Den ersten Teil des "Camera Obscura"-Werkes haben wir vor Kurzem bereits vorgestellt und dabei auch erwähnt, was der Protagonist Frank Us über diese Produktion sagt und was es mit der Aufteilung in zwei Teile auf sich hat.
Einige der auf Volume 1 beteiligten Gastmusiker sind auch auf vorliegendem Albumwieder aus vertreten. Neu dazugekommen ist Schlagzeuger Kai Weidle.
Der zweite Teil, der in dunklere und extravagantere Sphären führen soll, beginnt mit klarem Pianoklang, bollernden Drums und, ja, extravagant zu nennendem Vorgeplänkel, welches mit äußerst rhythmischem Schlagzeug in eine melodievolle Gesangspassage führt und fast den Eindruck einer AOR getränkten Prognummer vermittelt. Es passt alles: vom filigran flinken Gitarrenspiel über sphärische Breaks und zartem Tastenspiel hin zu komplexen Strukturen; alles immer im Fokus einer Nummer, die mit 16 Minuten zwar lang zu nennen ist, die allerdings durch die Aufteilung in sechs Parts stets Neues bietet und trotzdem als ein Gesamtes zu sehen ist. Man mag sich das etwa vorstellen, wie sich im Winter nach dem Zwiebelprinzip zu kleiden und durch die vielen verschiedenen Schichten eine warme Kleidung zu tragen.
Klasse kommt auch der wahrlich sirenenhafte Vokalpart von Liza, der sich wunderbar mit dem von Jake Livgren ergänzt. Die Lyrics um den Dunning-Kruger-Effekt sollen mal außen vor bleiben, denn da meine erste Berührung mit diesem psychologischen Ausdruck im Booklet stattfand, möchte ich den Effekt nicht unbedingt auf mich selbst anwenden wollen …
"Leave The Prison" lässt alte Traditionen aus großer Prog-Zeit auflehnen, spielt mit zarten Keys, akzentuierten Vocals und in der ruhig gehaltenen Stimmung gibt es viele Momente, die sich auf die ein oder andere Art angenehm bemerkbar machen wie etwas das Geigenspiel oder Breaks, die die Songstruktur nie ins zu Gemächliche driften lassen.
Auch "Hounted House" weiß aufzufallen, denn mystisch düster und ansatzweiße gar dystopisch wirkend baut sich die Nummer auf, bis süßliche Melodiebögen voller Harmonie am Art Rock-Firmament erscheinen, die schließlich mehr oder weniger jäh von der Düsternis umhüllt werden. Ein starkes Stück. "Fear Pt. Three [Continuation]" dagegen proggt, als müsse man zeigen, dass es auch ohne Melodie und roten Faden geht. Viele Tasten, keine Vocals und leicht experimentelle Strukturen, denen auf der Habenseite eine spannende Gitarre sowie ansatzweise leichte Harmonieansätze gegenüberstehen. Als ob ein neuer Tag mit super Sonnenaufgang und klaren Tautropfen anbricht … so perlt I’m Running [Including "The Extra Mile"] aus den Lautsprechern. Zumindest bis sich der Track dahingehend verändert, dass nun echter Prog alter Schule das Zepter in die Hand bekommt und spannende Tunes übernehmen. Allerdings geht es gekonnt wieder zurück zu dem Ort, an dem der herrliche Sonnenaufgang zu erleben war. Die über acht Minuten dieses Tracks bestehen in der Tat aus dem Stoff, den der Prog-Liebhaber mag.
So auch das letzte Stück "So Obvious While Obscure", das noch einmal final alle Register zieht und das ein oder andere Sprengels mit leichtem Funk- und Jazz-Touch bereithält, wie auch wieder diese spannend und treibend aufspielende Gitarre. In Verbindung mit dem ersten Teil der "Camera Obscura" kann man sich somit fast 100 Minuten Prog Rock ins Regal stellen und bei Bedarf die Scheibe ziehen, auf die man gerade Bock hat.
Line-up Legacy Pilots:
Frank Us (keys, guitars, vocals. vocals – #2,3,5)
With:
Todd Sucherman (drums – #1,6)
Marco Minnemann (drums – #4,5)
Kai Weidle (drums – #2,3)
Lars Slowak (bass -#1-6)
Jake Livgren (vocals -#1)
Liza (the siren –#1)
Finally George (vocals – #2,3,5, violin – #2)
Seth Hankerson (guitar solo- #1)
Tacklist "Camera Obscura Volume 2":
- The Illusion Of Knowing (15:53)
- Leave The Prison (06:02)
- Hounted House (05:13)
- Fear Pt. Three [Continuation] (05:12)
- I’m Running [Including "The Extra Mile"] (08:15)
- So Obvious While Obscure (08:45)
Gesamtspielzeit: 49:36, Erscheinungsjahr: 2026



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