Die nächste Raritäten-Runde ist eingeleitet, "Rockabilly & Rock’n’Roll From The Vaults Of Starday Records". Starday Records wurde 1953 ursprünglich als Label für Country-Musik und Bluegrass gegründet, Willie Nelson, oder Roger Miller waren im Zusammenhang damit berühmte Künstler. Doch die Zwei sucht man auf der neuen Kompilation von Bear Family Records vergeblich, geht es hier doch um Rockabilly und Rock’n’Roll! Und so können wir wiederum Songs von Sonny Fisher, Rudy 'Tutti' Grayzell, Leon Payne, Frankie Miller oder Sleepy LaBeef genießen, aber auch der Country-Star George Jones ist dabei, firmiert jedoch wieder unter Thumper Jones.
Ja, das Label wird zum zweiten Mal vorgestellt, ist es doch mit Vol. 47 bereits thematisiert worden. Somit gibt es erneut eine Reihe von Songs recht obskurer Künstler, die aber gleichwohl in bestimmten Kreisen durchaus hoch angesehen waren. Cecil Bowman and The Arrows, Benny Barnes with The Echoes, The Davis Twins with Sleepy Jeffers, Rocking Martin, Utah Carl, Ray & Lindy – nicht unbedingt bekannte und gängige Acts.
Und so ist und bleibt es unabdinglich, dass man sich auch hier wieder eines sechsunddreißig Seiten starken Booklets bedienen kann, in denen der kompetente Bill Dahl erneut detaillierte Auskünfte erteilt. Viele Fotos ergänzen das vorzügliche Booklet. Viele der unbekannten/relativ unbekannten Musiker*innen entnahm man den Archiven der Starday Custom Series. Das war ein Programm, das es aufstrebenden Provinz-Musikern ermöglichte, gegen eine geringe Summe 300 Kopien ihrer Werke zu erhalten, wenn sie ihre eigenen Masterbänder mitbrachten.
Zeitlich bewegen sich die vierunddreißig Nummern zwischen 1955 und 1959. Keine große Zeitspanne also, sodass sich stilistisch keine wesentlichen Unterschiede oder Veränderungen ergeben. Thematisch herrscht jedoch durchaus Vielfalt. Startet Link Davis mit der Geschichte "Trucker From Tennessee", so ist Bill Mack mit seinem Song "Fat Woman" nicht besonders galant. »A woman’s like a wall, you can’t go over, a woman’s like a wall, you can’t go under …«, »Fat woman, I can’t live with her«, relativiert dann aber mit »I can’t live without her… «.Es folgt ein, so meinte ich, unbekannter Musiker, Rock Rockers, doch eigentlich ist das der Country-Musiker Leon Payne!
Und so reiht sich ein individueller Track an den nächsten. Glenn Barber bringt bei "Shadow My Baby" einen rauen Gitarrensound ein, mit dezenter Verstärkung, Bob Doss, der mit dem damals bekannten Gitarristen Hal Harris durch seine Soli punkten konnte. "Don’t Be Gone Long" ist darüber hinaus ein absolut cool treibender Song mit einem tollen Slapping Bass. Und da passt Sonny Fisher: "Rockin' Daddy" ist absolut scharf, das erinnert stark an viele Aufnahmen, die damals in den SUN Studios entstanden, dieser ungeheure Drive und dazu dieser unglaubliche Swing erinnern auch an die frühen Aufnahmen von Elvis, etwas, das ich in der heutigen Popularmusik oft schmerzlich vermisse.
Rudy Tutti' Grayzell kommt total wild, im Sinne des Songtitels "Let’s Get Wild", und es 'rockabilly' immer weiter. Ganz hervorragend, wie man hier die Stile von Rock’n’Roll und Country verband, mal gibt es auch mehr Rock’n’Roll wie mit The Raindrops, aber wenig puren Country-Sound, ach, und der eben erwähnte Gitarrist Hal Harris, ein gern gesehener Sessionmusiker, konnte mit "Jitterbop Baby" endlich eine Debüt-Single landen. Leider aber ein bei Starday unveröffentlichter Song, der erst 1978 erschien. Mithin – das ist wiederum ein Schatzkästlein voller unentdeckter Perlen, Musik, die sofort gute Laune verbreitet, und, wie geschrieben, herrlich SWINGT!
Tracklist "That’ll Flat…Git It! Vol. 48":
- Link Davis – Trucker From Tennessee
- Bill Mack – Fat Woman
- Rock Rogers – Little Rock Rock
- Glenn Barber – Shadow My Baby
- Bob Doss – Don’t Be Gone Long
- Sonny Fisher – Rockin' Daddy
- Cliff Blakley – Want To Be With You
- Rudy Tutti Grayzell – Let’s Get Wild
- Rocky Bill Ford – Mad Dog In Town
- Cecil Bowman – Blues Around My Door
- Truitt Forse – Chicken Bop
- Thumper Jones – Rock It
- Frankie Miller – True Blue
- Fuzzy Whitener With Jerry Dykes & His Band – Sugar Buggar
- The Raindrops – I Don’t Want A Sweetheart
- Sonny Fisher – Pink And Black
- Benny Barnes with The Echoes – You Gotta Pay
- Lou Walker – Little Bitty Man
- Link Davis – Grasshopper Rock
- Hal Harris – Jitterbop Baby
- The Davis Twins with Sleepy Jeffers – Pretending Is A Game
- Rudy Gaddis – Uranium Fever
- Rocking Martin – All Because Of You
- Fred Crawford – Rock Candy Rock
- Bill Mack – Cat Just Got Back In Town
- Utah Carl – Sometimes
- Leon Payne – Sweet Sweet Love
- Sleepy La Beef – All Alone
- Sonny Fisher– I Can’t Loose
- Sonny Burns – A Real Cool Cat
- Tommy Castle – I’ve Done More Accidentially
- Ray & Lindy – Hey Doll Baby
- Phil Sullivan – You Get A Thrill
- Jack Kingston – Go Away (And Leave Me)
Gesamtspielzeit: 75:53, Erscheinungsjahr: 2025 (1955-1959)



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