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Fairnie & Adamascheck / The Sicilian Suite – CD-Review

Fairnie & Adamascheck / The Sicilian Suite – CD-Review

Da nimmt man einen Bembel mit feinstem Inhalt, gebe einen guten Schluck Highland Single Malt hinzu und als Ergebnis hat man einen perfekten Nero d’Avola im Glas. Was trinkkulinarisch unmöglich ist, scheint musikalisch kein Problem zu sein, denn der auf die 80 Jahre zugehende schottische Songer/Songwriter Tom Fairnie und der fast 70 Jahre alte Nordhesse Klaus Adamascheck, seines Zeichens ebenfalls in hoher Liga ansässiger Singer/Songwriter, haben sich vor etwa zwei Jahren samt Familien und vielen Freunden auf Sizilien getroffen und gemeinsam Songs geschrieben, die nun als "The Sicilian Suite" veröffentlicht werden.

Zu den beiden Musikern muss an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden, denn Klaus Adamascheck dürfte von Shiregreen bestens bekannt sein und die beiden Alben Still Unbroken sowie Still Dreaming, die die bisherige Zusammenarbeit der beiden Musiker dokumentieren, haben wir auf RockTimes bereits rezensiert. "The Sicilian Suite" ist somit das dritte gemeinsame Album und erscheint via DMG am 24. Juli 2026.

Wenn ich eingangs den Nero d’Avola erwähnt habe und Albumtitel sowie die in der Trackliste genannte uralte antike Metropole Syrakus mit Italien untrennbar verbunden sind, es gibt auf vorliegender Platte keine Musik à la "Ciuri, Ciuri". So haben die beiden Protagonisten auf ihrem neuen Album nicht gekleckert, was auch die beteiligten Musiker angeht. Sizilien, verbunden mit Begriffen wie Antike, Theatern, Tempel, die besondere 'Beziehung' zu Athen ist musikalisch ja nicht in ein Korsett gebunden, sondern beinhaltet auch arabische, afrikanische, spanische und griechische Einflüsse, sodass diese Insel perfekt für das Komponieren der sechs neuen Lieder war, denn auch Klaus und Tom bedienen sich aus einem Schmelztiegel, finden sich doch neben ihren gewohnten Gitarren auch 'Exoten' wie die irische Bouzouki, die, der Name lässt es erahnen, vom größeren griechischen Original stammt oder die keltische Harfe Clarsach. Es gibt Glockenspiel, Akkordeon, Flöte, Cello, Kontrabass oder auch die keltisch gestimmte Dadgad Gitarre.

Auch textlich haben die beiden Musiker einiges zu erzählen. Da gibt es z. B. in "Romans And Barbarians" mehr oder weniger unterschwellige Vergleiche von römischen Despoten und aktuellen Figuren der Weltgeschichte, logischerweise geht es auch um Krieg und die damit verbundenen menschlichen Tragödien aber auch um kleinere Dinge, die der vermisst, der sie vor Zeiten als weitgehend sicher erlebt hat, wie die eigentlich fast ausgestorbene Tramperei. Der Schreiber dieser Zeilen versteht genau und fühlt mit, wenn es in "No Hitchhikers Anymore" heißt: »I can still remember less than fifty years ago – I was one hell of an hitchhiker where ever I want to go – I still see me standing there, just a smile in the driver’s eye – I still hear me cursing if he drover by«.

Musikalisch und kompositorisch höchst interessant ist der Kernsong des Albums, "This Flame", der erst einmal in drei Parts geteilt in der fast 40 Minuten langen "Sicilian Suite" zu hören ist und das Album thematisch zusammenhält. Und diese fast 40-minütige Suite hat es in sich, da man solch monumentale Kompositionen im Singer/Songwriter-Kosmos eher nicht erwartet. Wobei man aber auch sagen kann, dass Klaus und Tom nicht nur das Singer/Songwriter-Klischee bedienen, sondern auch gut in Folk und Americana unterwegs sind. Und sie sind so unterwegs, dass man als Hörer beim Genießen der Platte sich das ein oder andere Mal gedanklich in sizilianischer Flora wähnt, zumal dann, wenn man "The Sicilian Suite" am Sommerabend bei einem guten Roten auf der Terrasse genießt. Die beiden Musiker haben es zusammen mit ihrer enormen Schar an Musikern in Edinburgh, wo die Aufnahmen stattfanden, geschafft, den Hörer mitzunehmen und ihn nicht zum reinen Musikkonsumenten degradiert.

Man taucht ein in die Geschichten um – grob gesagt – das menschliche Dasein mit all seinen Höhen und Tiefen, Gefühlen und Verhalten unserer Spezies –  und wie sich manches aus der Vergangenheit auch heute wieder findet. Und damit man die Verbindung zu Orten, Zeiten und dem Dasein an sich auch spürt, tauchen immer wieder Stellen auf, an denen man Vogelgezwitscher, Möwenlaute oder Kirchturmglocken hört und sich so seine eigenen Erinnerungen parat legen kann.

Die erwähnte Suite ist mit ihren sechs Teilen (wenn man die drei Teile "This Flame" als eine Nummer zählt) ja eine zusammenhängende Reise, die man auch in Etappen genießen kann, denn beim ersten Hören des Albums dachte ich, mein Player würde die CD automatisch noch einmal von vorne abspielen. Weit gefehlt, denn die Tracks der Suite sind auch in Einzelversionen hörbar, sodass es einfacher ist, seine Favoriten direkt anzuwählen. Und jedes der Lieder hat seine Stärken, wie etwa das Schaffen von Atmosphären durch zum Beispiel gekonnte Instrumentierung wie Einsatz von Kontrabass, Akkordeon, Flöte oder die bereits erwähnten 'Exoten'. Aber nicht nur die Instrumentierung setzt Akzente, auch die weiblichen Gesangsstimmen sind neben denen der beiden Protagonisten immer wieder geeignet, aufzuhorchen; von den Chorpassagen erst gar nicht zu reden, die sind eine Klasse für sich.

Die Melodieführung ist ebenfalls hervorzugeben, denn je nach Thema wechseln sich Moll und Dur ab und es entstehen großartige Ohrschmeichler. Thematisch wie musikalisch haben Klaus Adamascheck und Tom Fairnie voll zugelangt und mit "The Sicilian Suite" ein Werk vorgelegt, das qualitativ im Genre seinesgleichen sucht.

Das einzige offizielle Releasekonzert für Deutschland ist laut Infoblatt auf dem nordhessischen Schloss Eichhof bei den Bad Hersfelder Festspielen.
Beim Ticketcenter dieser Festspiele gibt es auch die Karten zu dem Konzert.


Line-up Fairnie & Adamascheck:

Klaus Adamascheck (vocals, acoustic guitar, 12 string guitar, harmonica)
Tom Fairnie (vocals, acoustic guitar)
Jane Fairnie (vocals)
Ben Watt (additional vocals, double bass)
Bernard Progue (additional vocals, dadgad guitar)
Pauline Valllance (additional vocals, flute, clarsach)
Gracie Brill (additional vocals)
Richard Werner (additional vocals, keyboard, peruccsion)
John Sparks (electric guitar)
Frank Cassidy (Bouzouki)
Sandy Brechin (accordion)
Wendy Weatherby (cello)
Signy Jakobsdottir (Glockenspiel)

Tracklist "The Sicilian Suite":

  1. The Sicilian Suite (37:34)
    This Flame [Part 1]
    No Hitchhikers Anymore
    Romans And Barbarians
    The Empire Of The Ants
    This Flame [Part 2]
    Song Of Syracusa
    Good Night Syracusa
    This Flame [Part 3]
  2. No Hitchhikers Anymore [Single Edit] (3:53)Romans And Barbarians [Single Edit] (5:02)
  3. The Empire Of The Ants [Single Edit] (5:18)
  4. Song Of Syracusa [Single Edit] (4:56)
  5. Good Night Syracusa [Single Edit] (4:11)
  6. This Flame [Single Edit] (12:43)

Gesamtspielzeit: 73:42, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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