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The Great Crusades / Until The Night Turned To Day – CD-Review

Die Schule kann schon über die Zeit des gemeinsamen Lernens hinaus zusammenschweißen. So der Fall bei The Great Crusades, die sich quasi von Kindesbeinen an kennen und sich auf die gemeinsame Musik konzentriert haben.
So um die fünfzehn Alben hat die Combo auf den Markt gebracht. Seit "Thieves In Chicago" (2014), dem Vorgänger von "Until The Night Turned To Day", veröffentlicht die aus der Windy City stammende Formation auf Blue Rose Records.

Für das vorliegende Album begab man sich zunächst zwei Tage am Stück in einen Proberaum und jammte gemeinsam, was das Zeug hielt. Dann wurde gesichtet und man bannte elf Tracks auf "Until The Night Turned To Day".
Heraus gekommen ist eine Platte, die sich echt hören lassen kann. Mit einiger Verstärkung kombiniert das Quartett harten Rock mit balladesken Songs. Die Mischung ist perfekt. Da gibt es riffige Lieder mit einer Portion Punk angereichert und wenn man sich zurücklehnen möchte, bietet einem die Band auch dazu Gelegenheit.

Im Zeichen des Rock weht ebenfalls ein Wimpel des Blues steif im Wind.
Da wird auch das Bottleneck aktiviert und überhaupt sind so einige Nummern vom Zwölftakter unterfüttert. Mit seiner rauen Stimme setzt Brian Krumm dem teilweise furiosen Treiben die Krone auf. Ganz allgemein müssen die vorgeschalteten Sessions sehr erfolgreich gewesen sein, denn was man letztendlich auf der Scheibe verewigt hat, ist fulminant gespielte Musik, die auch noch gut sortiert daher kommt. The Great Crusades haben bei den Tracks darauf verzichtet, ein musikalisches Trennmittel einzusetzen. Vermeintliche Genregrenzen verschmelzen bei "Until The Night Turned To Day".

Zusätzlich ebnen Kontraste den Weg durch das Album.
An einigen Stellen wandert man von der erhitzten Rock-Sauna direkt ins Kältebecken und relaxt dort mächtig. Mit vertracktem Rhythmus, einer ungemein knarzig-hart klingenden E-Gitarre und großformatigem Chorgesang kommt "Prayer Furnace" – der Songtitel ist hier Programm – daher. Nur ein light gehaltenes Intermezzo unterbricht die rockende Stimmung. Hat man sich gerade auf eine solche Atmosphäre eingestimmt, servieren The Great Crusades mit "If I Changed My Mind" ein Entspannungsbad. Die akustische Gitarre wurde geschultert und am Beginn des Tracks gibt es auch nicht viel mehr an Begleitung zu Brian Krumms intensiver Stimme. Im weiteren Verlauf gibt es ganz feine musikalische Beigaben, die den Song zu einem echten Highlight werden lassen. Klasse!

Wow, "Last Dying Wish" befördert den Blues an die Lied-Oberfläche. Die Band ist ja in Chicago angesiedelt. Kein Wunder oder nachvollziehbar, dass dieses Stück eine verdammt raue Version in Anlehnung an die in dieser Stadt beheimateten Blueser aus der Vergangenheit ist. Wieder bringt man in einem Break eine andere Stimmung auf den Plan und als Blues-Fan entpuppt sich diese Nummer als ein besonderer Höhepunkt auf der Scheibe. Toll!
In unterschiedlicher Weise haben "Only Took A Minute Not To Say Good Night" sowie der Schluss "Petrified" eine Country-Auslage und hier steht Brain Wilkie an der Pedal Steel im Fokus.
Von wunderschönen Pianoläufen getragen ist "Gutter Punks", ein herrliches Duett mit Katie Todd.

Die Zeit bevor sich der Tag ankündigt schien für The Great Crusades eine ziemlich kreative gewesen zu sein, denn "Until The Night Turned To Day" ist rundum ein sehr gelungenes Album, das sich nicht auf ein Genre festlegen lässt und so eine durchdringende Vielfalt bietet.


Line-up The Great Crusades:

Brian Krumm (vocals, guitar)
Brian Leach (guitar, keyboards, vocals)
Brian Hunt (bass, vocals)
Christian Moder (drums, keyboards, vocals)

And:
Jake Brookman (cello)
Brandon Pope
Katie Todd (vocals)
Brian Wilkie (pedal steel)

Tracklist "Until The Night Turned To Day":

  1. If You Could Only See Me Now
  2. Only Took A Minute Not To Say Good Night
  3. Hey Hey (River Charles)
  4. Gutter Punks
  5. Little Crown
  6. King Of The Altered States
  7. Prayer Furnace
  8. If I Changed My Mind
  9. Thanks For Asking
  10. Last Dying Wish
  11. Petrified

Gesamtspielzeit: 48:02, Erscheinungsjahr: 2017

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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