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Stefan Saffer / Leipzig West – Vinyl-Review

Stefan Saffer - "Leipzig West" - Vinyl-Review

Der in Leipzig ansässige Singer/Songwriter Stefan Saffer war zuletzt mit seinem Album German Babylon aus dem Jahr 2021 zu Gast bei uns und konnte die RockTimes-Redaktion auch mit dieser Scheibe von sich überzeugen. Der Musiker liefert seit über zwanzig Jahren starkes Material mit guten, kritischen, aber auch lyrischen Texten ab, war im Westen unserer Republik auf den Bühnen jedoch eher weniger zu erleben. Was sich jedoch nicht nur in Zukunft ändern soll, denn der gute Stefan war in letzter Zeit dann doch schon öfter in westlichen Regionen zu Gast, als dies noch etwa zehn oder fünfzehn Jahre zuvor der Fall war. Somit dürfte es glücklicherweise bzw. hoffentlich auch nicht mehr allzu lange dauern, bis wir auch mal von einem Konzert berichten können. Aber an dieser Stelle soll es in erster Linie um das neue Werk, "Leipzig West" gehen. Dafür hat Saffer neben der obligatorischen Gitarre auch jede Menge andere Instrumente eingespielt und sich obendrein noch von über einem Dutzend Gastmusikern unterstützen lassen.

Neben seinem so ureigenen Singer/Songwriter-Stil ist auf der neuen Platte auch eine kräftige Dosis Country oder besser gesagt Alternative Country vertreten. In diese Richtung geht beispielsweise "Rambling Highway 9 Blues", einer der wenigen Songs dieses Albums, auf dem der Protagonist lediglich mit seiner Gitarre, einer Harmonika und seinem Gesang zu hören ist. Sehr flott und geradeaus geht diese Nummer, wie immer unterlegt von Saffers zwar rauem, aber sehr angenehmem Gesang. Klasse Stück. Der Opener "White Line Fever" verfügt ebenfalls über eine starke Americana-Schlagseite, eine Stilistik, die Stefan Saffer jedoch durchaus liegt und die er überzeugend rüber bringt. Und erneut schafft er hier die Gratwanderung, dieses Stück mit jeder Menge Ecken und Kanten, aber dennoch mit coolen Melodien sehr gut ins Ohr gehend zu überliefern. "Another Passerby" wurde mit der Mandoline und den Background Vocals von Laura Bean veredelt, die diesen nachdenklichen Track hervorragend abrundet.

Die zweite Seite des mir vorliegenden Vinyl-Albums startet mit dem flotten "Everyday (Thoughts Of Revelation No. 4)" und weiteren Einsichten in die Gedankenwelt des Musikers, vorgetragen mit einer gesunden Portion Americana und unterstützt von unter anderem einer klasse Violine, gespielt von Jan Oelmann. Ganz leicht fühlt man sich hier an Steve Earle erinnert (wie auch das Album-Cover von dessen Scheibe "Exit 0"), ohne diesen jedoch kopieren zu wollen. Alle zehn Tracks der Scheibe wurden von Stefan Saffer komponiert und so handelt es sich bei "Watching The River Flow" natürlich auch nicht um das gleichnamige Stück von Bob Dylan. Die Farbtupfer werden hier von Alex Wurlitzer an der Lap Steel gesetzt. Apropos Lap Steel: Ebenfalls erstklassige Arbeit lieferte der Gast Sergio Stiletto an der Pedal Steel für "Monday 4 PM" ab, eine der ruhigeren und nachdenklicheren Songs des Albums. Außerdem einer der Tracks, bei denen klar wird, dass Saffer auch ein sehr starker Texter ist.

Ganz nach dem Geschmack des Rezensenten ist dann auch der coole Rocker "Gonna Be Some Trouble Tonite", der darüber hinaus zusätzlich zum Abwechslungsreichtum der Platte beiträgt, verfeinert mit starken Soli auf der Dobro. Beschlossen wird "Leipzig West" von "Most Hated Man In Town". Eine bittersüße und auch trotzige Nummer über das nicht ganz so einfache Überleben in einer Welt, in die man bzw. manche mit eher ungünstigen Voraussetzungen geboren wurden. Mein Favorit! Womit wir bei meinen Anspieltipps angkommen wären, zu denen neben "Most Hated Man In Town" auch "White Line Fever", "Monday 4 PM" sowie "Everyday (Thoughts Of Revelation No. 4)" gehören. Somit hat Stefan Saffer ein weiteres sehr gutes Album vorgelegt, für das man ihm eigentlich nur noch den Erfolg wünschen kann, den er mit dieser Platte verdient hätte. Starke Songs, klasse eingespielt und richtig guter sowie authentischer Gesang. Was will man mehr?


Line-up Stefan Saffer:

Stefan Saffer (guitars, bass, mandolin, melodeon, piano, keyboards, harmonica, lead vocals)

With:
Toralf Friesecke (accordeon – #A1, B2, dobro – #A1, B4)
Sergio Stiletto (pedal steel – #A2)
Alex Wurlitzer (lap steel – #B2
Laura Bean (mandolin & harmony vocals – #A3)
Lars Henrick Linke (piano – #B1)
Jan Oelmann (violin – #B1)
Antje Fant (violin – #B5)
Sylke Jilani (accordion – #B1)
Ullrich Mücke (upright bass – #A1)
Rudi Freese (bass & background vocals – A2,4)
Mala Moray (upright bass & background vocals – #B5)
Carsten Schwarz (percussion – #B1)
Liane Kunschke (vocals – #B2)

Tracklist "Leipzig West":

Side 1:

  1. White Line Fever
  2. Monday 4 PM
  3. Another Passerby
  4. Sweet Angel Angelina
  5. Rambling Highway 9 Blues

Side 2:

  1. Everyday (Thoughts Of Revelation No. 4)
  2. The Rhythm Of The River
  3. Watching The River Flow
  4. Gonna Be Some Trouble Tonite
  5. Most Hated Man In Town

Gesamtspielzeit: 21:52 (Side 1), 20:11 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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