Judith Goldbach startete ihre musikalische Erziehung im Alter von sieben Jahren, Klavier, Gitarre und Bass. Heute spielt sie Kontrabass, und mit "Akrobat" legt sie ihre aktuelle Veröffentlichung vor. Etwa 2001 soll sie ihre Liebe zum Jazz entdeckt haben und so treffen wir auch hier auf Jazz im Quartettformat, als Soloinstrumente erleben wir das Vibrafon und die Gitarre.
Diese Platte ist nun bereits die dritte einer Trilogie, mit der sich die Musikerin mit dem ungarischen Komponisten Béla Bartók beschäftigt. Sie teilte sich die Kompositionen mit dem Gitarristen Sebastian Böhlen. (Goldbach = 2, 4, 5, 7, 9, Böhlen = 1, 3, 6, 8) Inspirieren ließ man sich also von Bartók und dessen Einbezug von Volksmusik des Balkans. All' diese Einflüsse werden auf "Akrobat" mit großer Experimentierfreude verarbeitet und man darf sich darauf gefasst machen, Jazz in nicht herkömmlichem Sinne zu hören.
Sehr ungewöhnlich startet es mit "Bartiktok", mit Pfeifen, einem lateinamerikanischen Rhythmus, mit Vorträgen von Gitarre und Vibrafon und Perkussion eingeschlossen. Insgesamt ist das ein schwungvoller Auftakt, da ist der "Nachtwandel" schon ruhiger, die Perkussion erinnert mich an solche aus indischer Musik, der schnurrende Kontrabass der Protagonistin füllt den Song gemeinsam damit rhythmisch aus. Neben einem Solo des Vibrafons hören wir ein sehr innovativ geprägtes Gitarrensolo, wobei dann im recht frei gehaltenen "Periculum" die Gitarre ein wenig mehr aufgedreht wird. Hierbei darf ich feststellen, dass Böhlen sich mit seinem einfallsreichen Spiel durchweg als wichtige Komponente erweist!
Ruhiger und mit lyrischem Ausdruck erklingt daraufhin der Titelsong. Und so treffen wir auf recht verschieden ausgeprägte Stimmungen, die diese Veröffentlichung recht bunt und abwechslungsreich gestalten, verträumte Passagen, mitunter wie gedankenverloren dahinschwebend, auch wieder meditative Klänge, immer wieder viel Freiräume für alle Beteiligten offen haltend. Für mich als Zuhörer bietet diese Bandbreite natürlich ein echtes Hörvergnügen
Die Bandleaderin lässt ihren Bass als Einleitung zu "Change" singen und spielt mit sehr warmen und zuwendendem Klang. Nach und nach bringen sich Gitarre und Vibrafon ein, und mittels Perkussion wird ein rhythmischer Teppich gewoben, bis dann ein "Change" dergestalt erfolgt, dass Gitarrist Böhlen das Zepter in die Hand nimmt und ab etwa Minute Vier allein vorstellig wird mit einer individuell geprägten Solovorführung, bis nach und nach Alle wieder zusammenfinden. Ja, dieser Song ist sicher ein gutes Beispiel für die recht individuelle und offene Gestaltung.
Mit der "Unendlichkeit" werden wir verabschiedet, sehr ruhig gehalten, Böhlen hat seine E-Gitarre gegen eine akustische getauscht und somit wird eine weitere Nuance der Klang- und Ausdrucks-Gestaltung hinzugefügt.
Im Übrigen, in Hinblick auf das Line-Up bin ich mir nicht sicher, auf welchem Song die bei Böhlen aufgeführte Schreibmaschine, die auch auf der Rückseite des Covers abgebildet ist, 'erklingt'. Offensichtlich wurde sie geschickt in die perkussiven Elemente einbezogen. Angaben aus dem Internet zufolge nehme ich an, dass die alte Continental-Schreibmaschine zumindest beim Song "Brunoise" eingesetzt wurde. So erfuhr ich auch die Bedeutung des Albumtitels in Bezug auf Bartók, als Anagramm, denn im Albumtitel "Akrobat" steckt schließlich sein Name, stellt man die Buchstaben des Wortes etwas um!
Line-Up Judith Goldbach Quartett:
Judith Goldbach (Kontrabass)
Sebastian Böhlen (Gitarre & Schreibmaschine)
Claus Kiesselbach (Vibraphon & Glockenspiel)
Michael Fischer (Schlagzeug & Perkussion)
Trackliste "Akrobat":
- Bartiktok (5:07)
- Nachtwandel (8:01)
- Chip & Charge (5:44)
- Periculum (5:33)
- Akrobat (7:29)
- Brunoise (4:11)
- Change (6:50)
- Chondritchen (6:01)
- Unendlichkeit (8:17)
Gesamtspielzeit: 57:49, Erscheinungsjahr; 2025



Neueste Kommentare