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Wytch Hazel / II: Sojourn – CD-Review

Wytch Hazel: II Sojourn

Hatte ich es nicht neulich erst mit Hexen im Metal? Und schon kommt mir wieder Hexenmetal ins Haus, auch wenn hier Wytch mit 'y' geschrieben wird. Witch Hazel bedeutet übersetzt Zaubernuss, das ist ein Gewächs aus der Familie der Hamamelidaceae. Also eher Botanik als Magie?
Tatsächlich sehen sich Wytch Hazel mehr als Protestanten und nicht als Verbreiter von »occult hocus pocus«.
Die Grundidee ist: »Wytch Hazel exist in »the parallel universe where the New Wave Of British Heavy Metal happened 600 years early!«

So verwundert es nicht weiter, wenn die Musiker auf den Fotos aussehen als kämen sie gerade von einem Mittelaltermarkt, tragen keine Jeans, Leder und Nieten. Dabei haben sich die Briten erst nach der Jahrtausendwende gegründet, nämlich 2011. Nach einer Single, einer EP und zwei Split-Vinyls erschien 2016 das Debüt "Prelude". Nun, 2018, folgt "II: Sojourn".
Der musikalische Aufenthaltsort dieser Scheibe wurde unter anderem von Iron Maiden, Thin Lizzy, Pagan Altar, Jethro Tull und Wishbone Ash beeinflusst. Zu letzteren gibt es noch ein besonderes Detail: vergleicht mal das Cover von Argus (Wishbone Ash) und das von "II: Sojourn". Ist das etwa Derselbe, hier als Reiter, damals von hinten?

Zurück zur Musik: Wie zuvor treffen Folk-Elemente auf Hard Rock/Heavy Metal, wobei sich die Gewichtung der Einflüsse Richtung Hard’n’Heavy verschoben hat gegenüber dem Debüt. Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen in der Szene, manche sind etwas enttäuscht, viele sind jedoch begeistert, begrüßen die Erweiterung der Bandbreite. Szene meint hier: vor allem Fans von kauzigem oder epischen Heavy Metal.

Fakt ist, "II: Sojourn" bietet einiges, neben ausgereiftem Songwriting auch spielerische Klasse, die sich beispielswiese bei den schönen, harmonischen Double Leads zeigt. Neben der harten musikalischen Seite gibt es immer wieder stimmungsvolle folkige Elemente. Vor allem in der ersten Hälfte sind die Songs schon recht metallisch, gerade beim relativ harten Opener "The Devil Is Here" (gut, das passt dann zum Thema).
Später kommt dann das Verträumtere, Ruhigere in der Musik von Wytch Hazel mehr zum Vorschein. Dürfte dann bei der Vinylversion besonders auffällig sein, dass die beiden Seiten sich unterscheiden. Wem die erste Seite zu metallisch ist, hört halt nur die zweite, folk-rockigere. Oder je nach Stimmung…

"Wait On The Wind" schafft es beides gelungen zu vereinen, fängt eher folkig-ruhig an, nach etwa drei Minuten gewinnen die großartig gespielten Gitarren die Oberhand und es wird rockiger, doch der Gesang setzt wieder einen Kontrast Richtung Melancholie. "See My Demons" gelingt es, trotz düster wirkendem Titel, hymnisch und fröhlich zu wirken.
Mit "Barrow Hill" kommt der Umbruch, wirkt fast schon wie ein Sprung von Heavy Metal aus den 80ern zu Rock/Folk aus den 70ern. Das danach folgende "Chorale" bietet am Anfang schöne Orgelklänge. Richtig sanft wird es am Ende bei "Angel Take Me".

Insgesamt ist "II: Sojourn" einerseits heavy, andererseits leicht und positiv. Die weiter oben erwähnte christliche Haltung ist irgendwie spürbar. Wytch Hazel sind nicht böse, wenn hier Magie im Spiel ist, dann nur weiße. Der Ritter auf dem Cover kämpft für das Gute. Egal ob man die religiöse Ausrichtung teilt oder nicht, gute Musik gibt es auf dieser Scheibe allemal, und das ist das Entscheidende.

Die Reise ins musikalische Paralleluniversum ist auf positive Weise verhexend, wenn man mit den bereits genannten Bands etwas anfangen kann. Gerade die Mischung der verschiedenen Elemente und Einflüsse der Jahrzehnte finde ich reizvoll. Außerdem sind sie geschickt miteinander verwoben und es offenbaren sich immer wieder feine Details.
Keine Ahnung, wie sich die NWoBHM angehört hätte, wenn Musiker sie mit einer Zeitmaschine 600 Jahre in die Vergangenheit transportiert hätten. Auf jeden Fall bietet "II: Sojourn" eine Reise in die 70er und 80er, schafft es dabei, irgendwie zeitlos zu wirken und eine eigene Atmosphäre zu verbreiten.


Line-up Wytch Hazel:

Colin Hendra (electric guitar and vocals)
Alex Haslam (electric guitar)
Matt Gatley (bass guitar)
Jack Spencer (drums)

Rob List (organ –#6,7, piano -#10)
Kieran O’Malley (violin -#10)

Tracklist "II: Sojourn":

  1. The Devil Is Here (3:48)
  2. Save My Life (4:00)
  3. Still We Fight (4:39)
  4. Wait On The Wind (5:11)
  5. See My Demons (4:34)
  6. Barrow Hill (5:21)
  7. Chorale (2:52)
  8. Slaves To Righteousness (3:48)
  9. Victory (5:27)
  10. Angel Take Me (6:06)

Gesamtspielzeit: 45:46, Erscheinungsjahr 2018

Über den Autor

Andrea Groh

Hauptgenres: Doom/Death/Black Metal, auch Post/Progressive/Pagan Metal u.a.
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Mail: andrea(at)rocktimes.de

1 Kommentar

  1. Wytch Hazel

    New 2020 single out now! Check it out: wytchhazel.bandcamp.com

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