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Sublunar / A Welcome Memory Loss – CD-Review

Sublunar / A Welcome Memory Loss

"Ein willkommener Gedächtnisverlust", so der Titel der aktuellen Platte der im Jahre 2016 gegründeten polnischen Band Sublunar. Ja, manchmal kommt einem so etwas wirklich gelegen, oder? Mit "A Welcome Memory Loss" liegt das Debüt-Album der fünf Musiker vor.

Und sie bieten damit eine interessante Palette von Ausgestaltungen des Genres Prog Rock, mit durchdachten Kompositionen, ausgetüftelten Arrangements und guter musikalischer Umsetzung der Ideen. So kann der überwiegend gitarrenbetonte Sound auch schon mal härter in Richtung Metal ausschlagen, andererseits beinhaltet so manch' ein Song auch viele ruhige und bisweilen melancholisch anmutende Passagen. "Debris" steht als gutes Beispiel für den harten Sound mit an Metalbands anklingendem abgehacktem Gitarrensound, nun, schließlich toben sich auch zwei Gitarristen aus.

"Grains Of Sand" hingegen weist eher die lyrische Seite der Musik aus, schwebende Gitarren mit einem elastischen Sound, diese Art erinnert mich ein wenig an Big Country, bestimmen das Bild. Dabei strahlt der Song mit seiner Vielfältigkeit im Arrangement, man bringt ständig neue Aspekte ein, entweder durch den Wechsel des Gitarrenspiels oder durch die Rhythmik, wobei ich feststelle, dass der Schlagzeuger ein wirklich guter und flexibler ist.

"Square One" ist für mich einer der wohl für Prog Rock typischen Songs, riffbetont und durch Tempowechsel bestimmt, ein grummelnder prägnanter Bass und dezent verspielt im Aufbau. Dazu versteht es der mit überzeugendem Ausdruck ausgestattete Sänger diese Spannung mit aufzubauen und zu halten. Denn ein guter Spannungsaufbau durchzieht die fast sieben Minuten der Spielzeit, und dann wird man, weil man irgendwie auch darauf wartet, durch ein zwar kurzes, aber ungewöhnlich interpretiertes Gitarrensolo verwöhnt. Hiermit könnte der Mann sich gern in das Lager Rock Jazz wagen, jedenfalls weist er wesentlich mehr Individualität auf als so mancher bekannte Kollege (allerdings ist mir nicht bekannt, wer der beiden Gitarristen hier soliert).

Ach ja, "Suspension Of Disbelief", ich lese die Spielzeit von 13:30 und bin gespannt, welche Überraschungen Sublunar in dieses lange Stück stecken werden, um es zufriedenstellend zu füllen. Satte Riffs, wiederum der schnarrende Bass, aktives Schlagzeug, so startet es, bis der Titel dann bald in einen schleppenden Rhythmus übergeht. Beide Gitarristen feuern aus allen Rohren und der nächste Wechsel steht bereits bei 1:30 vor der Tür. Die Atmosphäre setzt sich mit federndem Rhythmus fort, und ich bemerke die Qualität der Band hier ganz besonders, kann sich doch jeder Musiker herausstellen und Ideen einbringen. Denn die Freiräume, die eine solche Spielzeit anbietet, werden brillant genutzt und besitzen einen sehr hohen Unterhaltungswert, allein durch die dargebotene Vielseitigkeit im Ausdruck. Eigentlich sollte dieses Stück schon allein eine Freude für alle Prog Rock-Freunde sein.

Und – bei dieser Platte ist mir ein Gedächtnisverlust sicher nicht willkommen, man sollte sich gern noch lange daran erinnern an diese individuelle moderne Spielweise im großen Tummelbecken des Prog Rocks.


Line-up Sublunar:

Łukasz Dumara (vocals)
Michał Jabłoński (guitars)
Marcin Pęczkowski (guitars)
Jacek Książek (bass)
Łukasz Wszołek (drums)

Tracklist "A Welcome Memory Loss":

  1. Debris (6:26)
  2. Invisible (5:57)
  3. The Longest Minute (1:09)
  4. Square One (6:58)
  5. Grains Of Sand (6:04)
  6. Paperstrips (6:11)
  7. 43% (6:38)
  8. A Welcome Memory Loss (4:39)
  9. Suspension Of Disbelief (13:30)

Gesamtspielzeit: 57:35, Erscheinungsjahr: 2020 (2019)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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