Threshold beim Rock Hard Festival – das weckt Erinnerungen an 2013 als Damian Wilson hinter uns durch das Publikum gelaufen ist. Nun, Damian ist seit 2017 nicht mehr Sänger von Threshold, sondern Glynn Morgan, der bereits von 1994 bis 1995 in der Band war und die "Psychodelikatessen" eingesungen hat. Er ist auch auf den neuen Studioscheiben "Legends Of The Shire" (2017) und "Dividing Lines" (2022) zu hören.
2025 waren Threshold erneut beim Rock Hard Festival, der Auftritt wurde von Rockpalast aufgezeichnet und war zunächst im Livestream zu sehen.
Nun folgt die Veröffentlichung fürs Heimkino, auf CD/DVD.
Die Briten mussten bereits um 16:45 Uhr auf die Bühne, also bei Tageslicht. 2013 war es 17:45 Uhr. Schon schade, dass der Status der Band nicht höher ist, denn sie liefert seit so vielen Jahren stets starke Studioalben ab, bekommt aber nicht die Aufmerksamkeit, die sie (meiner Meinung nach) verdient hätte.
Threshold legten los mit "Slipstream" von der Dead Reckoning – immer noch meine favorisierte Scheibe von ihnen, wobei die anderen kaum schwächer sind. Leider wurde nicht "Pilot In The Sky Of Dreams" gespielt, der wunderschöne traurige Song, der für mich immer mit dem Tod von Andrew McDermott verbunden sein wird, der ihn damals eingesungen hatte.
Auch nicht das großartige "The Box" von der "For The Journey", sondern als Longtrack wurde "The Man Who Saw Through Time" ausgewählt. Dieses ist nicht so stark wie die beiden anderen genannten Songs, aber macht mehr Sinn, da es von der "Legends Of The Shire" stammt, bei der Glynn wieder dabei war. Diese Scheibe wurde mit drei Stücken bedacht, die "Diving Lines" mit zwei.
Threshold absolvierten einen soliden Auftritt. Glynn ist kein Damian, der sich sehr gut auf Kommunikation mit Publikum versteht und immer wieder gerne in dieses eintaucht wie bereits eingangs erwähnt. Nun, das muss er auch nicht, er zeigte sich durchaus aktiv auf der Bühne, ebenso standen die Männer mit den Saiteninstrumenten nicht statisch in der Ecke, sondern bewegten sich beim Spielen. Zudem ist es immer wieder ein Vergnügen, Schlagzeuger Johanne James beim Wirbeln mit den Drumsticks zuzusehen. Progressive Metal muss live nicht langweilig sein, sondern kann auch lebendig wirken, wie sich hier zeigt. Dabei waren die Umstände eher ungünstig, zusätzlich zur recht frühen Tageszeit, regnete es anfangs.
Kommen wir zu den Kritikpunkten: Der Sound mag live und authentisch sein, überzeugt mich jedoch auf Konserve nicht. Die Stimme ist etwas zu sehr im Vordergrund, die Drums wummern, das Filigrane im Spiel von Johanne kommt dadurch nicht gut rüber. Die restlichen Instrumente verschwinden teilweise dazwischen, sind nicht immer differenziert zu hören. Das finde ich schon etwas enttäuschend und der qualitativ hochwertigen und (spiel-)technisch anspruchsvollen Musik von Threshold nicht ganz gerecht werdend.
Nun, wer live dabei war, empfindet das vermutlich anders, bekommt hier eine schöne Erinnerung, sowohl als reines Tondokument für den heimischen CD-Player als auch die Komplettbedienung mit Bild auf DVD. Beide Varianten enthalten den kompletten Auftritt von knapp einer Stunde.
Es wurde wie üblich mit mehreren Kameras gefilmt, die einzelnen Musiker sind in Nahaufnahmen zu sehen, ebenso gibt es Gesamteindrücke mit Publikum oder auch mal einen Schwenk in dasselbe. Also das übliche Rockpalast-Niveau, optisch anspruchsvoll, für meinen Geschmack vielleicht ein wenig zu unruhig.
Fazit: Ich hatte mehr erhofft und bin schon etwas enttäuscht. Das mag an meinen Erwartungen liegen und soll niemanden daran hindern, sich ein eigenes Urteil zu bilden, das Teil zu kaufen und vielleicht anderer Meinung zu sein. Ein authentisches Live-Dokument wird hier allemal geboten.
Threshold Line-up:
Karl Groom (guitars, backing vocals)
Richard West (keyboards, backing vocals)
Glynn Morgan (vocals)
Johanne James (drums)
Steve Anderson (bass, backing vocals)
Tracklist "Live At Rock Hard Festival 2025":
- Slipstream (6:21)
- Silenced (4:19)
- The Man Who Saw Through Time (11:58)
- Mission Profile (8:27)
- Falling Away (6:58)
- Snowblind (7:15)
- King Of Nothing (5:28)
- Small Dark Lines (6:29)
Gesamtspielzeit: 57:15, Erscheinungsjahr: 2026



Neueste Kommentare