»Wir haben oft die gleichen Münzen in der Tasche, aber die Musik der anderen Europäer kennen wir kaum.« Der niederländische Liedermacher Johan Meijer mag genau das ausdrücken, was uns Menschen nicht nur in der Musik bewegt. Beim Thema Musik knüpft das Chemnitzer "Lied-Festival Poesie Europas", das 2026 bereits seine fünfte Auflage bestreitet, genau bei diesem Gedanken an. Das Festival sollte ursprünglich am 28. Juni 2026 an besonderer Stelle über die Bühne gehen. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die Räume im Straßenbahnmuseum Chemnitz derart überhitzt, dass das Festival das Schicksal mit vielen anderen Veranstaltungen teilte, die angesichts der tropischen Temperaturen in der Juni-Hitze abgesagt werden mussten.
Ein neuer Termin war allerdings schnell gefunden, sodass die Veranstalter am 20. September 2026 an gleicher Stelle einladen, mit Liedern über Grenzen zu gehen. Die erste Grenzüberschreitung ist die Wahl des Veranstaltungsortes: ein altes Straßenbahndepot, heute vereinsgeführtes Museum für historische Straßenbahnen. Künstler und Publikum mittendrin. "Poesie Europas" ist ein »Festival von Künstlern für Künstler, die an einem Abend gemeinsam mit ihren Liedern grenzenlos durch Europa ziehen«, beschreibt es Sabine Kühnrich. Als Mitglied des Trios QUIJOTE aus Chemnitz ist sie Sängerin, Gastgeberin und Organisatorin in Personalunion. »Die drei Chemnitzer eröffnen ihrem Publikum unerwartete Lieder-Welten. Sie interpretieren politische Poesie, erzählen musikalisch Geschichte und Geschichten«, heißt es in der Ankündigung zum Festivalreigen. Die hauptsächlich von Ludwig Streng (Gesang, Piano) komponierte Musik folgt Texten von Dichtern wie beispielsweise Stefan Heym, Bertolt Brecht und Volker Braun oder Henry-Martin Klemt. Für die Lieder des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis schreiben sie seit über 20 Jahren fast alle Nachdichtungen selbst.
Musikalischer Gast in diesem Jahr ist George Leitenberger, Liedermacher aus der Schweiz. Er ist inzwischen ein guter Bekannter bei RockTimes . Einige seiner Alben mit jüngerem Datum haben wir in den vergangenen Jahren an dieser Stelle bereits vorgestellt. »Die handgemachte, ehrliche Musik von George Leitenberger ist ein Glück für alle, die Emotionen, Selbstironie, Freude und Können zu schätzen wissen«, lesen wir über den vielseitigen Künstler mit Wahlheimat Genf.
Zu erleben sein wird auch der schon zitierte Johan Meijer, begleitet von Andreas Albrecht, einem Sänger, Schlagzeuger, Pianisten und Musikprozenten sowie Begleiter von interessanten Künstlern der Liederszene. Er ist bekannt für scharfzüngigen Folk zwischen Polka und Gipsyswing, Balkan und Ballade. Er trifft in Johan Meijer auf einen Niederländer, der schon das 1. Chemnitzer "Festival Poesie Europas" eröffnet hat. Viele europäische Lieder hat er ins Holländische oder Deutsche übertragen.
Im Chemnitzer Festival steckt viel drin. In der Kulturhauptstadt Europa 2025 bieten alle Mitwirkenden ein gutes Fundament für einen unterhaltsamen Abend. Mit Gerhard Gundermann (1955 – 1998), dem viel zu früh verstorbenen Liedermacher und Baggerfahrer aus der Lausitz, gibt es einen weiteren gemeinsamen Nenner: Alle Künstler sind gewissermaßen mit ihm verdrahtet, indem dessen Musik zum Programm aller Darbietungen gehört.
Informationen zum "Lied-Festival Poesie Europas 2026" am 20. September im Chemnitzer Straßenbahnmuseum gibt es im Internet unter www.quijote.de. Soviel sei schon einmal angemerkt: Beginn in der Zwickauer Straße 164 ist um 17.00 Uhr.



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