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Wolfsmond / Für mich ist es Rock’n’Roll (Part 1) – 2CD-Review

Wolfmond - "Für mich ist es Rock'n'Roll (Part 1) - 2CD-Review

Initialzünder der Band Wolfsmond war Mitte der siebziger Jahre der Bremer Musiker Jochen Peters (Ex-The Rattles), der sich den Künstlernamen Lude Lafayette zugelegt hatte. Mit George Meier (Ex-Cravinkel, Ex-The Rattles) holte er sich einen guten und zuverlässigen Partner zur Seite, selbst wenn er für das Songwriting – von wenigen Ausnahmen abgesehen – im Alleingang verantwortlich zeichnete. Bereits Ende 1976 ging es dann mit kompletter Band in die Alster Tonstudios in Hamburg, um das Debütalbum "Lude Lafayette’s Wolfmond" aufzunehmen.

Trockener Rock’n’Roll fast ohne große Effektgeräte wie Verzerrer oder ähnliches wird hier geboten. Beim Anhören dieser Songs fällt es zunächst noch gar nicht auf, mit zunehmender Dauer der ersten Scheibe wird jedoch klar, dass sich die Band und natürlich auch der Songwriter sehr stark von J.J. Cale sowie auch den Eric Clapton-Alben ab "461 Ocean Boulevard" (1974) inspiriert fühlte. Das macht sich auch beim Gesang bemerkbar, der zunächst etwas zurückhaltend, ja fast schon introvertiert rüberkommt. Ach ja, klar, J.J. Cale… Hier fließt also nicht gerade das Adrenalin eines jungen Jerry Lee Lewis aus den Boxen, sondern es geht doch recht gemäßigt zur Sache. Die Musik an sich ist allerdings klasse. Sehr gute Musiker, die grooven wie die Hölle. Der Cale-Einfluss ist dann ganz deutlich auch auf Stücken wie etwa "Nachtexpress", "Das hat Spaß gemacht" oder "Wir sind uns nah" hörbar. Ein bisschen unverschämt vom Bandleader mag lediglich die Tatsache sein, dass er den Song "Engel" in sein Kerbholz ritzte. Sicherlich stammt der deutsche Text von ihm, der Track an sich ist allerdings ganz klar die Wolfsmond-Version des Bob Dylan-Songs "Sign Language", als Duett mit Eric Clapton auf dessen Album "No Reason To Cry" (1976) eingesungen. Und an die gitarristischen Künste von den auf dem Original-Song agierenden Herren Clapton und (vor allem!) Robbie Robertson kann die Band trotz eines guten und ehrenwerten Versuchs lediglich kratzen. Naja, Schwamm drüber…

Das zweite Album "Rock’n’Roll Radio" musste dann schon mit starken Umbesetzungen klarkommen, denn außer Lafayette und Meier wurde der komplette Rest der Combo ausgetauscht. Oder waren das auf dem Erstling außer den beiden genannten doch alles Session-Musiker? Wie dem auch sei, das zweite Werk der Band mundet dem Rezensenten dann insgesamt doch wesentlich besser. Einfach, weil es ein ganzes Stück rockiger ist und deutlich straighter und extrovertierter nach Vorne stürmt. Auch hier kommt immer mal wieder die Liebe der Hauptprotagonisten zum Red Dirt-Sound aus Oklahoma bzw. dem Country Rock durch.

Als Bonus Tracks gibt es auf der ersten CD mit "Tiger" sowie "Zeig mir mehr" zwei Nummern, die es seinerzeit nicht auf das Debütalbum schafften. Beide stilistisch im Einklang mit den ersten elf Stücken, stellt das bisher unveröffentlichte Duo speziell für Fans der Band eine tolle Ergänzung dar. Den Bonus auf CD 2 bilden fünf Stücke eines Konzerts der Band aus dem Jahr 2013. Da Lude Lafayette zu jenem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre nicht mehr unter uns war, ist George Meier das einzige Original-Mitglied. Aber die Stücke, alle von den ersten beiden Alben, kommen ziemlich schmissig um die Ecke und stellen einen schönen Abschluss dieser Doppel-CD dar.

Wie von dem Label MIG Music gewohnt, eine sehr schöne Wiederveröffentlichung. Das Gusto des Rezensenten treffen die beiden Alben zwar nicht unbedingt, was aber überhaupt nichts macht und keine Wertung darstellen soll. Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich nun mal (nicht) streiten. Die Musik an sich ist jedenfalls klasse, die Texte und der Gesang atmen schon sehr deutlich den Geist der damaligen Zeit, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist. Entweder man mag es, oder nicht. Also am besten selbst mal anchecken, denn auch dem Sound dieser Wiederveröffentlichung ist nicht das Geringste vorzuwerfen.


Line-up Wolfmond:

Lude Lafayette (guitars, keyboards, lead vocals – CD 1, CD2 – #1-8)
George Meier (guitars, vocals – CD 1 + 2)
Rico Christian (guitars, vocals – CD 1 – #1-13)
Rainer Gaffrey (guitars – CD 2 – #9-13)
Alexander Vallon (guitars – CD 2 – #9-13)
Ralf Heinlein (keyboards – CD 2 – #9-13)
Joseph Hess (bass – CD 1 – #1-8,10-13)
Zappo Lüngen (bass – CD 1 – #9)
Frank Mille (bass – CD 2 – #1-8)
Matthias Klenke (bass – CD 2 – #9-13)
Zappo Lüngen (drums – CD 1)
George Miller (drums – CD 2 – #1-8)
Frank Alpers (drums – CD 2 – #9-13)
Charles Campbell (additional percussion – CD 1)
Bernardo Ball (percussion – CD 2 – #1-8)

Tracklist "Für mich ist es Rock’n’Roll (Part 1):

CD 1 – "Lude Lafayette’s Wolfsmond":

  1. Wie der Wind so frei
  2. Morgen muss ich gehn
  3. Beinah ein Hauch von Einsamkeit
  4. Nachtexpress
  5. Wie du es haben willst (soll es sein)
  6. Das hat Spaß gemacht
  7. Engel
  8. Wir sind uns nah
  9. Mädchen aus Amerika
  10. Noch bevor heute Nacht der Mond aufgeht
  11. Ameland
  12. Tiger (outtake – bonus track)
  13. Zeig mir mehr (outtake – bonus track)

CD 2 – "Radio Rock’Roll":

  1. Radio Rock’n’Roll
  2. Biggi für den Kick
  3. Sanfter Wind
  4. Roulette in Rom
  5. Morgenwind
  6. Wellenreiter
  7. Silber
  8. Ekstasenspiel
  9. Wie der Wind so frei (live 31.08.2013 – bonus track)
  10. Ameland (live 31.08.2013 – bonus track)
  11. Nachtexpress (live 31.08.2013 – bonus track)
  12. Beinah ein Hauch von Einsamkeit (live 31.08.2013 – bonus track)
  13. Radio Rock’n’Roll (live 31.08.2013 – bonus track)

Gesamtspielzeit: 50:38 (CD 1), 57:46 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026 (1977, 1978, 2013)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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