement!

Apropos Statement … in den nächsten gut 90 Minuten wird ein spektakuläres Feuerwerk des bluesigen Rocks abgefeuert, dass auch anderen als Mark Knopfler die Kinnlade runter fällt. Dabei reichen schlussendlich die Einschätzungen von »an Prince erinnernd« bis hin zu »der neue, moderne Stevie Ray Vaughan«.

Laut, virtuos und mit verblüffend flinken Fingern, fliegen die Noten von der Bühne, im Vordergrund stehen weniger die Songs denn die eindrucksvolle Demonstration spieltechnischer Klasse, was auch den braslianischen Tieftöner und rumänischen Schlagwerker ausdrücklich mit einbezieht.

Bruno Pint

Bruno Pint

Ein Power-Trio auf höchstem Niveau. Miguel Montalban manifestiert dabei konsequent seinen im Vergleich zu Félix Rabin völlig anderen Ansatz, kann aber bei aller Klasse eine gewisse Gleichförmig- und Eintönigkeit des musikalischen Ausdrucks nicht leugnen. Hinzu kommen limitierte gesangliche Fähigkeiten, so dass die drei ganz klar im instrumentalen Bereich ihre Trümpfe ausspielen und vermutlich keine Bluespuristen beglücken wollen. Dieser Ansatz gipfelt schließlich im absoluten Höhepunkt des Abends, als in der Zugabe besagtes "Sultans Of Swing" famos dekonstruiert wird, um schließlich alle Einzelteile wieder aufzusammeln und an den Saiten Dinge zu veranstalten, die einen wirklich keine Worte mehr finden lassen.

Da bedarf es im Anschluss – nach der Wiedererlangung der Muttersprache – einiger 'Fachgespräche', um das Erlebte einordnen zu können, bevor es raus in die kalte Nacht geht und in diversen Wohnmobilen, Camperbussen, Wohnwagen, PKWs und Zelten um die Wette gebibbert wird.
Das 'Guitar Heroes Festival' zeichnet tatsächlich nicht nur aus, dass es das Flair eines Familientreffens ausstrahlt, verlässlich erstaunlich gute Musiker*innen auf die kleine Bühne bringt, die vorher nur absoluten Vollnerds ein Begriff waren, es leckere, teilweise selbst produzierte Verpflegung gibt und eine große Kuhweide zum Campingplatz umfunktioniert wird, nein, es lebt und strahlt auch von vermeintlichen Nebensächlichkeiten wie dem Umstand, dass hier der menschlichen Notdurft kein Schmirgelpapier untergejubelt wird, sondern selbiger flauschig weiche Hygienemaßnahmen ermöglicht werden.

Leif de Leeuw Band

Leif de Leeuw Band

Nach einem Tag mit strahlender Frühlingssonne zum Auftauen und viel frischer Landluft gegen die Nachwirkungen norddeutscher Brauereikunst, wird beim Einlass zum zweiten Konzertabend klar, dass die kleine Gruppe um den Berichterstatter die Malaise des hanseatischen Nadelöhrs unterhalb der Elbe nicht exklusiv gepachtet hat. Auch die Leif de Leeuw Band aus Rotterdam scheitert an diesem Tage an der maroden Infrastruktur, was zu einer kolossalen Verspätung und reichlich Stresshormonen bei Gerd Lorenzen und seiner Crew führt.

So kann das geneigte Publikum noch länger die herrliche Abendsonne genießen, während die Band einen improvisierten Spät-Soundcheck durchführt.

Gut, dass alle Beteiligten keine Anfänger sind und wenig später kann die südlichste Jamband Europas mit sechs Leuten – darunter gleich zwei Schlagzeugern – und zugehörigem Equipment loslegen. Selbstverständlich liegt Rotterdam nicht plötzlich in Südeuropa, obwohl der amtierende amerikanische Präsident selbiges im Brustton der Überzeugung postulieren würde, nein, hier kommt die musikalische Stilistik zum Ausdruck, welche geprägt ist von einem Southern-Rock, dessen Strahlkraft die Allman Brothers Band einst entfesselte und damit bis heute leuchtet.

Leif de Leeuw & Sem Jansen & Boris Oud

Leif de Leeuw & Sem Jansen & Boris Oud

Der seit letztem Jahr neu hinzugestoßene Hammond B3-Wizzard Quint Vullings stößt sich – ganz weit am linken Rand der Bühne unter dem Gebälk kauernd – zunächst den Kopf an selbigem, während sein großgewachsener Kollege Boris Oud an den dicken Saiten am gegenüberliegenden rechten Rand durchgehende Vorsicht walten lässt. Im hinteren, ziemlich schwach ausgeleuchteten Bereich ist es tatsächlich gelungen, zwei vollständige Drum-Kits aufzubauen, während sich Bandleader Leif de Leeuw und Sänger/Gitarristenkollege Sem Jansen den vorderen Bereich der Bühne teilen.
Der Namensgeber der Band ist mittlerweile zehnmal am Stück von der niederländischen Publikation Gitarist zum besten (Blues-)Rock-Gitarristen der Beneluxstaaten gekürt worden und Sem Jansen ging als strahlender Gewinner der TV-Show "Hit The Road" hervor.

Mit beispielloser Rhythmik und Dynamik trägt das Sextet ihr Programm vor, wobei das Schlüsselstück "Jessica" der Allman Brothers Band die allgemeine Marschroute vorgibt und die Twingitarrenparts Nordfriesland tatsächlich jubilierend in den Süden der USA transferieren.
Neben der rhythmischen Wucht zweier Schlagzeuger, inklusive einem neuen Kollegen neben dem Belgier Joram Bemelmans, dem versierten, flammenden und mit klaren Ton ausgeführten Saitenspiel des Bandleaders, mit Röhrchen am Ringfinger sogar noch ein Stückchen authentischer ausfallend, sticht, nach bisherigen Erfahrungen ungewohnt, der Tastenmann hervor, der den Gesamtsound prägnant bereichert und mit extrovertiertem Körpereinsatz jederzeit befürchten lässt, das Gebälk erneut schmerzhaft zu treffen. Es grenzt an ein Wunder, das der Leslie-Speaker nicht den Flugzeugpropeller macht und die Tasten in Flammen aufgehen. Nicht zuletzt wird mit gekonnten Improvisationen und mitreißenden Solospots des Drum-Duos und Tieftöners geglänzt, so dass der gut gefüllte Dachboden voll auf seine Kosten kommt.

Komodrag & The Mounodor

Komodrag & The Mounodor

Letzteres lässt sich sehr gut auf den Veranstalter projizieren, der im letzten Jahr mit seiner Frau extra zu einem Festival nach Dünkirchen fuhr, um dort einer angedachten Joldelund-Verpflichtung einen ausführlichen Check angedeihen zu lassen. Dieser fiel mittelprächtig aus, stattdessen blies eine Combo aus der Bretagne das Ehepaar komplett aus den Socken und hinterließ zwei Sturmfrisuren. »Die muss ich verpflichten, jetzt und sofort« war die umgehende Reaktion des Biobäckers und als Folge seiner Bemühungen haben Komodrag & The Mounodor als zweite Band des Abends ihren allerersten Auftritt auf bundesrepublikanischem Boden – eine durchaus passende Analogie, entspringt diese Kapelle doch dem Zusammenschluss zweier Bands, nämlich Moundrag und Komodor. Vor zwei Jahren lieferten sie ihren ersten Studio-Longplayer ab, es folgte ein limitiertes Live-Doppelalbum auf psychedelischem Vinyl mit zwei neuen Studiosongs. Auch hier passt die Analogie zu dem, was der 'Supergroup' musikalisch zugeschrieben wird … eine Mischung aus CSNY, Jefferson Airplane und Grand Funk Railroad.

Elrik Morvan & Ronnie Calva

Elrik Morvan & Ronnie Calva

Es ist dem Tastenmann Camille Goellaen vorbehalten, die Sause mit unverdächtigen Tönen einzuleiten, bevor er sich als Conferencier des Abends outet und nach und nach mit Vorstellung ihrer Namen der Rest der Truppe auf die Bühne fegt, um fortan einen veritablen Sturm zu entfachen. Dieser ist in erster Linie verdammt laut. In zweiter Linie platzieren sich jetzt tatsächlich sieben Musiker auf engstem Raum und sind doch fortlaufend wie angespitzte Hummeln in Bewegung, so dass eine fotografische Wiedergabe der Ereignisse unmöglich erscheint. Auch hier kommen zwei Drum-Kits zum Einsatz, zudem hat die Leif de Leeuw Band ihre Backline (Gitarrenverstärker, Bassverstärker, Lautsprecherboxen und ähnliches) zur Verfügung gestellt. Im direkten musikalischen Vergleich ist jetzt aber kein filigraner Schönklang angesagt, sondern die Abteilung Attacke mit dem Holzhammer. Wo vorher zwei Schlagwerker feinste Verzahnungen zelebrierten, wird jetzt heftig zugelangt, dass die Wände wackeln. Statt prognostiziertem heavy Prog-,  Westcoast- und Psychedelic-Rock gibt es Glamrock on Speed auf die Mütze, verbunden mit einer unbändigen Energie und einer wahnsinnigen Spielfreude, die zwar keine Schönheitspreise gewinnen kann, aber das ist auch gar nicht der Ansatz. Um manches Instrument kann einem angst und bange werden und Gerds Dachbalken wurden bestimmt auch noch nie als Reck missbraucht.

Eine weitere Analogie ist ebenfalls sehr passend … der Glamrock der 1970er-Jahre wurde nicht unerheblich durch eine gewisse Androgynität von Koryphäen wie David Bowie oder Marc Bolan geprägt und Komodrag & The Mounodor strahlen genau diese aus, was in Verbindung mit den typischen Vintage-Klamotten ein stimmiges Bild ergibt. Schließlich finden sich in der Zugabe mit "We’re An American Band" sogar noch die Ur-Polterer von Grand Funk Railroad wieder und nach dem MC5-Cover "Ramblin' Rose" (Opener von "Kick Out The Jams", 1969) droht endgültig der erneute Verlust der Muttersprache.

Es ist beim Runterkühlen mit einem Flensburgischen Hopfenerzeugnis schön zu sehen, dass der Merch-Stand gestürmt wird und zwischen den beiden Bands des Abends Freundschaften fürs Leben geschlossen werden. Für weitere Kühlung sorgen eine kalte Nacht und ein kaputter Reißverschluss am Schlafsack.

Sem Jansen's Wohnzimmer

Sem Jansen’s Wohnzimmer

Der heimliche Höhepunkt der jährlich zwei 'Guitar Heroes Festivals', die über ein ganzes Wochenende gehen, sind die sonntäglichen Matineen zur frühen Mittagsstunde. Dort werden die akustischen Instrumente ausgepackt und ein Act des Vorabends darf sich dann in der Kunst beweisen, auch zur verkaterten Frühschoppenzeit die wahren Musikgourmets von sich zu überzeugen. Diesmal hat Sem Jansen von der Leif de Leeuw Band sein Wohnzimmer in den Dachboden verlegt und mit vielen dekorativen Akustikgitarren aller Spielarten, Schwarzweißfotos alter Countryhelden, einer kleinen LP-Sammlung mit Willie Nelson vorneweg und einem Vinyldreher, der sogar zum Einsatz kommt, ausgestattet.
Zusammen mit dem Saitenass Leif de Leeuw, hatte er letztes Jahr ein rein akustisches Wohnzimmeralbum veröffentlicht, auf dem sich das Duo von US-amerikanischer Country-, Roots- und Folkmusik inspirieren lässt. Insofern steht die heutige Vorstellung ganz im Zeichen dessen, was Sem Jansen mit dem Coverbild einer vorgestellten LP eindrucksvoll demonstriert: »We got both kinds, we got country and western!« (Blues Brothers Movie 1980).

Und in diesem Zusammenhang wird das geneigte Publikum brav gefragt, ob es mit Namen wie Charley Pride, David Lindley, Lowell George, Jackson Brown, Chet Atkins oder gar Darrell Scott etwas anfangen kann. Bei ersterem ist die Reaktion sehr verhalten, dem Autor dieser Zeilen schießt natürlich sofort Truck Stop in den Kopf: »Ich möcht' so gern Dave Dudley hör’n, Hank Snow und Charley Pride …« (1977).

Sem Jansen hat einfach Spaß begeistert das Publikum

Sem Jansen hat einfach Spaß begeistert das Publikum

Was also damals als Zehnjähriger mit zarten Knospen begann, bringen die beiden Protagonisten an diesem anrührenden Mittag in Nordfriesland zur vollen Blütenpracht. Leif de Leeuw belegt eindrücklich, dass er nicht nur im elektrischen und lauten Saitensegment zuhause ist, obwohl er bei Chet Atkins' "Mainstreet Breakdown" freimütig einräumt, dass er dessen Fingerpicking-Style nicht beherrsche und nur dieses Stück spielen könne.
Sem Jansen wiederum ergreift beim autobiografischen "If Only I" die Gelegenheit auf seine besondere Geschichte hinzuweisen, einer Transformation von Britt zu Sem und dem zwangsläufigen Wandel der Stimme mit ungewissem Ausgang und den damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten. Was tatsächlich im Rahmen der großen Band etwas problematisch ist, in der sich Sem Jansen stimmlich nur schwer durchsetzen kann, passt in diesem intimen Rahmen deutlich besser und demonstriert somit, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet.
Es werden auch absolute Goldschätze gehoben. Darrell Scott dürfte den Allerwenigsten ein Begriff sein und sein "River Take Me" ist wirklich fantastisch.
Mit "Midnight Rider" erklingt auch ein Stück im gewohnten Habitat, bis schließlich Willie Nelsons "Always On My Mind" (nix Elvis!) einen Auftritt beschließt, der einfanch nur "zum Weinen schön" war.

Ja, nasse Augen nach einem Konzert, das ist neben den Backprodukten eine weitere Spezialität des unermüdlichen Enthusiasten und Machers aus Nordfriesland. Hier werden, umgeben von satten Kuhweiden und riesigen Ackerflächen, verlässlich magische Momente kreiert, die das eher bräsige Image des Bluesrocks glanzvoll ad absurdum führen – vielen Dank dafür!

Das

Das "Wahrzeichen" des Juke Joints kommt bald weg (wird deinstalliert

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Olaf 'Olli' Oetken & Henry Klompmaker | RockTimes

Über den Autor

Olaf 'Olli' Oetken

Beiträge im Archiv
Hauptgenres (Hard Rock, Southern Rock, Country Rock, AOR, Progressive Rock)

2 Kommentare

  1. Matthias

    Danke für den tollen, ausführlichen Bericht und die klasse Fotos!

  2. Steffen+Nitzsche

    Hallo Olli
    Danke wieder für den wieder tollen, akribischen und umfangreichen Bericht.
    Als Bluesfan stand Gerds Event schon lange auf meiner Agenda und ich war am Samstag mit dabei. Also fast 700km von meiner Heimat entfernt.
    So….mal kurz: Die Location, die Organisation, das Veranstaltungsteam ist einfach Top. Das passt sehr und es hat die Reiseweg schon entschädigt. Leif de Leeuw kenne ich sehr gut und sie sind einfach was Besonderes. Die Franzosen von Komodrag waren Neuland und genau etwas Anderes wie die Holländer. Tolle musikalische Mischung an diesen Abend. Das hat gepasst. Als Muggenpilger aus dem Osten mit anderen Wurzeln war das schon mal wieder eine Erfahrung und ein Highlight. Publikumsmäßig spürt man noch Unterschiede, weil die Bluesherkunft sehr verschieden ist. Ich komme gern wieder. Skol auf diesen Abend und Danke an Gerd und sein tolles Team.

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