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Amanda Rheaume / The Skin I’m In – CD-Review

Amanda Rheaume - "The Skin I'm In" - CD-Review

Die aus dem kanadischen Ottawa stammende Amanda Rheaume hatte es nach eigener Aussage nicht unbedingt leicht, zu sich selbst zu finden. Indianischer Abstammung wuchs sie in einer 'weißen' Gegend auf und rang mit ihren eigenen Zugehörigkeitsgefühlen. Im Jahr 2003 outete sie sich als homosexuell und hatte danach mit heftigem Gegenwind zu kämpfen. 2007 erschienen ihre ersten EPs und in den Folgejahren konnte sie vor allem mit den Alben "Light Of Another Day" (2011), "Keep A Fire" (2013) sowie "Holding Patterns" (2016) große Erfolge feiern. Nun liegt das neue Studioalbum "The Skin I’m In" vor, auf dem sie sich (vor allem im Titelsong) mit den oben genannten Problemen der Selbstfindung bzw. dem Lernprozess sich selbst zu akzeptieren und zu lieben, noch einmal auseinander setzt.

Musikalisch werden diese Tracks mit poppigem Country bzw. poppigem Americana umgesetzt, die allerdings qualitativ sehr hochwertig gebracht werden. Bereits "Picture Of You" ist durch seine klasse Gesangsmelodie ein echter Hinhörer, ebenso wie die sich durch die gesamte Platte ziehende bärenstarke Slide-Arbeit von (vermutlich) Mike Tuyp. Dass diese Stücke über eine nicht zu verkennende Prise Pop verfügen, die natürlich immer eine gewisse 'Leichtigkeit' vermittelt, hält die gute Amanda allerdings nie davon ab, auf eine gesunde Dosis 'Tiefe' zu achten. Und die ist nicht nur in den Lyrics auszumachen, sondern auch der gesanglichen Leistung zuzuschreiben. Dazu verfügt Miss Rheaume über eine klasse Stimme, die sowohl samtweich, als auch mal wütend agieren kann. Die Protagonistin war an allen Tracks kompositorisch beteiligt, wenn auch immer im Verbund mit wechselnden Partnern.

So wie bei "This One’s For You" gibt es hin und wieder auch mal härtere Gitarren-Riffs auf die Ohren, was nicht nur der Abwechslung gut tut, sondern den positiven Gesamteindruck ganz wunderbar abrundet. Weitere Einflüsse sind Folk und Roots, die mit den bereits genannten Stilen hervorragend 'verheiratet' wurden. Im abschließenden "Companion" beschäftigt sich Amanda Rheaume mit Depressionen, während das Stück bzw. ihr Gesang lediglich mit einer sehr 'verhallten' Elektrischen begleitet wird. Tolles Stück, tiefe Gefühle, wunderschöne Melodien. Und wenn wir schon bei den balladesken Momenten sind: "Tell Me Anything" beginnt mit einem feinen Piano, bevor sich die Nummer bezüglich des Tempos dann doch leicht steigert. "Firefly" wäre neben "Picture Of You" meine Wahl für eine Single-Auskopplung, da hier schlicht alle Ingredienzien für einen Hit vorhanden sind.

Das beste Beispiel für die bereits angesprochene Slide-Gitarre ist das Stück "Light Is Gone", bei dem jene bereits von der ersten Sekunde an in den Fokus gerückt wird. Und schließlich sollte auch noch "Friendly Fire" erwähnt werden, eine ebenfalls flottere Reise durch Nashville im Jahr 2018. Genau in dieser Stadt wurde "The Skin I’m In" nämlich aufgenommen. Aber nicht nur Amanda Rheaume, sondern auch dieses Album hat Substanz, Tiefgang und verfügt über insgesamt neun starke Tracks. Wieder einmal zu bemängeln ist die doch verdammt dürftige Gesamtspielzeit von nicht einmal 33 Minuten. Die haben es zwar in sich, aber dennoch bleibt ein etwas sonderbarer Geschmack sowie die Frage zurück, warum es nicht wenigstens zwei oder drei Songs mehr hätten sein können.

Davon abgesehen ist "The Skin I’m In" ein sehr gutes Album geworden, das die Freunde von Americana und New Country anchecken sollten.


Line-up Amanda Rheaume:

Amanda Rheaume (acoustic guitars, lead vocals)
Mike Tuyp (acoustic & electric guitars)
Johnny Spence (keyboards, synthesizer)
Devon Richardson (bass)
Derek Downham (drums & percussion)

With:

Colin Cripps (electric guitar – #1, mando guitar – #2, acoustic guitar – #8)
Burke Carroll (pedal steel & Dobro – #4,7)
Anna Ruddick (bass – #4,7)
Jadea Kelly (background vocals – #2,5)
Anders Drerup (background vocals – #8)

Tracklist "The Skin I’m In":

  1. Picture Of You
  2. Light Is Gone
  3. This One’s For You
  4. The Skin I’m In
  5. Friendly Fire
  6. Tell Me Anything
  7. Firefly
  8. Return To The Water
  9. Companion

Gesamtspielzeit: 32:52, Erscheinungsjahr: 2019

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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