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V.A. / That’ll Flat…Git It! Vol. 48 – CD-Review

V.A. / That'll Flat…Git It! Vol. 48 – CD-Review

Die nächste Raritäten-Runde ist eingeleitet, "Rockabilly & Rock’n’Roll From The Vaults Of Starday Records". Starday Records wurde 1953 ursprünglich als Label für Country-Musik und Bluegrass gegründet, Willie Nelson, oder Roger Miller waren im Zusammenhang damit berühmte Künstler. Doch die Zwei sucht man auf der neuen Kompilation von Bear Family Records vergeblich, geht es hier doch um Rockabilly und Rock’n’Roll! Und so können wir wiederum Songs von Sonny Fisher, Rudy 'Tutti' Grayzell, Leon Payne, Frankie Miller oder Sleepy LaBeef genießen, aber auch der Country-Star George Jones ist dabei, firmiert jedoch wieder unter Thumper Jones.

Ja, das Label wird zum zweiten Mal vorgestellt, ist es doch mit Vol. 47 bereits thematisiert worden. Somit gibt es erneut eine Reihe von Songs recht obskurer Künstler, die aber gleichwohl in bestimmten Kreisen durchaus hoch angesehen waren. Cecil Bowman and The Arrows, Benny Barnes with The Echoes, The Davis Twins with Sleepy Jeffers, Rocking Martin, Utah Carl, Ray & Lindy – nicht unbedingt bekannte und gängige Acts.

Und so ist und bleibt es unabdinglich, dass man sich auch hier wieder eines sechsunddreißig Seiten starken Booklets bedienen kann, in denen der kompetente Bill Dahl erneut detaillierte Auskünfte erteilt. Viele Fotos ergänzen das vorzügliche Booklet. Viele der unbekannten/relativ unbekannten Musiker*innen entnahm man den Archiven der Starday Custom Series. Das war ein Programm, das es aufstrebenden Provinz-Musikern ermöglichte, gegen eine geringe Summe 300 Kopien ihrer Werke zu erhalten, wenn sie ihre eigenen Masterbänder mitbrachten.

Zeitlich bewegen sich die vierunddreißig Nummern zwischen 1955 und 1959. Keine große Zeitspanne also, sodass sich stilistisch keine wesentlichen Unterschiede oder Veränderungen ergeben. Thematisch herrscht jedoch durchaus Vielfalt. Startet Link Davis mit der Geschichte "Trucker From Tennessee", so ist Bill Mack mit seinem Song "Fat Woman" nicht besonders galant. »A woman’s like a wall, you can’t go over, a woman’s like a wall, you can’t go under …«, »Fat woman, I can’t live with her«, relativiert dann aber mit »I can’t live without her… «.Es folgt ein, so meinte ich, unbekannter Musiker, Rock Rockers, doch eigentlich ist das der Country-Musiker Leon Payne!

Und so reiht sich ein individueller Track an den nächsten. Glenn Barber bringt bei "Shadow My Baby" einen rauen Gitarrensound ein, mit dezenter Verstärkung, Bob Doss, der mit dem damals bekannten Gitarristen Hal Harris durch seine Soli punkten konnte. "Don’t Be Gone Long" ist darüber hinaus ein absolut cool treibender Song mit einem tollen Slapping Bass. Und da passt Sonny Fisher: "Rockin' Daddy" ist absolut scharf, das erinnert stark an viele Aufnahmen, die damals in den SUN Studios entstanden, dieser ungeheure Drive und dazu dieser unglaubliche Swing erinnern auch an die frühen Aufnahmen von Elvis, etwas, das ich in der heutigen Popularmusik oft schmerzlich vermisse.

Rudy Tutti' Grayzell kommt total wild, im Sinne des Songtitels "Let’s Get Wild", und es 'rockabilly' immer weiter. Ganz hervorragend, wie man hier die Stile von Rock’n’Roll und Country verband, mal gibt es auch mehr Rock’n’Roll wie mit The Raindrops, aber wenig puren Country-Sound, ach, und der eben erwähnte Gitarrist Hal Harris, ein gern gesehener Sessionmusiker, konnte mit "Jitterbop Baby" endlich eine Debüt-Single landen. Leider aber ein bei Starday unveröffentlichter Song, der erst 1978 erschien. Mithin – das ist wiederum ein Schatzkästlein voller unentdeckter Perlen, Musik, die sofort gute Laune verbreitet, und, wie geschrieben, herrlich SWINGT!


Tracklist "That’ll Flat…Git It! Vol. 48":

  1. Link Davis – Trucker From Tennessee
  2. Bill Mack – Fat Woman
  3. Rock Rogers – Little Rock Rock
  4. Glenn Barber – Shadow My Baby
  5. Bob Doss – Don’t Be Gone Long
  6. Sonny Fisher – Rockin' Daddy
  7. Cliff Blakley – Want To Be With You
  8. Rudy Tutti Grayzell – Let’s Get Wild
  9. Rocky Bill Ford – Mad Dog In Town
  10. Cecil Bowman – Blues Around My Door
  11. Truitt Forse – Chicken Bop
  12. Thumper Jones – Rock It
  13. Frankie Miller – True Blue
  14. Fuzzy Whitener With Jerry Dykes & His Band – Sugar Buggar
  15. The Raindrops – I Don’t Want A Sweetheart
  16. Sonny Fisher – Pink And Black
  17. Benny Barnes with The Echoes – You Gotta Pay
  18. Lou Walker – Little Bitty Man
  19. Link Davis – Grasshopper Rock
  20. Hal Harris – Jitterbop Baby
  21. The Davis Twins with Sleepy Jeffers – Pretending Is A Game
  22. Rudy Gaddis – Uranium Fever
  23. Rocking Martin – All Because Of You
  24. Fred Crawford – Rock Candy Rock
  25. Bill Mack – Cat Just Got Back In Town
  26. Utah Carl – Sometimes
  27. Leon Payne – Sweet Sweet Love
  28. Sleepy La Beef – All Alone
  29. Sonny Fisher– I Can’t Loose
  30. Sonny Burns – A Real Cool Cat
  31. Tommy Castle – I’ve Done More Accidentially
  32. Ray & Lindy – Hey Doll Baby
  33. Phil Sullivan – You Get A Thrill
  34. Jack Kingston – Go Away (And Leave Me)

Gesamtspielzeit: 75:53, Erscheinungsjahr: 2025 (1955-1959)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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