Stramme achtzig Jahre hat der gute John Townley mittlerweile auf dem Buckel. Begonnen hatte für den Amerikaner alles in den frühen und Mittsechziger-Jahren im New Yorker Bezirk Greenwich Village und der dortigen Folk-Szene. Aber Townley war flexibel und spielte unter anderem auch in der Psychedelic Rock-Band Magicians, bis er Ende des Jahrzehnts das erste 12-Spur-Studio in New York eröffnete. Dort produzierte er andere Bands und nahm auch selbst Platten auf. Erstmals in unserem Magazin tauchte der Musiker und Songwriter durch die Reviews des Kollegen Joe zu den Alben The Old Sailor (2020) sowie The Sailor & The Mermaid (2021). Zu diesem Zeitpunkt war Townley bereits wieder zu seinen Wurzeln, sprich dem Folk und Blues zurückgekehrt. Dies alles mit einem gewissen Schuss guter Country-Musik sowie Shanties verrührt und heraus kamen letzten Endes gute Platten.
In diesem noch jungen Jahr 2026 kam nun mit "Round Swamp Road" das nächste Werk, auf dem der gute John weitere 15 Tracks vorlegt. Erneut eine lockere Mischung aus Eigenkompositionen, Cover-Versionen sowie Traditionals, die am Ende ein 'Großes Ganzes' ergeben. Durchgehend dominant sind die Akustikgitarre und der Gesang des Protagonisten, denen durch spärliche Drums und hier und da ein paar anderen Instrumenten einige Farbtupfer hinzugefügt wurden. Bei den Songs wird John Townley durchaus auch mal sehr politisch, was einen weiteren Bogen zu seinen frühen Tagen in der Folk-Bewegung in Greenwich Village schlägt. Musikalisch geht es von sehr getragenen Stücken bis hin zu sehr schwungvollen, so wie bei dem starken "The Little Things".
Begonnen wird die Scheibe eher besinnlich mit der traditionellen Gospel-Nummer "When The Train Come Along", die mit der oben beschriebenen musikalischen Ausrichtung aber bereits die Stimmung für die komplette Scheibe setzt. Ergänzt wird dieses Stück von einer schönen Blues-Harp. Richtig gut ins Ohr geht auch der "Dirty Dealing Blues" mit aus diesem Musik-Genre zwar nicht ganz unbekannten, aber dennoch immer wieder gewinnenden Gesangsmelodien. "Lou’s Blues" sowie "What Is The Soul Of A Man" sind getragene Balladen, die dagegen etwas abfallen, aber immer noch diesen speziellen Charme der amerikanischen Roots-Musik versprühen. Townleys größter Einfluss in seinen frühen Jahren war Reverend 'Blind' Gary Davis, mit dessen "Soon My Work Will All Be Done" dieses Album auch beschlossen wird. Hört sich wie eine sehr alte Aufnahme an, kann aber durchaus auch sein, dass da im Studio was am Soundboard 'gezaubert' wurde.
Weitere herausstechende Stücke sind beispielsweise das flotte "Let’s Get Drunk Again", das deutlich vom Country bzw. Bluegrass (ohne Banjo) beeinflusste "Waterbound", das auch mal mit zurückhaltender E-Gitarre unterstützte "Always Companion" oder das feine "I’m Going Down Tonight". John Townleys neues Werk mag nun nicht unbedingt ein Einsteiger-Album in dieses Musik-Genre, sondern eher was für Eingeweihte und Kenner sein, verfügt aber durchaus über viele Stärken. Insgesamt gesehen vielleicht etwas zu sehr 'ausgeglichen' kommen die 15 Tracks. Sprich, es gibt wenige Ausschläge nach oben oder unten, sodass man sich der Scheibe schon konzentriert zuwenden muss, damit sie nicht irgendwann am Hörer vorbei fließt. Wenn man sich damit befasst, macht sie allerdings Spaß.
Tracklist "Round Swamp Road":
- When The Train Come Along
- Let’s Get Drunk Again
- I’m Going Down Tonight
- Dirty Dealing Blues
- Waterbound
- The Anchor' Aweigh
- What Is The Soul Of A Man
- Always Companion
- La Ley De Dios
- Ancient Glory
- Lou’s Blues
- Ben Dewberry’s Final Run
- The Little Things
- Only Last Year
- Soon My Work Will All Be Done
Gesamtspielzeit: 49:34, Erscheinungsjahr: 2026



Neueste Kommentare