The Rubinoos waren bzw. sind eine sogenannte Power Pop-Band aus Kalifornien. Gegründet bereits 1970, dauerte es bis zum Erscheinen des Debütalbums allerdings bis 1977. Untergekommen war die Combo seinerzeit bei dem Label Beserkley Records und eben jene Plattenfirma schickte im Folgejahr eine Auswahl der bei ihren unter Vertrag stehenden Bands – neben den Rubinoos noch die Greg Kihn Band, Earth Quake sowie die Tyla Gang – auf Europa-Tour. So kam es dann wohl auch zu einem Deal mit dem Westdeutschen Rundfunk bzw. dem Rockpalast Team, was dann Mittte März 1978 zu Aufnahmen der jeweiligen Konzerte führte, die anschließend im Rockpalast ausgestrahlt wurden. Über MiG Music sind nun die jeweiligen Auftritte der Rubinoos und auch Earth Quake noch einmal erschienen. Von den damaligen Lieblingen der US-Musikpresse The Rubinoos hatte ich ehrlich gesagt noch nie gehört, wofür es, wie sich schnell herausstellt, aber auch einen guten Grund gibt.
Wow, das ist zumindest aus heutiger Sicht schon ein bisschen gruselig, was sich dem Rezensenten hier bietet. Das Konzept der Band ist schnell klar: Ein gelockter, schrecklich gut aussehender und ganz in Weiß gekleideter Frontmann, die anderen Jungs mit Football- und anderen Sportkleidern ausgestattet – wie gemacht für das amerikanische Highschool- und College-Publikum. Oder anders gesagt, für Teenies. Und leider ist die Musik auch nicht wirklich besser. Die Band startet die Show mit der A-capella-Nummer "Rockin' In The Jungle", in das neben dem gewollt witzigen Text auch noch jede Menge weitere 'lustige' Geräusche fabriziert werden. Hmm… war vielleicht damals witzig, ist aber nicht wirklich gut gealtert. Leider wird es auch im weiteren Verlauf der Show nicht wirklich besser. Klar, die konnten singen und auch ganz gut ihre Instrumente bedienen, aber wenn man das eine oder andere Gitarrensolo mal weglässt, dann ist das ziemlich schmalziger Teenager-Kram, der da abgeliefert wurde.
Beispiele gefällig? Songtitel der Sorte "Peek-A-Boo", "Falling In Love" oder auch "I Think We’re Alone Now" sprechen da schon eine deutliche Sprache und die Songs bewegen sich verdächtig nah am Bubblegum Pop. Das Publikum im Hamburger Audimax war auch nicht wahnsinnig erbaut und nach ein paar Interaktionen zwischen den Songs wird der Gitarrist auch mal ein bisschen ungehaltener. Wobei er dann immer von dem peinlich berührten Lead-Sänger wieder zögerlich und dezent zurück gepfiffen wird. Tatsächlich brachten The Rubinoos an diesem Abend auch noch eine Version der Beatles-Nummer "Please, Please Me" und versuchten mit dem Surf-Stück "Walk, Don’t Run" so ziemlich jede Baustelle der jugendlichen Musikhörer – zumindest der in den USA – abzudecken. Nicht weghören kann man sich auch die oft eingesetzten Beach Boys-Gesangsharmonien. Okay, den Großteil des Hamburger Publikums konnte die Band dann schließlich, wenn man von den Reaktionen ausgeht, doch überzeugen. Beim Rezensent bleibt jedoch ein zwielichtiger Eindruck, da das Ganze doch sehr konstruiert wirkt.
Für alle, die auf diese Art von Musik stehen, mag sich dieses Review sehr ungerecht lesen, wobei sich die Kritik auch nicht unbedingt auf die musikalischen Fähigkeiten, sondern eher auf das Gesamtkonzept bezieht. Wer auf Herzschmerz-Mucke im Stil der Fünfziger und Sechziger steht und sich darüber hinaus gerne an seine eigenen feuchten Teenager-Träume erinnert oder auf Filme wie "La Boom – die Fete" sowie die gefühlt 153 Teile von "Eis am Stiel" steht, wird hier natürlich jede Menge Spaß haben.
Line-up The Rubinoos:
Jon Rubin (guitars, background vocals)
Tommy Dunbar (guitars, lead vocals)
Royse Ader (bass, background vocals)
Donn Spindt (drums, background vocals)
Tracklist "Live At Rockpalast" – CD + DVD:
- Rockin' In The Jungle
- Tonight
- Peek-A-Boo
- Falling In Love
- Hard To Get
- Hey Royse
- Wouldn’t It Be Nice
- Red Light
- Promise Me
- Ronnie
- Make It Easy
- Please, Please Me
- Walk, Don’t Run
- I Think We’re Alone Now
- Rock’n’Roll Is Dead
Geamtspielzeit: 47:32 (CD), 50:03 (DVD), Erscheinungsjahr: 2025 (1978)



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