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Sober Truth / Goddess – CD-Review

Sober Truth - Goddess

Eine geheimnisvolle Frau in Rot bzw. mit rotem Hintergrund ist zu sehen. Nein, ich bin jetzt nicht im falschen Film (von 1984) und auch nicht beim Song von Chris de Burgh (von 1986). Also keine Angst, Sober Truth machen nicht etwa mittlerweile Kuschel Rock/Pop, sondern sind sich treu geblieben.
Es ist wohl eher Zufall, dass das Cover der neuen Scheibe in Rot gehalten ist, ebenso wie die letzte, die ich von der Truppe aus Nordrhein-Westfalen hatte. Sechs Jahre ist das mittlerweile her, dazwischen gab es 2021 noch die "Laissez faire, Lucifer!"

Zurück zur roten, biomechanisch wirkenden Göttin. Ich finde das Covermotiv von "Goddess" gelungen und schön. Auch bzw. vor allem, weil die Schönheit auf etwas Schrofferes trifft und damit die Musik der Scheibe andeutet, die ebenfalls (gewollt) schroff wirkt. Oder laut Sober Truth: »Dunkel.Mächtig.Sinnlich«

Es handelt sich hierbei – gemäß Aussage der Band – um ein Album über eine Reise zwischen Licht und Schatten, die »von der Geburt der eigenen Identität (Embryonic Part I & II) über den Kampf gegen die digitale Kontrolle (Forbidden) bis hin zur Suche nach der eigenen Wahrheit und innerer Stärke (Pathfinder, Shining, Who Am I)« führt. Das ganze gepackt in Groove Metal (als Hauptstilangabe), wobei noch andere Einflüsse dazu kommen, von Thrash bis Prog.

Die Anfangsfrage / der Opener "Who Am I" beginnt mit einem Melodic Death Metal-Riff, ist danach kantig und modern, ja sogar etwas zerrissen, passend zur Gegenwart "Shining" ist etwas gebremster, aber ebenfalls harsch und aggressiv, geht schon in die Richtung Nu Metal.
Somit ist schon mal klar: Wer traditionellen Thrash bevorzugt wird hier eher nicht so begeistert sein. Wobei die Musik gut zur Thematik passt – und die Stimme von Torsten Schramm wiederum dazu. Schmerz und Frustration, die ein Ventil brauchen, werden gekonnt kontrolliert freigelassen.

"Forbidden" fängt ruhig(er) an, ist nur bedingt metallisch, zum Teil eher  neue deutsche Härte. Danach werden die Riffs wieder härter / dominanter, zunächst.
Denn bei "Embryonic 1" wechselt der Gesang teilweise zu einem eher klagenden, klaren Stil und Sober Truth zeigen hier wieder eine andere Facette ihrer musikalischen Bandbreite. Ähnliches gilt auch für "Embryonic 2", das jedoch ein wenig dunkler wirkt. Diesern Zweiteiler spricht mich gefühlsmäßig am und musikalisch meisten an – was jedoch Ansichtssache ist.
Mit "Abyss" und "The Origin" wird es erneut kantiger, aggressiver, wobei sich beide Stücke in ihren Strukturen unterscheiden. Der Titelsong "Goddess" beendet instrumental die Scheibe, auf der es immer wieder Variationen im Songwriting gibt.

»…I want to live and I want to be free
I want to love and not to give in to hate…«

Sober Truth haben ihren Weg gefunden, damit umzugehen, nämlich ihre Musik, in der sie ihre Emotionen ausleben. Es ist spürbar, dass hier nicht nur darauf losgeprügelt wird, sondern dass einiges dahinter steckt / steht. Was außerdem an der Gestaltung der auf dem Eigenlabel Taktart erscheinenden Digi-CD zu merken ist.
Wer grundsätzlich etwas mit der musikalischen Ausrichtung anfangen, bzw. sich darauf einlassen kann / will, zudem ähnlich empfindet, wird von der roten Göttin eingeladen, ihre (bzw. die eigenen) Tiefen zu erkunden und etwas (für sich) zu entdecken.


Line-up Sober Truth:

Torsten Schramm (vocals, guitar)
Jules Rockwell (bass)
Nils Spantig (guitar)
Adrian Conzen (drums)

Tracklist "Goddess":

  1. Who Am I (4:20)
  2. Shining (4:33)
  3. Pathfinder (3:34)
  4. Forbidden (4:26)
  5. Stunned (3:16)
  6. Embryonic 1 (4:22)
  7. Embryonic 2 (4:49)
  8. Abyss (3:33)
  9. The Origin (4:20)
  10. Goddess (2:21)

Gesamtspielzeit: 39:34, Erscheinungsjahr: 2025

 

Über den Autor

Andrea Groh

Hauptgenres: Doom/Death/Black Metal, auch Post/Progressive/Pagan Metal u.a.
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