Es ist schon erstaunlich, dass die ersten Alben der Tedeschi Trucks Band beim Rezensenten vor etwa zehn Jahren gar nicht so besonders angesagt waren. Was sich dann jedoch mit den drei Live-Scheiben Live From The Fox, Oakland und speziell den bärenstarken Interpretationen der Album-Klassiker Layla Revisited sowie Mad Dogs & Englishmen Revisited grundlegend geändert hat. Fokussiert man sich lediglich auf die beiden Hauptprotagonisten, so hatte sich Derek Trucks natürlich schon während seiner Zeit in der Allman Brothers Band in mein Herz gespielt. Susan Tedeschi ist im Ansehen des Verfassers dieser Zeilen in erster Linie aufgrund ihres Gesangs in der letzten Dekade enorm gestiegen und steht auf seiner Rangliste der weiblichen Vokal-Akrobatinnen ganz weit oben mit dabei. Auf dem neuen Album "Future Soul" steht sie bzw. ihr Gesang dann tatsächlich auch ganz im Vordergrund und, was ebenfalls sehr schnell auffällt, wurde auf dieser Platte der Fokus deutlich mehr aufs kompakte Songwriting gelegt, als dies – zumindest teilweise – in der Vergangenheit der Fall war.
Deutlich wird dies bereits beim Opener "Crazy Cryin'", der durch klasse Gesangsmelodien und die emotionalen Vocals von Mrs. Tedeschi glänzt. Es versteht sich von selbst, dass die Bläser-Abteilung nicht gänzlich verschwunden ist und auch der gute Derek seine Soli am Start hat. Dennoch fällt die deutliche Orientierung am kompakten Songwriting direkt ins Ohr. Fortgesetzt wird dies auch beim folgenden "I Got You", einem flotten und schönen Liebeslied, ohne dass dabei der Schmalz aus den Boxen zu triefen beginnt. Wow, das ist schon mal ein Statement direkt mit den ersten beiden Tracks. Aber es wird sogar noch besser, denn "Who Am I" glänzt mit einer unglaublich luftigen, locker-leichten und dennoch extrem atmosphärischen Gitarre und dem coolen Gesang. Das Gesangs-Mikro wird lediglich einmal für die Reggae-infiltrierte Nummer "Under The Knife" weitergereicht. Dabei macht – ich tippe aufgrund eines fehlenden Booklets mal auf – Mike Mattison allerdings ebenfalls eine gute Figur, wenn er der guten Susan hinsichtlich der Emotionalität auch nicht das Wasser reichen kann.
Durch die Bläser und den extrem guten Gesang kommt auch ein richtiger Batzen Soul auf dieser Scheibe zum Tragen. Der Hörer bzw. Kenner dieser Band wird wahrscheinlich teilweise ein bisschen irritiert sein, wie geschmeidig und fast schon hitverdächtig Songs der Marke "Be Kind" oder "Hero" ins Ohr gehen. Und natürlich wird es auch diejenigen geben, denen frühere Platten der Combo bzw. die frühere Ausrichtung besser gefallen. Der Rezensent ist dagegen regelrecht begeistert von diesen elf neuen Kleinoden, in denen hinsichtlich der Vocals doch immer wieder auch die guten Geister verstorbener Größen wie (der jüngere) Joe Cocker und Janis Joplin stecken. Wobei hier nichts kopiert wird, sondern Susan Tedeschi mit ihrer ganz eigenen Stimme lediglich den Spirit der vorgenannten Ikonen zu ihren besten Zeiten in die Gegenwart trägt. Musik für die Seele, rockig, mit viel Gefühl und Melodien und dennoch weit weg vom Mainstream.
Wer auf "Future Soul" nach einem schwächeren Stück oder gar einem Ausfall sucht, der wird wahrscheinlich noch 2028 damit beschäftigt sein. Erwähnt werden muss neben dem Fokus auf Susan Tedeschi allerdings auch, dass Derek Trucks den Hörer – trotz seiner Zurückhaltung auf dieser Platte – geradezu um den Verstand spielt, wird er erst mal solistisch von der Leine gelassen. Dies ist beispielsweise beim Titeltrack der Fall, bei dem er mit seiner Axt geradezu in einer anderen Galaxie landet. Und nicht zu vergessen ist diese komplette Band eine Klasse für sich, bei der keine Schwachpunkte auszumachen sind. Von daher ist es auch kein Wunder, dass man nach dem locker-beschwingten 'Rausschmeißer' "Ride On" automatisch und sehr gerne in Richtung Repeat-Taste fummelt. Und noch etwas kann ich versprechen: Beim nächsten Durchlauf werdet ihr wieder etwas, und sei es nur eine Kleinigkeit, Neues entdecken, das euch ein weiteres Lächeln auf die Lippen zaubern wird.
Für mich ganz klar das bisherige Top-Album des Jahres 2026!
Line-up Tedeschi Trucks Band:
Susan Tedeschi (rhythm guitars, lead vocals)
Derek Trucks (lead & rhythm guitars)
Gabe Dixon (keyboards, background vocals)
Mike Mattison (guitars, background vocals)
Brandon Boone (bass)
Tyler Greenwell (drums & percussion)
Isaac Eady (drums & percussion)
Mark Rivers (percussion, background vocals)
Alecia Chakour (percussion, background vocals)
Emmanuel Echem (trumpet)
Elisabeth Lee (trombone)
Kebbi Williams (saxophone)
Tracklist "Future Soul":
- Crazy Cryin'
- I Got You
- Who Am I
- Hero
- What In The World
- Future Soul
- Under The Knife
- Be Kind
- Devil Be Gone
- Shout Out
- Ride On
Gesamtspielzeit: 41:21, Erscheinungsjahr: 2026



Neueste Kommentare