Lautstärke wird in Dezibel (dB) gemessen. Für den subjektiven Lautstärkepegel gibt es die Maßeinheit Phon. Doch wie lässt sich die Energieleistung von Musik messen? Eine Antwort darauf gibt es zwar nicht, doch spätestens bei einem Konzerterlebnis mit den Hollywood Vampires wird dem Hörer klar, wie sich Musik auf Mark und Knochen legen kann. Es gibt wohl keinen Konzertbesucher, der dies nicht mit einem eindeutigen 'Ja' bestätigen kann. Es scheint tatsächlich so, als hätte sich das Quartett mit Alice Cooper, Johnny Depp, Joe Perry und Tommy Henriksen auf den Weg gemacht, die Grenzen von Musik in aller Emotionalität auszuloten.
Ursprünglich 2012 von Alice Cooper, Johnny Depp und Joe Perry gegründet, ist aus dieser Besetzung 2022 erweitert um Tommy Henriksen ein Quartett geworden. Es ist wohl kein Zufall, dass dem aktuellen Live-Mitschnitt "At Montreux Jazz Festival" 2023 ein weiteres Live-Album (Live In Rio) vorausgegangen war. Die Energieleistung, die den Hollywood Vampires sprichwörtlich vorauseilt, widerspiegelt sich aber auch in der Studioarbeit und lässt Hollywood-Vampires-Originale wie "Raise The Dead", "I Want My Now" und "As Bad As I Am" entstehen, die auf dem Live-Mitschnitt aus dem Jahr 2018 in Montreux enthalten sind. Bezeichnenderweise fand der Auftritt auf dem legendären Jazz-Festival statt. Nicht nur dort sprengen inzwischen viele Jazz-Festivals Genregrenzen.
Schließlich lässt sich eine Verbindung zwischen der Neuerscheinung und der 2026er Europa-Tour mit drei gefeierten Konzerten in Deutschland herstellen. Alle Fakten sprechen für die 'Vampire' und deren Popularität. Da ist nichts künstlich aufgebauscht. Die Energie und die Faszination ihrer Arbeit entnehmen sie ihrer Musik und der Leidenschaft dafür. Live zünden die 'Vampire' ein kräftiges Feuerwerk. Während die Audio-Produktion digital, als 2-fach CD und 3-fach LP erhältlich ist, zeigen Videos im Netz, mit welcher Begeisterung die Musiker dabei sind. Es soll hier ausdrücklich nicht darum gehen, die schauspielerische Leistung oder das Privatleben eines Johnny Depp zu beleuchten. Weit gefehlt: Es geht bei RockTimes ausschließlich um die musikalische Darbietung einer All-Star-Band, die auf der Bühne um einige Gastmusiker erweitert wurde und die im Kern natürlich ein Projekt von Alice Cooper ist.
Einerseits ist er der Namensgeber der Band. Nach ihm und den damaligen "Hollywood Vampires" mit ein paar trinkfreudigen Musikerkollegen aus den 1970er Jahren wurde die aktuelle Formation benannt. Anderseits läuft der heute 78-jährige Alice Cooper noch immer zu Hochform auf, wenn er gestandene Musiker um sich versammeln kann. Der eindeutige Beweis ist seine eigene Band. Bei Liveerlebnissen führt an dieser Erkenntnis kein Weg vorbei.
"At Montreux Jazz Festival" startet mit zwei eigenen Stücken, die allein schon Ohrwürmer sind ("I Want My Now" und der Hammer "Raise The Dead"). Dem schließt sich als erste Coverversion "I Got A Line On You" an. Das Lied von Spirit aus dem Jahr 1968 erinnert wie viele eigene Stücke der Hollywood Vampires sehr an die Musik der Stones. Dadurch sind die Kompositionen zeitlos und einfach erfrischend modern. Coverversionen werden nicht 1:1 abgegriffen, sondern erhalten einen individuellen Anstrich. So auch bei "7 and 7 Is", einem Lied der Band Love, das aus der Feder von Arthur Lee stammt und einfach nur Spaß bereitet. Es ist nur 1:50 Minuten lang, während die meisten Tracks zwischen drei und vier Minuten lang sind. Es gibt aber auch einige längere Stücke, darunter das finale "School’s Out – Another Brick In The Wall", in jeder Hinsicht ein Erlebnis.
Für einen kurzen Ruhepol auf dem Album sorgen die Anfangsakkorde bei "Baba O’Riley". Das Lied veröffentlichten Pete Townshend und The Who 1971. "Baba O’Riley" nimmt im weiteren Verlauf Fahrt auf. Mit einer stattlichen Spiellänge von 6:49 Minuten ist das Stück mit Synthesizerspur sogar länger als das Original (4:58 Minuten). Mit dem nachfolgenden "The Boogieman Surprise" zeigen die Akteure, dass sie auch den Blues beherrschen. Das kraftvolle Lied stammt aus dem Album "Rise" (2019). "I’m Eighteen" (1970) erinnert an die Anfänge der Band mit Namen Alice Cooper. Stolze 56 Jahre hat diese einstige Singleauskopplung inzwischen auf dem Buckel.
Während die Hollywood Vampires auf dem Album mit dem blueslastigen "The Jack" überraschen, folgt der gleichnamigen AC/DC-Nummer mit "Ace Of Spades" der wohl ungekrönte Höhepunkt des Albums, gesungen von Chris Wyse (Bass). Die Verbeugung vor dem Trio um Lemmy Kilmister spannt den Bogen zwangsläufig zu "Heroes".
Sowohl Motörhead als auch aktuell die Hollywood Vampire wissen David Bowies Kultsong bestens in Szene zu setzen, im letzteren Fall mit bemerkenswerter Emotionalität von Johnny Depp vorgetragen. Ohnehin scheint es, als hätte die All-Star-Band ein besonders enges Verhältnis zur Metal-Legende Motörhead. Im Februar 2016 spielten sie bei den Grammy Awards ein Tribute für Lemmy, der am 28. Dezember 2015 gestorben war. Am 24. Mai 2016 starteten sie unter anderem unter diesem Eindruck ihre erste Tournee.
Abschließend ein kurzer Auszug aus der Presseankündigung zum vorliegenden Album: »Die Aufnahme ist eine donnernde Feier der Rockgeschichte, getragen von roher Energie, Attitüde und unvergleichlicher Chemie. Eine Nacht, in der Legenden andere Legenden ehrten.«——————————————————————————————————————————————————————————————–
Line-up Hollywood Vampires:
Alice Cooper (vocals)
Joe Perry (guitar)
Johnny Depp (guitar, vocals)
Tommy Henriksen (guitar)
Chris Wyse (bass, vocals)
Buck Johnson (keys)
Glen Sobel(drums)
Tracklist "At Montreux Jazz Festival":
CD 1:
- I Want My Now
- Raise The Dead
- I Got A Line On You
- 7 and 7 Is
- My Dead Drunk Friends
- Five To One / Break On Through
- The Jack
- Ace Of Spades
- Baba O’Riley
- As Bad As I Am
- The Boogieman Surprise
CD 2:
- I’m Eighteen
- Combination
- People Who Died
- Sweet Emotion
- Welcome To Bushwackers
- Heroes
- Train Kept A-Rollin'
- School’s out / Another Brick In The Wall
Gesamtspielzeit: 44:28 (CD 1), 44:52 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026


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