Nach dem Album "Dance Of The Flames" war das Kapitel Guru Guru für den Bandgründer und Schlagzeuger Mani Neumeier erst mal abgeschlossen. Wobei nicht ganz klar bzw. überliefert ist, ob diese Entscheidung von ihm als endgültig angesehen wurde oder ob er die Combo vorerst nur auf Eis legen wollte. Der Plan war jedenfalls, erst mal ein Soloalbum auf die Beine zu stellen. Der Drummer kontaktierte ein paar befreundete Musiker und so gesellten sich die komplette Band Kraan, dazu die beiden Musiker von Harmonia, Ingo Bischof sowie Tommy Goldschmidt von Karthago und sogar der Ex-Guru Guru-Gitarrist Ax Genrich zu Neumeier und seine beiden Mitmusiker Jogi Karpenkiel (bass) sowie Sepp Jandrisits (acoustic guitars) neben ein paar weiteren Beteiligten ins Studio. Während beim Songwriting drei Nummern auf Neumeiers alleinige Kappe gehen, fällt beim Studieren des Booklets auf, dass die Jungs von Kraan diesbezüglich schwer aktiv waren und vier der Stücke allein oder mitkomponiert haben. Ein Song stammt von Mani im Verbund mit Ingo Bischof.
Wie bei Tango Fango (1976) sowie Globetrotter (1977) hat auch "Mani und seine Freunde" mit dem Krautrock der ersten Guru-Alben wie "UFO", "Hinten" oder "Käng-Guru" so gut wie nichts mehr zu tun. Vielmehr wird hier locker aus der Hüfte geschossener (Jazz-) Rock zelebriert, der hier und da mal durch klamaukige Einlagen (jaja, der typische Neumeier-Humor der damaligen Zeit) unterbrochen wird. Gestartet wird die Reise mit "Sunrise Is Everywhere" und der so unverkennbaren wie bärenstarken Gitarre von Peter Wolbrandt, der hier wahrscheinlich auch für den Gesang zuständig war. Aber auch der Gast Gerd Dudek bringt super Soli am Saxofon. Klasse Eröffnung, die mit dem rockigen "Chicken Rock" genau so qualitativ hochwertig weitergeführt wird. Der humorige Text wird im Refrain von einem in hoher Tonlage vorgetragenen Gesang abgelöst, der durchaus an einige Werke von Frank Zappa erinnert. Mal abgesehenen von den Referenzen zu LSD-Konsum könnte der Text in seiner Abgedrehtheit auch durchaus zu dem gerade genannten Amerikaner passen.
Für "It’s Your Turn" sind dann Ingo Bischof (der das Stück mitkomponiert hat) und sehr wahrscheinlich auch Tommy Goldschmidt am Start. Ein cooles Instrumental, das leider viel zu schnell wieder vorbei ist. Bei "1, 2, 3, 4, Marsch’n’Rock" sowie "Woodpecker’s Dream" schlägt Neumeiers schräger Humor wieder durch, wobei beide Nummern musikalisch durch ihre Leichtigkeit und hohe Musikalität überzeugen. Die Kuriosität des Albums ist der Song "Drink Wine", der sich schnell als ein knapp einhundertsekündiger Ausschnitt eines Champion Jack Dupree-Konzertes enttarnt, der mit Sicherheit nicht speziell für das hier zu besprechende Platte aufgenommen wurde. Nochmal richtig cool und musikalisch abgefahren geht es bei "Fly Easy" zur Sache, für das einmal mehr Gerd Dudek mit seinem Saxofon zur Stelle war. Und was hier geboten wird, hat trotz aller scheinbaren Leichtigkeit richtigen musikalischen Tiefgang. Noch vor zwanzig Jahren hätte sich der Rezensent wahrscheinlich schnell abgewendet, heute findet er es hammermäßig gut.
Als Bonus gibt es eine Live-Version des Stücks "From Another World", das davor auch in der Studioversion zu hören war. Live kommt das Ganze allerdings noch eine Spur psychedelischer und abgefahrener daher. Im weltweiten Netz kann man lesen, dass bei diesem Live-Auftritt am 23. März 1974 die beiden Gitarristen Sepp Jandrisits und Klaus Walz (Ex-Epitaph, Peter Panka’s Jane) mit Mani Neumeier auf der Bühne standen, was im Booklet dieser Neuauflage von "Mani und seine Freunde" jedoch nicht vermerkt ist.
Aber wie dem auch sei, abschließend kann ich eigentlich nur festhalten, dass dieses Album stilistisch gar nicht mal sooo wahnsinnig durchgerüttelt ist, wie es immer beschrieben wird. Natürlich ist es wie bei jeder Guru Guru-Platte so, dass man sich erst mal frei von allen Erwartungen machen und mit vollkommen freien und offenen Ohren auf dieses Abenteuer einlassen sollte. Definitiv eine klasse und qualitativ hochwertige Scheibe, die aus den üblichen verkaufstechnischen Gründen dann doch unter dem Bandnamen veröffentlicht wurde. Ansonsten gilt: Wer die bereits erwähnten "Tango Fango" und "Globetrotter" mag, der wird auch mit "Mani und seine Freunde" jede Menge Spaß haben.
Line-up Guru Guru:
Mani Neumeier (drums & percussion, baby piano, maniscope, gongspiel, marimba, lead vocals)
Jogi Kawrpenkiel (bass)
Sepp Jandrisits (acoustic guitars)
With:
Hellmut Hattler (bass, background vocals)
Peter Wolbrandt (electric guitars, lead & background vocals)
Jan Fride (tumbas, percussion)
Ingo Bischof (e-piano, Moog, bongos, background vocals)
Tommy Goldschmidt (congas, percussion, background vocals)
Meobi Moebius (syntesizer)
Achim Rodelius (organ)
Gerd Dudek (tenor saxophone, flute)
Champion Jack Dupree (piano, lead vocals – #9)
Conny Plank (’swine' guitar, background vocals)
Ax Genrich (electric guitar)
Christa Fast (voice – #7)
Tracklist "Mani und seine Freunde":
- Sunrise Is Everywhere
- Chicken Rock
- It’s Your Turn
- Walking, Eating My Hot Dog
- Fly Easy
- From Another World
- Woodpecker’s Dream (A Fairytale From The Ulfenbachtal)
- 1, 2, 3, 4, Marsch’n’Rock
- Drink Wine
- From Another World (live, 23.03.1974, Bonn, Underground)
Gesamtspielzeit: 51:38, Erscheinungsjahr: 2026 (1975)



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