Im Blues Moose Café in der Café Bar De Comm war Besuch aus Österreich zu Gast: Meena Cryle & The Chris Fillmore Band. Ganz grundsätzlich bot man in dem über eineinhalbstündigen Auftritt einen Querschnitt aus den Alben Try Me (2010) Feel Me (2012) und Tell Me (2014). An allen drei Platten war Chris Fillmore beteiligt.
Kontinuität zahlt sich aus, denn das, was der Gitarrist Chris Fillmore an fantasievollen Saiten-Exkursen bot, war das ebenbürtige Pendant zum Energiebündel Meena Cryle mit ihrer soulig-faszinierenden Stimme. Mit dem Bassisten Joris Henrik und Bernhard Egger am Schlagzeug präsentierte sich das Quartett als eine eingeschworene Musiker-Gemeinschaft mit zwei Hutträgern. Da gab es nicht nur beim tief-nachdenklichen "My Performance Is Over" als Zugabe eine dicke Gänsehaut.
Meena Cryle lebte den Blues in seinen vielen Facetten. Meena Cryle war bei diesem Konzert die Stimme des 12-Takters. Chris Fillmores Gitarrenspiel bildete sozusagen die sechssaitige Übersetzung des Gesangs der Frontfrau, für die, so hatte es den Anschein, die Bühne in der gemütlichen Café Bar De Comm etwas zu klein war. Dafür hatte das Konzert ein ganz großes Format.
Meena Cryles Stimme hatte Kraft sowie Ausdruck und sie konnte locker in den verschiedensten Phrasierungen singen. Bei Chris Fillmores vielen Soli hatten die berühmten Zwischentöne eine große Bedeutung. Seine Alleingänge waren beeindruckend und der ihm geltende Szeneapplaus war mehr als berechtigt. Seine Fantasien stammten von einem ganz großen Baumwollfeld und die Song-Stimmungen reichten geografisch von Chicago bis zum Mississippidelta. Rock, Soul, Funk und Gospel füllten die Setlist.
Dazwischen platzierte das Quartett mit "Enough Is Enough" einen heavy Blues Rock, der die Spitze des Großglockner zum Glühen brachte. Knisternde Spannung erzeugte man durch eine Luftkissen-Schwebe und der kräftigen Erdung im Blues Rock. Toll auch die Soli der Rhythmusabteilung. Bernhard Egger trommelte akzentuiert und konnte den Drum-Zug bis zu einer atemberaubenden Geschwindigkeit beschleunigen. Joris Hendrik fand in der Tiefe der Töne eine herrliche Verträumtheit und Meena Cryle servierte mit dem aktivierten Wah Wah-Pedal feurigen Funk. Highlights gab es in den beiden Teeilen des Konzerts mehr als genug. So waren "Stay Away From Me Baby", das mit iberischem Flair versehene "If You Had A Diamond, "It Makes Me Scream" oder "Lord Have Mercy" Highlights des Auftritts.
"I’d Rather Go Blind" von Etta James war brillanter Blues mit einer Interpretation, die nichts, aber auch gar nichts zu wünschen übrig ließ. Nicht nur beim Slow Blues war die Protagonistin tief im Text verankert und sang ihn innig oder extrovertiert mit einer echten Gestik sowie Mimik. Dahinter steckte, gültig für die alle Bandmitglieder, Authentizität und Respekt vor der Tradition.
Chris Fillmores Resonator-Gitarre thronte auf dem Verstärker und während des Gigs fragte man sich schon, ob dieser Sechssaiter nur zu Dekoration dort platziert wurde. Dann kam sie doch noch zum Einsatz und mit dem Bottleneck versprühte er dann eine völlig andere Atmosphäre. So hatte die Slide-Gitarre ihren eigenen, exklusiven Vorhang. Super! Toll auch die Spielereien mit der Dynamik und Lautstärke, besonders als Chris Fillmore sein Arbeitsgerät immer leiser stellte und die Band dabei gefühlvoll mitmachte.
Bei unserer heutigen Schnelllebigkeit, musikalisches Fast Food aus der Konserve inbegriffen, war dieses Konzert von zeitloser Schönheit. Meena Cryle & The Chris Fillmore Band sind eine sich fantastisch ergänzende Allianz. Mit ihrer Echtheit gehört diese Formation zu den Großen des europäischen Blues.
Line-up Meena Cryle & The Chris Fillmore Band:
Meena Cryle (vocals, guitar, tambourine)
Chris Fillmore (guitars)
Joris Hendrik (bass)
Bernhard Egger (drums)
- Joris Hendrik am Bass
- Bernhard Egger Drums
- Meena Cryle
- Chris Fillmore
- Chris Fillmore mit der Halbakustischen
- Meena Cryle Funk
- Joris Hendrik nachdenklich
- Meena Cryle hat den Blues
- Chris Fillmore beim Solo
- Chris Fillmore zaubert
- Meena Cryle nachdenklich
- Bernhard Egger in Action

















1 Kommentar
andre wittebroek
17. Oktober 2016 um 14:51 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Stimmt alles. Toll geschrieben Joachim und so war es auch. Klasse Konsert!!