Kurz vor dem Jahrtausend-Wechsel landete der amerikanische Musiker und Songwriter Turner Cody in New York City und blieb gleich für die nächsten zwanzig Jahre. Bewegt hat er sich dort vor allem in der sogenannten Anti Folk-Szene, nahm erste Alben auf und spielte zusätzlich noch in der Garage Folk-Band The Class Act. Ab den frühen Zweitausender-Jahren tourte er viel in Europa und 2008 fand auch ein Label auf dem 'Alten Kontinent', das seine früheren Aufnahmen gesammelt auf dem Album "60 Seasons" veröffentlichte. Nach dem vor einigen Jahren erschienenen "Friends In High Places" hat Cody vor wenigen Wochen – wie beim Vorgänger zusammen mit der Band The Soldiers Of Love – sein aktuelles Werk "Out For Blood" vorgelegt.
Auf diesen elf Tracks erweist er sich als Songwriter auf hohem Niveau und mit deutlichem Hang zu der Outlaw Country-Szene rund um Musiker wie Townes Van Zandt, Kris Kristofferson oder John Prine etwa Mitte der siebziger Jahre. Legt man Wert auf die Texte und ist des Englischen soweit mächtig, merkt man schnell, dass der gute Turner ein verdammt cleverer Lyricist ist. Themen sind zwischenmenschliche Beziehungen, Politik, Freiheit und Individualität. Der Trick des Amerikaners ist dabei, dass er sehr oft mit abgedroschenen Phrasen und Klischees arbeitet, die er im weiteren Verlauf der jeweiligen Tracks allerdings geradezu zerpflückt und in ihre Einzelteile zerlegt.
Turner Codys Stimme ist nun nicht gerade eine, die man aus Hunderten heraushören würde und oft praktiziert der Mann auch eine Art Sprechgesang, den er jedoch rhythmisch sehr clever einsetzt und mit dem er seine Geschichten perfekt an den Mann und auch die Frau bringt. Dies gesagt und das Wort 'rhythmisch' verwendet, muss ich dann auch umgehend auf die Soldiers Of Love kommen. Dieses Quartett spielt nämlich eine ebenso große Rolle auf dieser Scheibe wie der Protagonist selbst. Nie aufdringlich und sich immer im Hintergrund haltend, wird hier jedoch ein richtig starker Groove vorgelegt, über den Turner Cody dann seinen Gesang legen kann. Und wenn es mal zu dezenten Soli kommt, wird das Ganze sogar noch besser.
Wie bereits erwähnt, weisen Mister Codys Stücke Gemeinsamkeiten mit denen der Kollegen Van Zandt, Prine oder Kristofferson auf und so ist der Country-Einfluss nicht von der Hand zu weisen. Und dies, obwohl man bei "Out For Blood" nie das Gefühl hat, sich ein Country-Album anzuhören. Denn dafür stecken noch weitere Bestandteile wie Folk und Rock in diesen Nummern, was das Ganze noch mal eine Spur interessanter macht. Das erste Stück, "We Need Each Other" wurde in einem einzigen Take aufgenommen. Kleine Spielfehler, der eine oder andere – bei Hochglanzproduktionen im Nachhinein mit Sicherheit wieder rausgeschnittene – hörbare Atemzug, ein etwas zu später Einsatz des Gesangs? Was solls, so war es eben in dem Moment, so wurde es aufgenommen und sollte es dann tatsächlich auch bleiben. Was das Hörerlebnis sehr frisch und authentisch macht.
Was "Out For Blood" ausmacht, sind die klasse groovenden und beschwingten Soldiers Of Love, Codys starken Texte sowie sein rhythmisch und melodisch gekonnt und clever eingesetzter Gesang. Wer sich erstmal reinhören will, dem seien dafür die Tracks "We Need Each Other", "The Walls Are Closing In", "Recognize A Friend" und auch "Drinkin' In The Land Of Lincoln" empfohlen. Ein Ausfall ist jedoch auch bei den übrigen Tracks nicht feststellbar. Somit eine coole und gute Platte, die man für die ruhigeren Momente immer wieder gerne auflegen wird.
Line-up Turner Cody & The Soldiers Of Love:
Turner Cody (guitars, vocals)
Nicolas Michaux (guitars)
Clement Nourry (lead guitars)
Ted Clark (bass)
Morgan Vigilante (drums)
Tracklist "Out For Blood":
- We Need Each Other
- Recognize A Friend
- Cigarettes Inside
- Out For Blood
- Paricular Poison
- Delmar Avenue
- Drinkin' In The Land Of Lincoln
- My Song On The Radio
- Pay For Being Free
- The Walls Are Closing In
- Evening Prayer
Gesamtspielzeit: 38:36, Erscheinungsjahr: 2026



Neueste Kommentare