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Gwyn Ashton / Grease Bucket – Digital-Review

Gwyn Ashton / Grease Bucket

Vor dreizehn Jahren erschien Gwyn Ashtons sehr erfolgreiches Albums Radiogram, dessen Single-Auskopplung "Little Girl" im Classic Rock Magazin sofort auf Platz zwei kletterte. In der Rubrik 'Track Of The Week' schaffte es der Song hinter Papa Roach (Platz 1) und noch vor Metallica (Platz 3) auf das mittlere Treppchen. Online-Magazine weltweit kürten das Album "Radiogram" sogar zum 'Album of the Week'.

Dennoch – kein Grund für Ashton, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen. So veröffentlichte er in all den Jahren eine ganze Reihe Solo- und Duo-Alben und auch diese erreichten mehr als nur Achtungserfolge.

Während der Pandemie war er fast drei Jahre in seiner Heimat eingesperrt, denn die Corona-Ein- und Ausreise-Regeln in Australien waren besonders rigide. Also nutzte er die Zeit, um mit dem Screaming Believers-Bassisten Chris Lambden und dem Icehouse-Schlagzeuger Paul Wheeler den neuen Longplayer mit dem Titel "Grease Bucket" aufzunehmen. Gesangliche Unterstützung erhielten sie von Andrea Dawson aus Adelaide, die mit ihren Gospel-inspirierten Backing-Vocals die Songs veredelte.

Alle zehn Stücke sind Eigenkompositionen, die nach zeitgenössischem, gitarrenbetonten Blues Rock, 60er Jahre R&B mit einem Touch Soul versehen, klingen. Der Promoter meint sogar, »dass er mit "Grease Bucket" sein bisher stärkstes Album aufgenommen hat.«

Bärenstark ist es, rau, wild und ungeschliffen. Ashton macht keine Gefangenen – er lässt es krachen, das zeigt er schon beim Opener "Something That The Cat Dragged In", wo er seine fünfsaitige Slide ordentlich zum Glühen bringt und mir damit ein fettes Grinsen entlockt. "Howlin' At The Moon" dagegen will, trotz mehrerer Hördurchgänge, nicht so wirklich bei mir zünden. Dagegen kommt der Texas-Shuffle "Evil Child", unterstützt von Jesse Deane-Freeman an den Tasten und mit Backinggesang von Andrea Dawson, um Längen besser bei mir an.

Der "Green Light Blues" ist für mich das erste größere Higlight auf der Platte. Ashton lässt seine Gitarre ordentlich fett grooven und knarzen und setzt mit feinen Hooks solistische Glanzlichter an der Slide. Nicht zu vergessen die Herren Lambden und Wheeler, die als solides Fundament wirken und ordentlich Druck machen. Als I-Tüpfelchen würzt Andrea Dawson das Stück mit gekonnten Backings. Ich habe echte Mühe, die Füße still zu halten und bin fast fünf Minuten lang im siebenten Himmel.

Und kurz darauf folgt mit dem kompromisslos-dreckig dahingerotzten "When The Well Runs Dry" der nächste Kracher, ein Fuzz-geladener Rap-Track, dem Andrea Dawson wiederum mit ihrer wunderschönen, souligen Stimme den letzten Schliff verpasst. Und auch hier muss ich erneut die Arbeit der Rhytmus-Franktion loben, die präsent, aber nicht aufdringlich ihren Part zum Gelingen der Platte beiträgt. Das passt wie die berühmte Faust aufs Auge.

Ob das fetzig rockige "Little Bit Of Crazy", das psychedelisch angehauchte, ebenfalls rockige "Somebody" oder das Slide-Gitarren-dominierte "Self-Isolation Blues", bei dem ein irischer Gitarrist gerade breit grinsend um die Ecke schaut; Ahston zaubert auf seinem Album ein cooles Potpourri an großartigen Songs aus den Ärmeln, roh und dreckig, hervorgeholt aus den tiefsten Sümpfen des Blues und liefert damit ein absolutes Sahneschnittchen ab.

Wenn man glaubt, nun müsste der Australier doch sein Pulver mittlerweile verschossen haben, dann irrt man sich ganz gewaltig, denn mit "Down & Dirty" setzt er einen weiteren Glanzpunkt! Nicht zu überhören, dass der Song von Jimi Hendrix stark beeinflusst ist. Ashtons beeindruckende Fretboard-Fahrten sind hier von einer unglaublich leidenschaftlichen Gnadenlosigkeit geprägt.

Zum Abschlus wird mit "Blues For The Tortured Soul" ein letztes musikalisches Ausrufezeichen gesetzt, bei dem die Slide wiederum kräftig zum Einsatz kommt. Und ich sehe noch einmal vor meinem geistigen Auge Rory Gallagher an der Gitarre. Das Stück könnte ohne Probleme aus einem seiner Alben stammen. Ahstons mach keinen Hehl auf seiner Verehrung für Rory.

Fazit: Blues Rock vom Feinsten für alle die, die Musik noch ursprünglich, ohne Ecken und Kanten mögen, von einem Könner an seinem Instrument, der mit "Grease Bucket" ein bärenstarkes Album abgeliefert hat.


Line-up Gwyn Ashton:

Gwyn Ashton (guitars, vocals)
Chris Lambden (bass)
Paul Wheeler (drums)
Andrea Dawson (backing vocals)

With:
Jesse Deane-Freeman (keyboard – #3)

Tracklist "Grease Bucket":

  1. Something That The Cat Dragged In
  2. Howlin' At The Moon
  3. Evil Child
  4. Green Light Blues
  5. When The Well Runs Dry
  6. Little Bit Of Crazy
  7. Somebody
  8. Self-Isolation Blues
  9. Down & Dirty
  10. Blues For The Tortured Soul

Gesamtspielzeit: 38:18, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Ilka Heiser

Hauptgenres: Classic Rock, Blues Rock, Heavy Rock
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