«

The Shore / Flower Days & Lea Qui / L’assiette Vide – 7″ Split Single-Review

The Shore / Flower Days & Lea Qui / L’assiette Vide – 7“ Split Single-Review

Schon die Infos über die neue Split Single der beliebten Sireena Vinyl-Single Reihe macht neugierig und lädt zum Schmunzeln ein. Neugierig, weil da zum einen das neues Studioprojekt von Tom 'The Perc' Redecker und Carlo van Putten zu Werke ist und dieses Projekt mit dem Namen The Shore sich die Split-Single mit der Französin Lea Qui teilt, die man vielleicht noch aus den 1990er Jahren unter ihrem Geburtsnamen Lea Saby kennt.

Was das Schmunzeln betrifft, so ist es die Erklärung, wieso es eine A- und eine AA-Seite gibt. Was ansonsten B-Seite genannt wird, heißt hier AA, da beide Nummern gleichwertig sind und nicht wie bei anderen Singles, die A-Seite den 'Hit' enthält und die B-Seite eben ’nur' ein weiteres Stück aus der LP. Ich muss allerdings sagen, dass es einige Singles im Regal gibt, deren B-Seite das auf der Sonnenseite liegende Musikstück um Längen schlägt. Aber schmunzeln musst ich, weil das Label nicht zweimal A genommen hat: »… um das Presswerk nicht zu verwirren«. Klasse, oder?

Trotzdem fange ich mit der A-Seite an, denn die beiden Musiker sind mir im Gegensatz zu Lea Qui schon 'über den Weg gelaufen'. Carlo van Putten mit seinen Bands White Rose Transmission sowie The Convent und Tom Redeckers Fundstellen in RockTimes will ich hier jetzt gar nicht erwähnen, da ich dann eine Seite ausschließlich mit Links erstellen müsste. Lea Qui, deren Geburtsname ja wie bereits erwähnt Lea Saby ist, findet sich allerdings auch in unserem Index, und zwar auf Venier Le Temps und The Best Of Now & Zen von Taras Bulba sowie auf dem Album Lavender von The Perc Meets The Hidden Gentleman.

Tom kennt Lea aus der Bremer Indie-Szene, in der sie in den 1990ern musizierte und es mit der der Band Linda Potatoes bis in den New Yorker Punk-Club CBGB  auf der Bowery in Manhattan schaffte. Vor ein paar Jahren, so erfahren wir, zog sie zurück in ihre Heimat Frankreich und dort, im südfranzösischen Lunel, gab es von Tom Musik, zu der sie die Lyrics schrieb, den Song einsang und auch Gitarre und Xylophon beisteuerte. Aus dem Redeckerschen Umfeld kamen Marlon Klein, Harry Payuta sowie Rolf Kirschbaum mit ins Spiel und das Ergebnis, "L’assiette Vide", ist nun auf Seite AA.

Beide Stücke kann man sicherlich in Toms Musikkosmos verorten, aber sie scheinen auf den ersten Hördurchgang etwas vom bisherigen Weg des Masterminds abzuweichen. Wenn man Redeckers Gesamtwerk als Referenz nimmt, so sind Sachen wie Krautrock, Psychedelic, Prog Rock oder Underground hier eher in zweiter oder dritter Reihe auszumachen. Aber dass Tom nicht in Stil-Mauern eingesperrt ist, hat sich spätestens mit Les Variations Sonnenuhr bewiesen.

Wenn schon Doppel-A, dann fange ich damit auch an. Leas Stimme ist natürlich der Hinhörer und sie setzt sie perfekt ein, indem sie die Sprossen der Tonleiter rauf und runter steigt. Es wabern die typischen Tastentöne, die Tom so herrlich in den Äther entlassen kann und dazu quirlt der Rhythmus wie frisches Wasser. Das Hämmerchen sorgt für etwas Xylophonklang und wenn die Gitarre aufmuckt, dann ist das Arrangement perfekt. Immer wieder muss ich feststellen, wie schön die französische Sprache doch auch abseits der Chansons zur Musik passt. Ich sagte eingangs, dass die Musik etwas von den üblichen Perc-Stilen abweicht Die Handschrift, was Rhythmus und Orgel und die Kompoistion betrifft, ist aber schon erkennbar, wenn auch der krautig psychedelische Duft fehlt. Es scheint, als gäbe es noch einiges im Hause Redecker zu entdecken.

Seite A gehört dem neuen Projekt The Shore und dass statt Tom nun Carlo am Micro steht ist unschwer zu erkennen. Es ist, als ob ein Sänger in Leder- oder Jeansjacke den Platz für einen Vokalisten im Anzug frei gemacht hätte. Da die Ausrichtung von "Flower Days" in eine leicht wavige Ecke geht, in der auch hier und da etwas Elektronik ins Spiel kommt, passt Carlos Stimme perfekt. Fast könnte man bei den ersten Takten denken, Mr. Ferry hat das Mikrofon in der Hand. Auch hier ist rhythmisch unverkennbar wieder Toms Werk zu erkennen, das sich im Zusammenspiel mit van Puttens Ausstrahlung zu einem tollen Gesamten entwickelt, das man in Teilen als durchaus großformatiges Ambient bezeichnen darf.

Sollte jetzt jemand die berechtige Frage nach dem Keyboarder stellen; Ja, es ist Volker Kahrs aka Mist, der von 1972 bis 1982 bei Grobschnitt die Tasten bediente und leider bereits 2008 verstorben ist. Schön, dass es immer noch Aufnahmen gibt, auf denen er zu hören ist. Eigentlich kein Wunder, denn Toms Fundus scheint gewaltig und so ist es dann auch zu erklären, dass "Flower Days" kein neu geschriebenes Stück, sondern ein schon etwas älteres ist.

Wollen wir mal hoffen, dass noch viele spannende Musikstücke das Licht der Welt erblicken, denn diese Splitsingle ist quasi der Appetizer für das angekündigtes Debütalbum der beiden Musiker. Man darf gespannt sein…

Line-ups:

The Shore:

Carlo van Putten (lyrics & vocals)
Tom 'The Perc' Redecker (music & instruments)
Volker Kahrs (keyboards)

Lea Qui:

Lea Qui (lyrics, vocals, xylo, guitar)
Tom 'The Perc' Redecker (compositon, organ, perucssion)
Harry Payuta (bass)
Rolf Kirschbaum (slide guitar)

Tracklist:

Side A:

The Shore: Flower Days (4:40)

Side AA

Lea Qui: "L’assiette Vide" (3.38)

Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
Über mich
Meine Seite im Archiv
News
Mail: ulli(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>