Es war ein geradezu denkwürdiger Konzertabend, den die Besucher am 22. September 2026 im Hellraiser in Leipzig erlebten. Ein musikalischer Streifzug mit internationaler Besetzung, der keine Wünsche offen ließ, obwohl sich den Fans zu Beginn ein paar wenige Fragen stellten. Zunächst mutete es ungewöhnlich an, dass das Konzert im kleinen Saal stattfinden sollte, hatte sich doch die international angesagte tunesisch-französische Progressive-Metal-Band Myrath angesagt. Sie kamen mit der Empfehlung ihres aktuellen Albums Wilderness Of Mirrors.
Beim Blick auf den Bühnenhintergrund stimmte die Kulisse eingangs schon auf den Hauptact ein, wäre da nicht ein zweites Schlagzeug zu sehen gewesen. Doch alle Zweifel waren wie weggefegt, als die Musiker der ungarischen Band Roses Of Thieves die Bühne im wahrsten Sinne des Wortes enterten. Die Location des Tages hatte sich inzwischen gut mit Fans gefüllt.
In der Besetzung Gitarre, Akkordeon, Violine und Schlagzeug, dazu mit einer Sängerin, legten die Ungarn wie die Feuerwehr los. Roses Of Thieves waren einerseits Kontrast zum Hauptprogramm, sie passten aber musikalisch sehr gut zu Myrath. Ihre Lieder zum Mitsingen und Mitklatschen waren für diesen Abend wie geschaffen.
Die Folk-Punk-Band mit Sängerin Ivett Dudás (33) war eine erstklassige Wahl als Support. Das Quintett peppte seine Lieder zusätzlich mit orientalischen Klängen und Polka auf.
Es ergab sich ein reizvoller Stilmix, wobei die Sängerin, die ihr Amt in der 2023 in Budapest gegründeten Band erst 2025 antrat, gut und gern an eine erfahrene Protagonisten aus dem Symphonic Metal erinnerte. Ivett Dudás ist gebürtige Ungarin, in akzentfreiem Deutsch führte sie durch das Programm. Naturgemäß lenkte die agile Frontfrau die Blicke auf sich, doch die ebenso munteren und spielfreudigen Musiker setzen sich gleichfalls derart in Szene, dass man auch ihnen gern zusah.
Wieder einmal fiel erfrischend auf, dass die vermeintliche Vorband von den Zuhörern von der ersten bis zur letzten Minute gefeiert wurde.
Spielfreude pur war angesagt. Offenbar konnten es die Musiker gar nicht fassen, wie eng im Hellraiser der Kontakt zum mitgehenden Publikum war. Die Freude darüber lag eindeutig auf beiden Seiten und die Club-Atmosphäre, die sich schnell ausbreitete, hatte schon etwas von Old School. Wann sonst kommt man so nah während eines Konzertes an seine Lieblinge heran? Es machte sich ein Glücksgefühl breit, das auf beiden Seiten bestand. Dabei stand der offizielle Höhepunkt des Abends noch aus. Roses Of Thieves lieferten einfach nur einen unbekümmerten, soliden Job ab. Spontan wie auch überraschend, mit großer Begeisterungsfähigkeit. Die Besucher waren schnell auf Betriebstemperatur.
- Ivett Dudás, Sängerin bei Roses Of Thieves
- Ivett Dudás, Sängerin bei Roses Of Thieves
- Ein Paukenschlag im Vorprogramm von Myrath: Vorband Roses Of Thieves aus Ungarn
Im Gegensatz zum Support wirkten die Musiker von Myrath fast schon ein wenig unterkühlt. Das ist keineswegs negativ zu verstehen! Im Gegenteil: Es lag einzig und allein darin begründet, dass sie mit all ihrer Routine in dem engen Raum agierten. Nach und nach machte sich auch bei Sänger Zaher Zorgati das Gefühl breit, dass die Myrath-Musiker besonders nah mit ihrem Publikum kommunizierten konnten und dies auch praktizierten. Der Fokus galt jedoch ihren Instrumenten. Meisterhaft demonstrierten sie dies anhaltend über 90 Minuten.
Gitarrist Malek Ben Arbia und Bassist Anis Jouini auf dessen Fünfsaiter ließen im Zusammenspiel wiederholt Erinnerungen an Dream Theater aufleben, indem sie in ihren Interpretationen Parallellen an das US-amerikanische Flaggschiff des Progressive Metal auf den Plan riefen. Überzeugend gut war die Vorstellung von Sänger Zaher Zorgati. Mit wandelbarer Stimme brachte er Lieder mehrerer Alben zu Gehör und führte in einer Art 'Best of'-Programm sichtbar gut gelaunt durch den Abend. Es war ein ganzheitliches Erlebnis. Myrath waren grenzenlos gut aufgelegt und in einem hohen Maße professionell. Das Publikum wusste dies zu schätzen.
Ein Höhepunkt des Konzertes war zweifelsfrei das Stück "Until The End" aus dem im Früjahr 2026 veröffentlichten Album "Wilderness Of Mirrors". Myraths Frontmann Zaher Zorgati sang das emotionale und epische Duett, das als Vorabsingle für das aktuelle Album erschienen war, gemeinsam mit Ivett Dudás, die damit noch einmal zu hören und zu sehen war. Sie war dabei keineswegs nur Ersatz, da die bekannteste Duettpartnerin der tunesisch-französischen Progressive-Metal-Band Elize Ryd ist. Sie gehört mit ihrer kraftvollen Stimme der schwedischen Modern-Metal-Band Amaranthe an. Trotz dieser außergewöhnlichen Einlage blieb das hohe Niveau des Konzertes bis zum letzten Akkord erhalten. Myrath kamen, sangen, spielten und begeisterten das Publikum restlos. Ein großer Dank an die Band für einen solch gelungenen emotionalen Abend. Es bedarf keiner weiteren Worte. Im Gleichklang lieferten beide Bands eine souveräne Leistung ab.
- Frontmann Zaher Zorgati
- Bassist Anis Jouini
- Zaher Zorgati
- Anis Jouini spielt den Fünfsaiter-Bass bei Myrath
- Myrath stellten live ihr Album "Wilderness Of Mirrors" vor.
- Myrath-Bassist Anis Jouini
- Emotionale Ansprache: Zaher Zorgati
Ein Dankeschön sagt RockTimes Kai Manke für den Platz auf der Gästeliste und die Fotoakkreditierung. Ein Dankeschön geht ferner an den Veranstalter Hellraiser aus Leipzig als Gastgeber für den freundlichen Support vor Ort.
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes
Line-up Myrath:
Zaher Zorgati (vocals)
Malek Ben Arbia (guitars)
Anis Jouini (bass)
Kevin Codfert (keyboards, piano, backing vocals)
Morgan Berthet (drums)




















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