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V.A. / Rubáiyát – Elektra’s 40th Anniversary – Do-CD-Review

Eine Zeitreise.
Wir befinden uns im Jahr 1990.
Das Record-Label Elektra feierte zu diesem Zeitpunkt sein vierzigjähriges Jubiläum mit einem Doppelalbum unter dem Titel "Rubáiyát – Elektra’s 40th Anniversary".
Achtunddreißig Bands/Musiker/Musikerinnen versammelte man auf dem Album, dessen CDs es auf eine Gesamtspielzeiten von 74:21 Minuten für die erste CD und 74:19 für CD 2 bringen.
Als einzige Band taucht The Cure zu Beginn und am Ende des Doppeldeckers auf.
Die britische Wave-Band hat sich "Hello, I Love You" beziehungsweise "Hello, I Love You (Slight Return)" von The Doors vorgeknöpft.
Metallic beschäftigen sich mit dem Queen-Lied "Stone Cold Crazy".
Beigefügt ist ein Büchlein in einer Stärke von dreiundfünfzig Seiten.
Und schon sind wir bei der Besonderheit der Veröffentlichung, denn die Gruppen/Künstler/Künstlerinnen präsentieren hier nicht einen ihrer eigenen Kompositionen, sondern interpretieren Lieder anderer Formationen/Musiker/Musikerinnen in ihrem ureigenen Stil. So kommt es zu ungemein vielen Überraschungen.

Die Artists waren auch unter anderen Labels, wie zum Beispiel Asylum, unter Vertrag. Asylum zählt aber zur Gruppe der Elektra-Plattenfirmen.
Seinerzeit veröffentlichten The Eagles unter Asylum/Elektra.
Auf dem Sampler bringt man die Gipsy Kings in Verbindung mit The Eagles. Das im Original etwas Reggae-lastige "Hotel California" wird auf links gekrempelt und heraus kommt eine Flamenco-Version des französischen Septetts mit vier Gästen.
An dieser Stelle ein Wort zu dem begleitenden Büchlein. Hier wird auf mehreren Seite auf die Elektra-History eingegangen und zu den einzelnen Liedern gibt es die Namen der Komponisten und das Line-up der jeweiligen Artists.

Die Pixies rufen eine feurig-aufmüpfige Alternative Rock-Version von The Paul Butterfield Bands "Born In Chicago" auf den Plan. Es gibt wohl kaum eine wildere Ausgabe dieses Blues-Songs, der hier gar kein Zwölftakter mehr ist.
Eine Gypsy Rock-Party feiern The Havanilas mit "Bottle Of Wine" vom Folk-Musiker Tom Paxton. Da bleibt die Fußwippe nicht in Ruhestellung.
Apropos Party. Die Happy Mondays heben John Kongos "Tokoloshe Man" auf ein anders ausgelegtes Podest. Mit ihrem aufgewühlt-furiosen Indie Rock landete die Manchester-Combo einen Hit.
Aus dem Don Nix-Blues-Klassiker "Going Down" oder auch "Goin' Down" geschrieben, macht Lynch Mob eine handfeste Heavy Rock-Variante, in der George Lynchs E-Gitarren so richtig vom Leder zieht. Highlight!
Ernie Isley von den Isley Brothers knöpft sich den The Cars-Hit "Let’s Go" vor und hier haben wir es mit einer heißen Funk-Fassung zu tun. Daumen hoch, auch wenn Phil Shenale viel Programming beisteuert.

Krass! Die Sleaze-Glam-Metal-Band Faster Pussycat versuchen ihr Glück mit Carly Simons Welthit "You’re So Vain". Da klingt der Refrain des Tracks jetzt noch im Ohr nach und irgendwie erkennen wir dieses Lied in der Faster Pussycat-Ausführung auch nur am Refrain. Diese Interpretation ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Vielleicht ging Bob Krasnow, verantwortlich für das Konzept des Samplers, hier einen Schritt in die falsche Richtung.
Daumen hoch für Televisions "Marquee Moon" in einer Kronos Quartet-Modellierung. Wow! Dieses Streicher-Quartett bringt auf beeindruckende Art die Klassik ins Spiel und landet damit einen Trumpf.
They Might Be Giants sind vertreten mit ihrer Alternative Rock-Lesung "One More Parade" vom Folk und Protestsänger Phil Ochs. Eine sehr gelungene Version mit toller Brass-Section.

Die zweite CD beginnt mit der Rock-Band The Bif F und MC5s "Kick Out The Jams". Klasse Ausgabe!
Die 10,000 Maniacs, eine Folk Rock-Combo aus Georgia, widmen sich "These Days" von Jackson Browne und die Leute vor den Lautsprechern sind begeistert von einer herrlichen Sichtweise auf diesen Track und der Stimme von Natalie Merchant.
Eine Jackson Browne-Nummer wird nicht nur interpretiert, sondern der Protagonist ist auch persönlich mit von der Partie. Seine Vorlage ist Incredible String Bands "First Girl I Love". Es ist Zeit für eine Ballade mit David Lindley an der Violine. Dieser Track ohne Drums aber mit dezenter Luis Conte-Percussion erreicht unsere Herzen. Highlight!
Prost. Danny Gatton zählt zu den Champions der Gitarren-Künste. Seine Ausgabe von Rhinoceros "Apricot Brandy" ist eine rasante Instrumental-Abfahrt mit, garniert mit einem Bill Holoman-Saxofon-Solo und einer, über den gesamten Track verteilten, furiosen Fretboard-Fahrt.

Ein weiterer Song von The Eagles steht an, wenn sich Howard Hewett "I Can’t Tell You Why" vornimmt. Meilenweit entfernt von einer Weichspüler-Fassung ist seine R&B-Interpretation, gesungen mit einer Gänsehaut-Stimme von Howard Hewett im Verbund mit Nia Peeples-Hewett (Backing Vocals), ein echter Hinhörer.
Mit Erfolg bringt John Eddie die The Cure-Nummer "Inbetween Days" an die Leute. Sein Stadion-Rock gefällt.
Dann ist da noch der Exzentriker John Zorn. "T.V. Eye" von The Stooges ist wild, ungezähmt, ekstatisch, fernab von Wohlbefinden. Die extreme Ausnahme auf "Rubáiyát – Elektra’s 40th Anniversary".

Sara Hickman setzt "Hello, I Am Your Heart" (Dennis Linde) in ein luftiges Reggae-Licht und Teddy Pendergrass macht Breads "Make It With You" zu einer wunderschönen Soul-Ballade. Sehr schön!
Gänsehaut garantiert! Linde Ronstadt singt "The Blacksmith" von Kathy & Carol solo. Auch das Original ist ein ausschließlich gesungenes Duett.
Die eindringliche Stimme von Robin Holcomb geht unter die Haut und überhaupt ist mit Gitarrist Bill Frisell sowie Tastenmann Wayne Holvitz Bob Dylans "Going Going Down" in besten Händen.

Mit Leaders Of The New School und dem Pieces Of A Dream-Instrumentalstück "Mt. Airy Groove" fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Funk trifft auf Hip-Hop.
Bei Tracy Chapman treffen wir abermals auf einen Klassiker der Musik-History. "The House Of The Rising Sun", hier in einer Live-Ausgabe, bringt eine individuelle Sicht auf den Welthit und Billy Braggs hektische "Seven & Seven Is"-Fassung von Love ist wuchtiger Rock’n’Roll.
Shinehead macht aus Josh Whites Blues/Gospel-Lied "One Meatball" eine ausgefuchsten Reggae.
Nochmals Carly Simon. Anita Baker präsentiert "You Belong To Me" als ein wunderbares Soul-Stück mit viel Backing Vocals und einem Andy Snitzer Saxofon-Jazz-Solo.
Howard Jones steht für Synthesizer Pop und New Wave. Aber "Road To Cairo" von Davis Ackles ist eine viel eher zeitlose Ballade.

"Rubáiyát – Elektra’s 40th Anniversary" ist eine beeindruckende Sammlung von Songs, die in bemerkenswerter, sehr oft auch faszinierender Weise, gefällt.
"Rubáiyát – Elektra’s 40th Anniversary" offenbart auf sehr überzeugende Art, wie die herausfordernden Interpretation von Elektra-Artists-Originalen von Erfolg gekrönt wird.


Tracklist "Rubáiyát – Elektra’s 40th Anniversary":

CD 1:

  1. The Cure – Hello I Love You
  2. Tracy Chapman – House Of The Rising Sun
  3. Billy Bragg – Seven & Seven Is
  4. Jevetta Steele – I’d Like To Teach The World To Sing
  5. Gipsy Kings – Hotel California
  6. The Black Velvet Band – Werewolves Of London
  7. The Sugarcubes – Motorcycle Mama
  8. Shinehead – One Metalball
  9. The Havalinas – Bottle Of Wine
  10. Pixies – Born In Chicago
  11. Faster Pussycat – You’re So Vain
  12. Kronos Quartet – Marquee Moon
  13. Phoebe Snow – Get Ourselves Together
  14. Happy Mondays – Tokoloshe Man
  15. Ernie Isley – Let’s Go
  16. Lynch Mob – Going Down
  17. Ambitious Lovers – A Little Bit Of Rain
  18. Anita Baker – You Belong To Me
  19. Howard Jones – Road To Cairo

CD 2:

  1. The Big F – Kick Out The Jams
  2. The Georgia Satellites – Almost Saturday Night/Rockin' All Over The World
  3. Sara Hickman – Hello, I Am Your Heart
  4. Teddy Pendergrass – Make It With You
  5. Linda Ronstadt – The Blacksmith
  6. Bill Frisell/Robin Holcomb/Wayne Horvitz – Going Going Gone
  7. Jackson Brown – First Girl Loved
  8. 10,000 Maniacs – These Days
  9. Metallica – Stone Cold Crazy
  10. Danny Gatton – Apricot Brandy
  11. Shaking Family – Union Man
  12. They Might Be Giants – On More Parade
  13. Howard Hewett – I Can’t Tell You Why
  14. Leaders Of The New School – Mt. Airy Groove
  15. Shirley Murdock – You Brought The Sunshine
  16. John Eddie – Inbetween Days
  17. The Beautiful South – Love Wars
  18. Michael Feinstein – Both Sides Now
  19. John Zorn – T.V. Eye
  20. The Cure – Hello I Love You (Slight Return)

Gesamtspielzeit: 74:21 (CD 1), 74:19 (CD 2), Erscheinungsjahr: 1990

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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