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Robert Jon & The Wreck / Last Light On The Highway – CD-Review

Robert Jon & The Wreck / Last Light On The Highway

Wer den Werdegang dieser Truppe aus Orange County in Kalifornien speziell auch im letzten Jahr ein wenig mitverfolgt hat, der muss neidlos anerkennen, dass sie zu Recht überall und jederzeit nur beste Kritiken einheimsen. Ihr Talent, ihr Arbeitseifer und ihre unermüdliche Bereitschaft ständig und an jeder Ecke der westlichen Welt zu touren, zahlen sich augenscheinlich aus. Einladungen zu Festivals, Kreuzfahrten und knüppelvolle Häuser sprechen eine deutliche Sprache. Wo die Jungs zwischen all der Tourerei noch die Zeit hernehmen, um wieder neues Material aufzunehmen, kann nur vermutet werden. Fakt ist, exakt ein Jahr nach Take Me Higher, das der Autor dieser Zeilen auch schon beackern durfte, kommt nun das achte Werk der (nicht nur) Southern Rocker an den Start.

Die zehn neuen Stücke konnte man vergangenen Sonnabend noch live und in voller Länge über die bandeigene Seite mitverfolgen – ein Zugeständnis an die momentane Krisen-Situation, die ein echtes Release-Konzert mit Zuschauern und allem leider unmöglich macht. Den Opener zum vorliegenden Album macht "Oh Miss Carolina", das bereits vor einiger Zeit als Auskopplung im Netz die Wogen höher schlagen ließ. Ein moderner Southern Rocker, der in seiner qualitativ hochwertigen Darbietung melodiöser Wechselparts zwischen Gitarren und Tasten wie aus dem Lehrbuch kommend erscheint. Augen zu, entführen lassen, träumen!

Dass der Namensgeber, Robert Jon, mit seinem blutjungen Counterpart an der anderen Gitarre, Henry James, dem unermüdlichen Tastenmann Steve Maggiora sowie der Rhythmusabteilung aus Basser Warren Murrel und Schlagzeuger Andrew Espantman sehr viel mehr kann, als nur Southern Rock zu spielen, wird direkt im zweiten Track unter Beweis gestellt. "Work It Out" könnte ohne Einschränkung auf einer Setliste von Jimmy Barnes für dessen Soul Deep-Tour stehen. Dieser Soul in der Komposition ist unglaublich. Ein Bläserarrangement sorgt hier (erstmalig) für die richtigen Akzente und der Keyboarder spielt sich in ein sehr songdienliches Duell mit dem Fronter Robert Jon.

Ein paar Stücke später kommt mit "Tired Of Drinking Alone" schon eines der Highlights von "Last Light On The Highway". Geschrieben lange vor dem weltumspannenden Lockdown, mutet es an, als hätten die Jungs geahnt, was da auf uns zukommen würde. Ihre Internet-Version dazu konnte man unlängst als Video betrachten und die Clicks sprechen deutlich für sich. Dazu hatte man alle möglichen Wegbegleiter aus der Musikbranche gefragt, etwas beizusteuern und im Ergebnis kann man einen bunten Reigen Beitragender sehen, die es als persönliches Anliegen betrachten, in dieser schweren Zeit unterstützend einzuspringen. Unterm Strich ein weiteres Beispiel feinsten Southern Rocks, das, mehrfach gehört, das Zeug für einen mächtigen Ohrwurm hat.

Immer wieder verfällt der aufmerksame Hörer in Verzückung, wenn er dem Zusammenspiel (oder auch den Soloeinlagen) der beiden Gitarristen lauscht. Es braucht keinen ausgewiesenen Fachmann für die Erkenntnis, dass hier Talent auf Talent trifft. Natürlich ist "Last Light On The Highway" kein reines Gitarrenalbum, es lebt vielmehr davon, wie die Fünf ihr Können im Wechselspiel zu einer famosen Melange verschmelzen lassen. Seien es die coolen Bassläufe Murrels, die treibenden Trommelsounds des ewig grinsenden Espantman, die Gitarrenpassagen von Burrison und Schneekluth oder die Töne aus Maggioras Tasten – mal Honky Tonk-Piano, mal wabernde Orgel – alles fügt sich zu einem gelungenen Longplayer, der nur darauf wartet, endlich live (also richtig mit Publikum) gespielt zu werden.

Natürlich findet man auf "Last Light On The Highway" auch Querverweise auf Größen des oder besser der Genres, denn die Scheibe bietet vielen Freunden vieler Stilrichtungen genug zum Dahinschmelzen – um es mal ganz nüchtern auszudrücken. Wir finden Blues, Soul, Southern und Classic Rock, Americana und natürlich Country-Elemente, die einander in kurzweiliger Folge abwechselnd oder miteinander zu einer Einheit werden. Wer sich dem Southern Rock verschrieben hat, der wird z. B. auch bei "Do You Remember" fündig. Eine Hommage an die Allman Brothers (die sich ja nie als Southern-Rocker sehen wollten, aber irgendwie doch für dieses Genre stehen) wie sie im Buche steht. Gleiches gilt für "Don’t Let Me Go", das besonders durch diese fantastische Gitarrenarbeit von Henry James hervorsticht. Weiß der Himmel, wo sie dieses Talent ausgegraben haben, aber der Junge bleibt der Band hoffentlich noch lange erhalten.

Das 'letzte Licht' ist gleichzeitig das hellste Licht auf "Last Light On The Highway". Ein zweigeteiltes Ensemble des Titelstücks, das wir bei Part 1 als sanft-melancholischen Blues aufnehmen, der akustisch dargeboten – gefühlt – die Seele auf der Zunge spazieren trägt. Beim zweiten Teil dann geht die Band endlich in ihren vielgeliebten Jam-Modus über und der Hörer wird besonders mit feinsten Gitarren belohnt. Das auf 15 Minuten gedehnt und der Saal eines jeden Konzertes wird toben.

Bevor ich nun Gefahr laufe, mich ob der Talente der Musiker zu wiederholen, schließe ich schlichtweg mit der uneingeschränkten Kaufempfehlung für "Last Light On The Highway". Wenn dieses Album nicht ganz weit oben auf den Listen landet, dann können wir einzig das biestige Virus aus dem Osten dafür verantwortlich machen – am Geschmack der Hörer wird es wahrlich nicht liegen!


Line-up Robert Jon & The Wreck:

Robert Jon Burrison (vocals, guitars)
Henry James Schneekluth (lead guitar, vocals)
Warren Murrel (bass)
Steve Maggiora (keys, vocals)
Andrew Espantman (drums, vocals)

Tracklist "Last Light On The Highway":

  1. Oh Miss Carolina
  2. Work It Out
  3. Can’t Stand It
  4. Tired Of Drinking Alone
  5. Do You Remember
  6. This Time Around
  7. Don’t Let Me Go
  8. One Last Time
  9. Gold
  10. Last Light On The Highway Pt. 1
  11. Last Light On The Highway Pt. 2

Gesamtspielzeit: 44:22, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Claus Heim

1 Kommentar

  1. Steve

    Wahrlich ein tolles Album, dazu ausgesprochen abwechslungsreich.
    Und ja: Die mit vielen Highlights gespickte Liedsammlung wartet am Ende mit einem ganz besonderen Schmankerl auf. Für mich schon jetzt ein heißer Anwärter auf das Album des Jahres.

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