Was tut man als heranwachsender Junge, wenn man irgendwo in einer kleinen Stadt in Österreich wohnt? Es gab nichts für Jugendliche, außer zum Trachtenverein zu gehen. Oder man zieht sich in den Proberaum zurück und macht selbst Musik, und zwar die, die einem gefällt. So erging es den Brüdern Alexander und Florian Artner, die so aufgewachsen sind und frühzeitig ihre Vorliebe für Progressive und Metal Musik entdeckten. Diesen Antrieb nahmen sie in ihr Songwriting mit auf. Da die beiden keine Scheuklappen zu anderen Musikrichtungen hatten, trieb sie der Gedanke an, ohne auf Klischees zu achten und auch andere Genres in ihren Songs zu verweben. Nach Ihrer ersten EP, "Ape" (2022), folgt nun mit "Man" ihr zweiter Streich.
Schön sachte und ohne große Aufregung startet die Band ihre Erzählung von "Erect The God Complex" mit den Worten »Stone by stone, we built the tower in the Colosaal Monument, now – Forever we scour … stone by stone … one by one …« – die Sci-Fiction Story nimmt jetzt Fahrt auf und uns erwartet astreiner, progressiver Metal mit einem Hauch Yes! Mit dem Urgestein der österreichischen Progressiv-Szene, Ritchie Krenmair (Stygma IV, Jacobs Moor), haben sie einen fantastischen Sänger für sich gewinnen können, er bringt die nötigen Stimmungen mit, um die komplexe Geschichte zu singen. Der Opener gefällt schon sehr gut.
Nun plötzlich leichter Rhythmus mit einem E-Piano und Flamenco-Spirit im Hintergrund, bis sich auf einmal das Blatt wendet und reichlich Metal ins Spiel kommt. Die Stimme wird rauer, heavier, metallischer – diese Szenen werden immer wieder mit leichteren Toppings aufgelockert. Hier zeigt sich die offene Beziehung zu anderen Genres, die sie gekonnt immer wieder einstreuen, ob wie hier Gypsy, Bar Jazz oder Fusion. Es ist eben nicht störend, sondern fließt in das ganze Konzept mit ein. So entsteht ein kleines Opus voller Spielfreude und einem 70er Spirit. "Sterile Sun" strahlt davon reichlich aus.
Mit einem kleinen Instrumental-Zwischenbreak startet die Band in ein zwölfminütiges Vorzeigewerk der progressiven Musik. Sie ziehen die Geschwindigkeit immer mehr an und die unterschiedlichen Breaks, die Michael Notter an den Drums vorgibt, werden von ihm und seinen Mitstreitern als ein wohlgeformtes Stück Musik zelebriert: "Prophet Machine: Two Infants".
"Man" ist eine spielfreudige EP von Manhattan Century, die in den 32 Minuten prall gefüllt ist mit Rhythmus und Gefühl für proggige Melodien. Die Band bringt all ihre Vorlieben zum Vorschein und die Musik besticht besonders durch das Bandgefüge, da sie ohne große Soloausflüge und Selbstbeweihräucherung auskommen. Die Gebrüder Alexander und Florian, können wirklich stolz sein, solch ein kleines Werk erschaffen zu haben. Es wäre sehr schade, wenn es in der Versenkung des Prog-Schwulst verschwindet. Denn wo die angesagten Prog-Bands in ihren Stücken wiederholt zu ellenlangen Soli ansetzten, gibt Manhattan Century nochmals Gas und das macht einfach Spaß zuzuhören und in Ihre Welt von 'The People | Father Isaac | Prometheus' einzutauchen.
Diese Welt kennt man seit der Debütscheibe, denn "Man" ist Teil zwei dieser fiktiven Story. "Ape" behandelte eine frühe menschliche Zivilisation und deren Verbindung mit einer Enität. Nur mal ganz grob gesagt. "Man" ist nun die Fortsetzung, und nach Konflikten betreffend Individualismus und Kollektivismus, geht es nun um die Suche nach einem ruhigen und selbstbestimmten Leben in einer immer schriller und komplexeren Gesellschaft.
Line-up Manhattan Century:
Alexander Artner (guitars)
Florian Artner (bass, keyboard)
Michael Notter (drums)
Ritchie Krenmair (vocals)
Tracklist "Man":
- Erect The God Complex (8:40)
- Sterile Sun (8:57)
- Dogma Of The Thinking Man (1:26)
- Prophet Machine: Two Infants (12:49)
Gesamtspielzeit: 31:12, Erscheinungsjahr: 2025



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