Nach einem erneut sehr starken Konzert am 28. April 2017 in Franks Bodega im pfälzischen Großkarlbach nahm sich die Australierin Toby noch die Zeit für ein spontanes Interview, das sich im Verlauf aber als sehr nett und relaxt herausstellte. Sehr sympathisch war die Musikerin weder um eine Antwort verlegen, noch machte sie große Geheimnisse um ihr Privatleben. Aber lest selbst:
RockTimes: Hi Toby, Gratulation zu einer weiteren klasse Show. Wir waren bisher bei sieben oder acht Konzerten von dir und es war jedes Mal eine wahre Freude. Du hast durchaus auch ernstere Songs bzw. ernstere Themen in deinen Songs, aber am Ende der Show geht man immer mit einem breiten Grinsen und bestens gelaunt nach Hause.
Toby: Danke, das freut mich sehr.
RockTimes: Wie machst du das auf längeren Tourneen, da gibt es doch sicher auch mal Tage, wo du dich nicht besonders gut fühlst, vielleicht krank bist, aber dennoch immer wieder sehr positiv rüberkommst, eine sehr positive Ausstrahlung hast. Ist das dann reine Professionalität oder passiert irgendwas in dir, wenn du die Bühne betrittst?
Toby: Ja, das kommt natürlich immer wieder vor, dass so ein Tag mal dabei ist. Vielleicht ist mir was Blödes passiert, es gab schlechte Nachrichten von zu Hause, ich war wegen irgendwas wütend oder wie auch immer. Auf der Bühne dreht sich das dann aber glücklicherweise in den allermeisten Fällen ins Gegenteil. Beim ersten Song muss man die gute Laune vielleicht noch schauspielern, aber glücklicherweise stimmt die Chemie in der Band so sehr und wir saugen einfach auch die Energie des Publikums auf, dass die Situation plötzlich eine ganz andere ist. Natürlich ist da auch das Adrenalin im Spiel. Es gab schon Tage, an denen ich kaum aus dem Bett aufstehen konnte, mit Magen/Darm ewig über der Kloschüssel hing… aber den Auftritt hab ich trotzdem nicht abgesagt. Und dann stehst du da auf der Bühne, diese Interaktion mit dem Publikum geht los… da passiert irgendwas, etwas Magisches eigentlich schon… und plötzlich denkst du gar nicht mehr daran, dass es dir eigentlich gar nicht gut geht. Es hängt vielleicht auch damit zusammen, dass mir vor ein paar Jahren deutlich geworden ist, was für ein Glück ich überhaupt habe. Ich konnte das, was ich am meisten liebe, zu meinem Beruf machen. Dieses Leben ist genau das, wofür ich mich entschieden habe, also muss ich das auch durchziehen, selbst wenn ich mich vor dem Auftritt mal nicht so gut fühle.
RockTimes: Heute Abend haben mir auch die Songs deines neuen Albums, das ich noch gar nicht kenne, sehr gut gefallen. Da war auch "What You’ve Done" dabei, eine kleine Abrechnung mit einer Person, die dich und auch andere Leute nicht immer gut behandelt hat. Im Text schleuderst du dieser Person des öfteren auch mal ein beherztes 'Fuck You' entgegen. (Breit grinsend): Die Nummer wird wahrscheinlich deine nächste Radio-Single, oder?
Toby: Aaah, ich weiß nicht… (lacht)… aber weißt du, ich werde sowieso nicht im Radio gespielt. Wir sind eine von diesen Bands, die ewig auf Tour sind, an denen das Radio aber scheinbar nicht interessiert ist. Früher habe ich Schimpfwörter ganz bewusst aus den Texten raus gelassen, da ich dachte, vielleicht könnte es ja doch mal im Radio gespielt werden. Mittlerweile denke ich ’scheiß drauf' und speziell bei diesem Song habe ich einfach auch keine anderen Worte für dieses Gefühl gefunden, das ich im Song rüberbringen wollte. Also musste es einfach so sein… (lacht). Es macht viel Spaß, den Song live zu spielen, ich kann damit viel Ärger abbauen (grinst).
RockTimes: Du hast und hattest eigentlich immer großartige Musiker in deiner Band. Ich erinnere mich noch an den Gitarristen Daryl…
Toby: Ja, Daryl war richtig gut…
RockTimes: …und dein langjähriger Bassist Tom, der heute Abend nicht dabei sein konnte.
Toby: Sehr talentierte Leute, da hatte ich bisher oft Glück… aber wenn du Musiker über das Internet anheuerst (Anm. d. Verfassers: Toby spielt auf Tourneen in Europa fast ausschließlich mit europäischen Musikern, meistens aus Holland), ist da auch immer das Risiko, dass du zwar weißt, dass sie gut sind, aber ob das dann auch menschlich passt, ist immer ein großes Überraschungs-Ei.
RockTimes: Die Bassistin Caroline Kamp, die auf dieser Tour spielt, kommt auch aus Holland. Eine Bekannte deines Drummers Josse?
Toby: Nein, nein, weder Josse noch Tom kannten sie davor. Ich hab einfach wieder online gesucht und sie gefunden. Wir haben dann Songs ausgetauscht, darüber geredet, dann mehr und mehr geredet, bis ich sie für diese Tour engagiert habe. Und glücklicherweise läuft alles sehr harmonisch und professionell ab. Denn wenn man jemand auf Tour dabei hat, also fast 24 Stunden am Tag zusammen ist, und man versteht sich nicht, dann kann das sehr, sehr anstrengend werden. Manchmal spielt man mit super Musikern zusammen, die man privat aber nicht ausstehen kann. Diesbezüglich habe ich großes Glück, wir sind fast zu so was wie einer Familie geworden.
RockTimes: Man merkt das tatsächlich auch als Zuschauer, dass ihr wirklich einen Draht zueinander habt.
Toby: Ich bin froh, dass du das sagst, denn es ist wirklich so. Das ist nicht gespielt, alles echt. Und wenn es so ist und du hast mal einen schlechteren Tag, dann stecken dich die anderen an, weil sie einfach Spaß an der Sache haben. Und das greift natürlich auch aufs Publikum über, was aufs selbe hinausläuft: Wenn das Publikum merkt, dass die Band auf der Bühne Spaß hat, dann hat auch das Publikum Spaß. Als Musiker kann man den Spaß nicht vorgaukeln, das Publikum merkt ganz schnell, wie die Stimmung auf der Bühne ist. Wie es in Familien so ist, zoffen wir uns natürlich auch mal, das ist ganz normal. Aber das ist meist schnell vergessen, sobald wir gemeinsam auf der Bühne stehen.
RockTimes: Deine Frau und du haben zwei noch kleinere Kinder. Wie kriegst du dein Privatleben damit zusammen, dass du so viel auf Tour bist. Sind deine Frau und Kids auf den Tourneen dabei?
Toby: Sie und die Kinder sind mit nach Europa gekommen, aber es macht keinen Sinn, dass sie jeden Tag unterwegs sind. Im Moment ist sie in Frankreich, was bedeutet, dass ich immer mal für eine paar, jetzt gerade fünf, Tage weg bin und Konzerte spiele, dann einen oder zwei Tage zu ihnen fahre, bevor die Tour weitergeht. Das geht so für eine Weile, bevor wir dann wieder einen ganzen Monat zusammen verbringen können. Es geht halt kreuz und quer durch Europa und ich nehme mir zwischendrin immer mal wieder Tage raus, um bei ihnen zu sein. Meine Frau unterstützt mich sehr bei dem was ich tue, aber ich bringe es nicht übers Herz zu lange von meinen Kindern weg zu sein.
RockTimes: Du gehst sehr offen mit deiner Homosexualität um. Hast du jemals dumme oder negative Reaktionen deswegen bekommen?
Toby: Ich glaube, manche Leute verwirrt es… manche akzeptieren es auch nicht. Australien ist da sehr rückständig… wir sind zwar verheiratet, aber in Australien ist das nach wie vor nicht legal. In der Vergangenheit habe ich versucht, es zu verstecken… oder besser gesagt, habe ich nicht darüber geredet. Ich hab sogar strikte Regeln an meine Bandmitglieder ausgegeben, dass sie es niemandem erzählen dürfen. Ich war immer der Meinung, dass das meine Sache ist, was sich allerdings geändert hat, sobald wir das erste Kind hatten. Da hab ich mir nämlich geschworen, dass meine Kinder niemals das Gefühl haben sollten, sich wegen irgend etwas schämen zu müssen bzw. dass irgendwas nicht ’normal' ist. Da hat in mir ein großer Prozess stattgefunden. Ich akzeptiere zwar, wenn Leute nicht mögen, dass ich bin wie ich bin, aber solche Leute brauche ich dann auch nicht in meinem Freundes- oder Bekanntenkreis. Jeder darf seine Meinung haben, aber keiner hat das Recht einen anderen z. B. aufgrund seiner Sexualität zu verurteilen. Ich komme damit heute sehr gut zurecht, ich weiß, dass ich eine gute Mutter bin und ich genieße mein Leben. Da brauche ich keine engstirnigen oder ignoranten Leute um mich herum.
RockTimes: Absolut, nur leider gibt es die immer noch massenhaft. Aber noch was anderes: Du machst das jetzt schon über zehn Jahre und hast fast genauso viele Alben veröffentlicht. Wie ist das mit dem Songwriting, wird das schwieriger mit der Zeit? Vor allem, wenn man bereits so viel komponiert hat, wie du?
Toby: Manchmal ist es schwierig, ja… aber das ist eine richtig komische Kiste. Manchmal schreibe ich innerhalb kürzester Zeit drei wirklich gute Nummern und dann vergeht auch mal ein Jahr oder anderthalb, in denen ich gar nicht schreibe. Es vergehen sogar Zeitabschnitte, in denen ich nicht mal meine Gitarre anfasse… und plötzlich explodiert es dann wieder und die Songs sprudeln nur so aus mir raus… es gibt Gitarristen, die spielen und komponieren jeden einzelnen Tag, aber das ist bei mir nicht so. Immer, wenn ich mich hinsetze und mir sage, dass ich jetzt einen Song schreibe, dann kommt nur Mist dabei raus. Wenn mir eine Idee aber wie aus dem Nichts zuzufliegen scheint, dann versuche ich, sie festzuhalten und auszuarbeiten. In der Regel ändere ich danach auch kaum noch was an solchen Stücken.
RockTimes: Okay, dann nochmal vielen Dank für dieses spontane Interview und viel Erfolg für die restliche Tour und das neue Album.
Toby: Ebenso vielen Dank.



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