Der angebrochene Herbst ist dazu angetan, nach draußen zu gehen und es sich bei diversen Festen möglichst gemütlich zu machen. Dazu gehört immer gute Musik. Hierbei fällt auf, dass das Covern offenkundig immer beliebter wird. Salopp ausgedrückt: Es wird putzmunter gecovert, was das Zeug hält. Natürlich ist der Geldbeutel der Veranstalter ein gewichtiger Grund. Bei der aktuellen Ausgabe des Jenaer Altstadtfestes (12.-21. September 2025) gab es gleich mehrere solcher Angebote (Deep Purple, Udo Lindenberg, Electra– und weitere Ostrocksongs wurden hier neu interpretiert).
Aber es gab gleichzeitig Originale zu hören (Berluc, die Ostrockkultband), vor allem aber Konzerte mit regionalen Künstlern. Inzwischen gibt es Tribute-Bands, die dem Original in nichts nachstehen, in puncto Spiellänge und Originalität den prominenten Vorbildern sogar den Schneid abkaufen. Aber Namen lassen wir an dieser Stelle besser weg. Covern ist nicht gleich covern. Das merkt der Besucher, wenn er das Geschehen aufmerksam verfolgt. Wer ursprünglich fünf Jahre in Jena studiert und damit vor genau vier Jahrzehnten begonnen hat, darf in einer Woche auch zwei Mal zum Altstadtfest. Das war meine Motivation, um am 19. September 2025 noch ein weiteres Mal den Jenaer Marktpatz zu besuchen. Ja, auch der Autor dieser Zeilen saß dem Fehler auf, bei der Band Mandowar aus Wetzlar könnte es sich um eine Manowar-Coverband handeln. Wie bereits erwähnt: Wo doch unendlich oft und gern gecovert wird. Gab es das in ähnlicher Form in der grauen Vorzeit auch schon zu beobachten? Diese Frage wirklich nur am Rande.
Nach meiner Recherche noch am Veranstaltungstag freute ich mich umso mehr auf das Jenaer Gastspiel von Mandowar, das 18.30 Uhr pünktlich auf die Minute auf der großen Marktplatzbühne begann. Zu meiner Überraschung gab es sogar eine Pause. Eine Frau aus dem Erzgebirge fragte mich vor dem Konzert, wie lange die Band wohl spielen würde. Ich sagte ihr, zwischen einer und eineinhalb Stunden wird es mindestens gehen. Am 14. September spielten die CrazyBirds mit ihren Ostrock- und Electra-Liedern knapp zwei Stunden. Die Stimmung war bestens, Akteure und Besucher hatten großen Spaß.
Mandowar gestatteten sich nach einer Stunde Spielzeit eine kurze Pause. Um zum Kern zu kommen: Mandowar bestehen aus drei Musikern und einzig das Instrument Mandoline steht als Pate für den Bandnamen. Ein Wortspiel um die Mandoline also. Das mag zunächst überraschend klingen. In der Besetzung Mandoline, Akustikgitarre und Bass covern sie ausschließlich Metal- und Rocksongs, wobei es ein klares Übergewicht zugunsten der Metalfraktion gibt. Schließlich kommen wir doch noch zu Manowar. Deren stimmungsvolle Hymne "Warriors Of The World" aus dem Jahr 2022 erklang nach den zwei Liedern zum Auftakt von Ozzy Osbourne und Nirvana. Schon bei Manowar blieb kein Auge trocken, rieb man sich angesichts der kleinen Besetzung verwundert, besser noch erstaunt die zwei Sinnesorgane. Gespielt wurde mit viel Hingabe und das Original von Manowar war über die volle Spielzeit gut zu erkennen. Die Show von Mandowar kann man nicht in Worte kleiden, man muss es schon erlebt haben.
- Spielspaß und gute Laune
- Sänger Nils Hofmann
- Metal-Klassiker in kleinster Besetzung, von Metallica bis Judas Priest
Spätestens bei "Breaking The Law" von Judas Priest (1980) und "Ace Of Spades" von Motörhead (1980 ) gab es kein Halten mehr. Ungläubiges Staunen. Anhand von Metallicas "Nothing Else Matters" aus dem ’schwarzen Album' (1991) und dem Kulthit "I Was Made For Lovin' You" von Kiss (Mai 1979) wird deutlich, dass es dem Trio aus Mittelhessen vor allem die Klassiker aus dem Metal angetan haben. Angesichts ihrer Spielfreude, mit der sie alle Lieder neu interpretiert haben, bekommt der Begriff Klassiker eine völlig neue Bedeutung. Ebenfalls originell: "Engel" von Rammstein (zu hören auf dem Livemitschnitt aus einem früheren Konzert), gespielt mit Flöte statt auf einem Keyboard. Schlagzeug und E-Gitarre sucht man bei Mandowar ebenfalls vergeblich.
- Mandowar – eine klare Empfehlung für Metalfans
- Let’s rock. Das galt vor allem für die vielen Metal-Versionen
Natürlich sind die Originalstücke herauszuhören, aber das geschieht bei flüchtigem Hören nicht immer sofort. In Melodie und Spiellänge orientieren sich die Kompositionen am Original. Verändert sind die Instrumentierung und teils der Rhythmus, wenn ein Metalsong mit Polka- oder Country-Klängen beginnt. Mandowar bleiben dem Metal auf das Engste verbunden; sie näheren sich diesem Genre jedoch auf eine andere, besonders originelle Weise. Hier könnte die Frage stehen: Ist das dann noch Metal? Gespielt werden die Originalstücke, sie werden nur anders interpretiert. Dafür sorgen in erster Linie die Instrumente. Metal bleibt Metal, sollte es also heißen. Trotzdem vermischen sie verschiedene Stile. Ihre musikalische Heimat nennen sie Country. Dafür stehen zumindest ihre Cowboyhüte.
In Jena musste man den Eindruck gewinnen, dass die Männer immer noch ein Geheimtipp sind. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum sie gerne in kleinen Kneipen vor 50 Besuchern spielen, obwohl es seit Gründung der Band 2010 bereits 600 Konzerte gab. Dass sie zu dritt rocken können, haben sie auf verschiedenen Festivals bewiesen, darunter beim großen Wacken Open Air. Fans waren aus Wanne-Eickel und aus dem Erzgebirge bis nach Jena angereist. Doch das einheimische Publikum reagierte zumindest anfangs noch zurückhaltend. Das ist beim Jenaer Altstadtfest nahezu schon traditionell und war so bereits bei den musikalisch überzeugenden Darbietungen von CrazyBirds und Berluc eine knappe Woche zuvor zu beobachten. Das Altstadtfest in Jena hat ohne Zweifel Charme. Noch dazu finden die Konzerte bei freiem Eintritt statt, aber den großen freien Platz unmittelbar vor der Bühne nehmen die Saalestädter nur zögernd ein.
- Metal-Versionen in erstaunlicher Frische
- Linus (links) und Nailz. Mehr als nur ein Konzert
- Mandowar aus Wetzlar. Das etwas andere Metal-Cover
Mandowar hingegen lieferten eine phantastische Probe ihres Könnens ab und demonstrierten eindrucksvoll, dass in der Musik nichts unmöglich ist und es immer wieder eine Steigerung gibt, was positive Überraschungen betrifft. Sie haben sich bei den Besuchern und gegenüber RockTimes für viele weitere Konzerte empfohlen. Kurz: Mandowar konnten mit der Höchstpunktzahl punkten. Ein Alleinstellungsmerkmal ist ihnen sicher.
- Linus sorgte ebenfalls für Musik und Moderation
- Metal nur mit Mandoline, Gitarre und Bass
- Bassist Andi, in Jena ein würdiger Vertreter des etatmäßigen Mandowar Bassisten Joe
Ein Kompliment und ein Dankeschön gilt den Machern des Jenaer Altstadtfestes für das gute Gespür, ausgezeichnete Musik präsentiert zu haben.
Line-Up Mandowar:
Nailz (Gesang, Gitarre)
Linus (Mandoline)
Joe (Bass)
Gast:
Andi (Bass, Konzert am 19. September 2025, Altstadtfest Jena)
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2025 | Mario Keim | RockTimes















1 Kommentar
Marina
30. September 2025 um 7:40 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Danke für diesen fantastischen Bericht
Mandowar ist wirklich eine Band, die nicht nur mit einem eigenen Stil besticht, mit großartigen Songs, sonder auch äußerst unterhaltsam ist.
ein Mandowar Konzert zu besuchen ist immer ein Fest und ein Garant für gute Laune