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Roland Bühlmann / H59 – Schallbilder – Digital-Review

Seit 2020 beschäftigt sich RockTimes mit der Musik von Roland Bühlmann.
Drei Alben wurden bisher unter die Lupe genommen. Es sind Crucial (2020), LINK Dubnos (2021) sowie Emnalóc (2022).
Anfang September 2025 kam "H59 – Schallbilder" auf den Markt.
Dieses Album darf man mit Fug und Recht als eine ganz besondere Veröffentlichung bezeichnen, denn der Musiker Roland Bühlmann hat neunundfünfzig Bilder von Antonius Kurz vertont.
In einer Übersetzung der englischsprachigen Informationen auf Roland Bühlmanns Bandcamp-Seite lesen wir unter anderem:
»[…] H59 ist ein Projekt das in Zusammenarbeit mit dem Kameramann und Kunstmaler Antonius Kurz entstand. Er hat die abstrakten Bilder gemalt, und ich habe kurze Tracks zu jedem Bild komponiert. Es war eine Herausforderung so kurze Stücke zu produzieren, da meine Musik sonst einiges länger ist.[…] Zum Titel H59: das H steht für französisch huit, 8 …mein achtes Album dessen Titel mit H beginnt. Das Album basiert auf 59 abstrakten Bildern des Künstlers Antonius Kurz. Weiter bezeichnet H59 ein Material (Messing) das hauptsächlich aus den beiden Metallen Kupfer und Zink besteht, und so die Verbindung von Malerei und Musik symbolisiert. […]
Beim Komponieren/Produzieren ging ich auf 3 Arten vor:
1. Musik zum Bild komplett neu komponiert und eingespielt/produziert.
2. Musik zum Bild mit z.T. bestehenden Teilen produziert.
3. Musik zum Bild mit bestehenden Teilen modifiziert und produziert. […]«

Bei neunundfünfzig Songs dürfte es sich wohl auch um die längste Tracklist bei RockTimes handeln.

Roland Bühlmann kreiert teilweise traumhafte Klanglandschaften.
In den neunundfünfzig Titeln bietet uns der Künstler Musik zum Relaxen und auch Sound-Kaskaden der furiosen Art. Electronica ("Blaue Stunde"/"Luft") trifft auf progressive Formate wie zum Beispiel bei "Boom" oder Gitarren-Rock àla "Rage Against Everything".
Relativ schnell gewöhnt man sich an die doch relativ kurzen Tracks.
Mit der grundsätzlichen Genre-Ausrichtung gibt es natürlich auch die eine oder anderem Sicht über den Tellerrand der bereits genannten Stile. So verorten wir "Movement" mit seinen Piano- sowie Gitarren-Fantasien im Jazz beziehungsweise Jazz Rock, auch Fusion genannt.
Vom butterweich klingenden Bass sowie schwebender Stimmung erleben wir in "Lead And Cords" eine E-Gitarre der sanften Art.
Gleich danach ist das treibende "Everything Is Moving" ein Kontrast zu "Lead And Cords". Der Groove aktiviert die Fußwippe und in dessen Umfeld geht es fast schon experimental zu. Highlight.

Was der Groove in "Everything Is Moving" sind bei "Brave New World" die Percussion-Klänge. Die E-Gitarre verfügt über faszinierende Momente zwischen Rock und Jazz und am Ende steht ein herrlich gespieltes Keyboard.
In "Nachtspaziergang" geht es quasi über Stock und Stein. Auch hier bestimmt der Bass den Weg und der Sechssaiter klingt verdammt scharf gewürzt.
Bei "The Cosmic Sun" müsste es vom Titel her ab in die luftleere Atmosphäre gehen. Die Stimmung eines Platzes im Weltall passt schon, gerade durch die ansteigende Dynamik ausgedrückt. "Sixth Heaven" macht da weiter, wo "The Cosmic Sun" endet.
Wunderschön, wie "Good Vibes" dahin schwebt und bei "Ugly Curtain" verschmelzen zur Percussion-Begleitung hypnotische Gitarren-Sounds, die am Schluss von einem Solo überlagert werden.
In "The Way To Vinyl" setzt Roland Bühlmann die akustische Gitarre ein und rund um eine kathedralen Atmosphäre hören die Leute vor den Lautsprechern eine E-Gitarre in King Crimson-Manier oder eben wie bei Robert Fripp.
In besonderer Weise rückt die Kalimba bei "Zauberstock" in den Vordergrund.
"Magenta World" ist vertrackte Rhythmik zu einer im Fusion verankerten Gitarren-Fahrt.

Die Fantasiewelt eines Klang-Künstlers wie Roland Bühlmann ist unerschöpflich.

"H59 – Schallbilder" von Roland Bühlmann ist speziell.
"H59 – Schallbilder" von Roland Bühlmann kreiert ganz besondere Klang-Räume, die einen trotz der Kürze der Tracks in den Bann ziehen.
"H59 – Schallbilder" von Roland Bühlmann ist schon wegen der fast sechzig Songs eine nicht alltägliche Veröffentlichung und die künstlerische Wertschätzung kann nicht groß genug ausfallen.
"H59 – Schallbilder" von Roland Bühlmann hat einen magnetisierenden Effekt.

Nach der Tracklist folgen Videos zu zwei Songs.

OT: Beispiele dafür, Gemälde oder Bilder in Musik umzusetzen, gibt es so einige.
Aus der Klassik sehr bekannt ist Modest Mussorgskis Werk "Bilder einer Ausstellung", das in den einzelnen Sätzen Bilder seines verstorbenen Freundes Viktor Hartmann beschreibt. Von Maurice Ravel kennt man auch die Orchesterfassung des Originals von Mussorgski.
Emerson, Lake & Palmers Pictures At An Exhibition entwickelte sich zu einem Klassiker des Progressive Rock und die Gruppe StarkLinnenmann transferierte das Werk in den Modern Jazz.


Line-up Roland Bühlmann:

Roland Bühlmann (electric guitar, nylon-string-guitar, Aeon Sustainer, Korg MS-20, Logic Software Synthesizer, kalimba, percussion)

Tracklist "H59 – Schallbilder":

  1. Betterave Et Nuages (0:49)
  2. Blaue Stunde (1:11)
  3. Boom (0:46)
  4. Budokan (1:00)
  5. Peacock (0:54)
  6. Complexity (0:45)
  7. Das Meer am Bahnhof (0:44)
  8. Disappear In The Color Box (0:47)
  9. Traumwelt (0:39)
  10. Endless For A Moment (0:55)
  11. Lead And Cords (1:05)
  12. Everything Is Moving (1:04)
  13. Fat Colored Death In The Garden Eden (0:48)
  14. Brave New World (1:05)
  15. Green Meditation (1:02)
  16. Green Passage (1:04)
  17. Gulls And Owls (0:47)
  18. Hausgeister (0:57)
  19. Higher Power (0:48)
  20. Invisible Dance (0:37)
  21. Landscapes And Dark Rooms (1:09)
  22. Lower Layer And Upper Pleasure (0:59)
  23. Luft (0:58)
  24. Magic (0:48)
  25. More Than Grooves (0:53)
  26. Motion (0:48)
  27. Nachtspaziergang (0:47)
  28. Never Mind (0:44)
  29. Playing Outside (1:06)
  30. Rage Against Everything (1:02)
  31. Rainy And Sunny Days (0:58)
  32. Rendezvous (0:51)
  33. The Cosmic Sun (1:13)
  34. Screaming (0:55)
  35. Confession Of A Cactus (1:07)
  36. Sixth Heaven (0:55)
  37. Sounds From The Workbench (1:02)
  38. Suffering (0:58)
  39. Summer Loops (0:55)
  40. Sunny Waiting Room (0:48)
  41. Taste Of Light (1:05)
  42. Good Vibes (1:04)
  43. The Ugly Curtain (0:55)
  44. The Way To Vinyl (0:56)
  45. Tonbilder (0:55)
  46. Undiscovered Affection (0:50)
  47. Wallpaper And Waterbucket (1:31)
  48. White Plastic Mouse (0:43)
  49. Without Ambitions (0:53)
  50. Wunderwelt (0:44)
  51. Schallbild (0:58)
  52. Zauberstock (1:19)
  53. Zoo (0:50)
  54. Explosion (0:44)
  55. The Place Of Return (0:46)
  56. Dreaming Ball (0:46)
  57. Origin (1:01)
  58. Movement (0:53)
  59. Magenta World (1:04)

Gesamtspielzeit: 54:40, Erscheinungsjahr: 2025

"Disappear In The Color Box":

"Sixth Heaven":

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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Mail: joachim(at)rocktimes.de

1 Kommentar

  1. Roland Bühlmann

    Hallo Joe,
    vielen Dank für das Review!
    Freundliche Grüsse
    Roland

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