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Kari Bremnes / Ennu Her – EP-Review

Kari Bremnes / Ennu Her - EP-Review

2018 war es, da rezensierte ich das Album Det Vi Har der norwegischen Sängerin Kari Bremnes. Damals stellte ich fest, dass die Musik in eine Art Traumwelten entführte, von Melancholie, Sehnsüchten, Traurigkeit geprägt, auf intensiv berührende Art ausgedrückt. Danach wurde es recht ruhig um die Interpretin, lediglich 2019 gab es eine EP mit drei Songs, und auch jetzt reichte es nur wieder für eine EP, nun jedoch mit sechs Titeln. "Ennu her" heißt das Album, und das passt insofern, wenn man es übersetzt, in etwa 'Immer noch hier'. Und das ist gut, dass sie noch hier ist, denn wiederum erwartet uns eine auf bestimmte Art und Weise recht zauberhafte Musik.

Laut Presse-Info hat sich die Künstlerin geäußert, dass wir in einer »beängstigenden und unbeherrschbaren Welt« leben. Ob sie diese Thematik im Einzelnen in ihren Texten berücksichtigt hat, vermag ich nun nicht nachvollziehen. Zwar sind diese im separaten Booklet beigefügt, jedoch in der Landessprache und nicht übersetzt, abgedruckt.

Die Musik ist sehr ähnlich wie jene auf "Det Vi Har", sind doch auch die gleichen Musiker beteiligt. Auffällig ist ein relativ hoher Anteil des Programming. Eigentlich spielt ja ein Schlagzeuger mit, aber die – wie vorher auch – elektronischen Elemente bestimmen auch hier das Klangbild weitestgehend. So ist ein Aspekt, den ich von anderen skandinavischen Künstlern gleichfalls kenne, nämlich eine dahinschwebende Atmosphäre, nicht immer gegeben, sondern die Beats halten den warmen Sound inklusive der angenehm ruhigen Stimme der Protagonistin doch eher am Boden und lassen ihn nicht abheben. Mitunter bringt sich die Gitarre mit schwebendem Sound kurz ein, und zum Beispiel bei "Ka skjer når det e natt" wird es eher ruhig und noch ein wenig schöner in der Gestaltung, es ist eher verträumt und man fokussiert sich ein wenig mehr.

Hier muss ich die Presse-Info wiederum bemühen, um die Aussage der Songs noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen, denn darum scheint es anscheinend zu gehen, um die Zustände auf unserer Welt. Sinngemäß hat sich Kari Bremnes in etwa so geäußert, in Weiterführung des oben angeführten Satzes zur beängstigenden Situation, von der wir alle umgeben sind: »Vielen von uns geht es so. Es ist niederschmetternd, täglich die Nachrichten zu sehen, die über Kriegsverbrechen und menschliches Leid berichten, meist verursacht durch Gier und machthungrige Männer.«

Wie Kari Bremnes auch ausführt, habe sie geliebte Personen verloren, und zum Abschluss mit "Denne sangen" bedankt sie sich bei allen Hörer*innen, dass sie weiterhin dabei sind und ihre Musik hören und ihre Konzerte besuchen. Ja, schön ist es insofern, dass sie »immer noch hier« ist, und dass ihr Statement mit den sechs neuen Songs ein wenig aufrütteln möge. Utopie?


Line-up Kari Bremnes:

Kari Bremnes (vokal)
Børre Flyen (trommer, perc)
Børge Petersen-Øverleir (gitarer)
Bengt E. Hanssen (tangenter, vokal og programmering)
Hallgrim Bratberg (gitarer – #4)

Tracklist "Ennu her":

  1. Litt av et liv (4:40)
  2. I korte liv og lange år (5:02)
  3. Ka skjer når det e natt (4:08)
  4. Folk som ingen ser (3:32)
  5. Kan være nåkka som går (5:10)
  6. Denne sangen (3:16)

Gesamtspielzeit: 25:51, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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