Spätberufene Rock’n’Roll Nuggets am Fuße des Berges
Ja, die Berge sind tatsächlich nicht weit, immerhin fast 200 m ü. M. am westlichen Ufer des Lago Maggiore gelegen, mal gerade 15 km südlich von der Schweizer Grenze entfernt … Verbania, der Ort in der Region Piemont, an dem Mountain’s Foot im Spätsommer 2016 ihren Anfang nahmen. Sicherlich nicht als Mekka des Rock’n’Roll bekannt, zockten hier zwei alte Bekannte nach jahrelanger musikalischer Durststrecke an den Saiten und Fellen um die Wette, die musikalische Leidenschaft bezüglich der Kernkompetenz des Kosmos stilprägender klassischer Rockmusik zwischen Mitte der 1960er und Mitte der 1970er Jahre wiederentdeckend und fortan von dem Wunsch getrieben, selbige mit einem Sänger und einem Bassisten im Maschinenraum im Hier und Jetzt als nicht mehr ganz jugendliche Draufgänger umzusetzen.
In der vergleichsweise überschaubaren "Metropole" waren beide Mitstreiter … 'man kennt sich' … alsbald gefunden und es stellte sich schnell heraus, dass die Chemie stimmte, so dass entsprechende Funken fliegen konnten.
Die gemeinsame Vorliebe für klassische Riffs, lange Nächte und lecker Bier sorgte schlussendlich dafür, dass die Band Ergebnisse in Form von eigenen Songs zeitigte, welche dann in der lokalen Clubszene auf die interessierten Trommelfelle gefeuert wurden.
Das Feedback ermunterte das Quartett schließlich, ihren kreativen Output in einem Aufnahmestudio auf ein Album zu bannen, welches dem Rezensenten im fernen Norddeutschland nun in den Briefkasten geflattert ist.
Und dieser kann in diesem Falle unmöglich neutral sein.
Schon längst sollten die Goldgräber unter uns Rockliebhabern entdeckt haben, dass die Italiener abseits von Schlager-Sanremo, Disco-Schmonzetten, Ramazotti und Frontiers Music echte Nuggets zu bieten haben, welche entdeckt werden wollen.
So begeistert, wie sich der Rezensent vor gut einem Jahr bezüglich Ramrod zeigte, so angetan lauscht selbiger seit geraumer Zeit dem Debüt von Mountain’s Foot, welches vom brandneuen Label Delta-Promotion vertrieben wird.
Selbstredend hören wir auch Reminiszenzen an die Woodstock-Veteranen-Band ohne Foot im Namen, allerdings im Gesamtausdruck weniger walzend. Neben rifflastiger Wiederbelebung der guten alten Rockmusik, die auffallend frei von jedweden Manierismen und jedweder Effekthascherei furztrocken auf den Punkt kommend und mit spürbarem Enthusiasmus aus den Boxen klöppelt, werden auch augenzwinkernd zwischendurch diverse Retro-Sound-Spielereien eingebaut und jede Menge gezügelte Delikatessen offeriert, die als Ausgleich zum trockenen Roten eher dem fruchtigen Weißen frönen.
Aber machen wir uns nichts vor … letztlich agieren Mountain’s Foot auf einem Terrain, welches einerseits heutzutage absolute Randnische ist, andererseits erstaunlicherweise von gefühlt Millionen anderer Bands beackert wird. Hier ein unverwechselbares, individuelles Gesicht herauszuarbeiten, dürfte angesichts der reichhaltigen Historie des beackerten Feldes der Quadratur des Kreises gleichen.
Und doch … dieser italienische Vierer spielt einfach auffallend fließend, transportiert hervorragend die zur Musik passende Stimmung, ist innerhalb der selbst definierten Grenzen ausgesprochen variabel unterwegs und weiß durchgehend mit latenten Finessen zu überzeugen … sei es das Songwriting, sei es der Sound oder sei es das kurze instrumentale Solo. Insgesamt ist diesen reifen Newcomern ein für das Genre überraschend dichtes, kompaktes, intensives und fesselndes Album gelungen, welches an keiner Stelle den Wunsch aufkommen lässt, unbedingt die alten Klassiker der Rockmusik von den Spinnweben befreien zu müssen … die Musik von Mountain’s Foot funktioniert prima für sich, auch wenn Alleinstellungsmerkmale fehlen.
Fazit:
Hier ist ganz klar die Mannschaft der Star und erklimmt bravourös den Berg, der ehemals auf Rock’n’Roll fußte, heutzutage aber nur noch unentwegte Wanderer anlockt, die sich am Ufer des Lago Maggiore von den Anstrengungen ihrer Begeisterung erholen.
Line-up Mountain’s Foot:
Matteo Scaringelli (lead singer, guitars)
Mauro Ramozzi (guitars, backing vocals)
Simone Facchi (drums, backing vocals)
Fabio Bonomi (bass)
Tracklist "Mountain' Foot":
- Angry Bear (4:16)
- Little Big Valley Man (4:07)
- Admirable Vision (5:25)
- Rock And Roll Dose (3:31)
- My Happy Song (4:51)
- By Way Home (4:50)
- Always Sick And Tired (5:24)
- On A Beat Of A Gun (7:13)
- Libra (5:40)
Gesamtspielzeit: 45:16, Erscheinungsjahr: 2019/2020



3 Kommentare
Werner Schlösser
21. Juli 2020 um 10:49 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Moin Olli kannst Du mir einen Kontakt nennen wo die CD von Mountain`s Foot eventuell zu erwerben ist ?
Ulli Heiser
21. Juli 2020 um 17:05 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hallo Werner,
Das Label veweist auf Bandcamp. Dort ist sie erhältlich:
Ob sie sonst noch wo zu bekommen ist, habe ich nicht gecheckt, nach der ersten Fundstelle.
Gruß
Ulli
Werner Schlösser
24. Juli 2020 um 8:08 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Hallo Ulli danke für die Info habe die CD schon bestellt (incl.MP3 Download).
Weiter so bei Euch, noch einen Tipp aktuell die neue Too Slim and the Taildraggers: The Remedy…im wahrsten Sinne des Wortes für diese Zeiten.
LG aus Düsseldorf