Viele werden sicher noch die deutsche Band Nine Days Wonder um die Musiker Walter Seyffer und Bernd Unger kennen. Man glaubt es kaum, denn bereits 1966 wurde die Band gegründet, mit einer Neuorientierung im Jahre 1970. Davon gibt es hier auch was zu lesen..
Im vorliegenden Fall geht es um die Nachfolgeband, nach der Auflösung von Nine Days Wonder, 1978 war es, und die beiden oben genannten Musiker schlossen sich zum Duo namens Wintergarden zusammen. Mit Krautrock hatte es musikalisch gar nichts mehr zu tun. Rasch bemerkt man, dass hier offensichtlich US-amerikanische Vorbilder herangezogen wurden.
Bereits mit dem Auftaktsong der ersten CD wird das deutlich, genannt werden in der der Presse-Info Assoziationen zu Bands wie Seals & Crofts, The Eagles und Pablo Cruise. Tatsächlich schwebt dieser typische US-amerikanische Sound der Westcoast durch den Raum, besonders auch durch die sehr geschickt eingesetzten Gesangsharmonien, die auf dem Debüt noch von Ian Cussick unterstützt wurden.
Und sehr schön und fast schon romantisch wird es, wenn bei "Up And Down The Road" eine Steel Guitar ertönt. Und hier empfange ich eine persönliche Assoziationen hinsichtlich des musikalischen Ausdrucks, und zwar muss ich ein wenig auch an die ebenfalls deutsche Band Bad News Reunion denken. Und bereits beim dritten Song erweitert sich das Spektrum noch einmal, hier dringt ganz viel harmonischer Pop durch. Ja, mich wundert, warum die Band damals nicht noch mehr Erfolg hatte, denn eigentlich stimmt hier ganz viel! Es gibt sehr gute Kompositionen, in der Regel von Seyffer und Unger, dazu hervorragende Arrangements und eine äußerst harmonisch dargebotene Umsetzung. Sicher mag auch die professionelle Produktion durch Walter Quintus erheblich dazu beigetragen haben! In diesem Zusammenhang muss ich persönlich auf "Khaki Eyes" hinweisen, einer der für mich wohl gelungendsten Songs unter den sieben Tracks, strahlt er doch eine ganz großartige Atmosphäre aus. Schade nur, dass nach sechseinhalb Minuten doch noch ausgeblendet wurde.
Und so kann man nur frohlocken, dass die beiden Alben nun wieder auf CD veröffentlicht werden. Hinzu kommt reichlich Bonusmaterial inklusive Outtakes und Demoversionen. Ein Gast ist zudem an Bord, leider nicht auf der CD-Verpackung aufgeführt, also habe ich ihn jeweils der Presse-Information entnommen, es ist Edo Zanki der auf CD Eins auf den Tracks acht und neun mitwirkt. Wer auf der "Trumpet Version" von "Blame It On These Endless Nights" die Trompete spielt, ist jedoch auch nicht aufgeführt.
"The Land Of Milk And Honey" ist mit anderer Besetzung eingespielt worden und vertieft im Grunde genommen den Ansatz des Debüt-Albums, klingt meines Erachtens jedoch noch einen Tick mehr mit Strukturen von Popmusik ausgerichtet, mit weniger Ecken und Kanten, und etwas glattgebügelter. Höhepunkt ist der über zehn Minuten lange Song "Swan Song", der eine dezent verträumte Stimmung verbreitet, recht emotional dargeboten und mit recht viel Harmonie ausgestattet. Gerade Bernd Unger setzt mit seinem Gitarrenspiel besondere Akzente, hier halten deutlich Elemente von sanftem Prog Rock Einzug in die Musik. Interessant ist es, wie der einzige Fremdtitel, die Lennon / McCartney-Komposition "And Your Bird Can Sing" hier präsentiert wird. Wintergarden packt den Song in ihren eigenen Anzug und integriert ihn in ihr Repertoire.
Wahrscheinlich war es die einsetzende Neue Deutsche Welle, die das weitere Bestehen dieser Formation 'verhinderte'. Auf eigenem Label folgte noch "Wintergarden III", hiervon gibt es als Boni die letzten drei Songs als Demo-Versionen für das Album, das war 1981. So bin ich gespannt, ob man diese Scheibe auch noch wird erwarten können als Wiederveröffentlichung.
Line-up "Wintergarden" (1979):
Walter Seyffer (vocals)
Bernd Unger (guitars)
Rainer Herzog (Hammond, piano, Moog, string arrangement)
"Chuck" Thomas Tscheschner (bass)
Charles Esposito (drums)
Ian Cussick (vocals)
Line-up "The Land Of Milk And Honey"(1980):
Walter Seyffer (vocals)
Bernd Unger (guitars, vocals)
Christian Schimanski (guitars, pedal steel, vocals)
Rainer Herzog (Hammond, piano, Moog)
Wolfgang Biersch (guitars)
Norby Hamm (bass)
Armin Rühl (drums)
Val Hargreaves (drums)
Joshi Danier (bass)
Tracklist "Wintergarden": & "The Land Of Milk And Honey":
- Judy’s Blue Monday Cafe
- Up And Down The Road
- Blame It On These Endless Nights
- The Lady On The One Pound Note
- Josephine
- Khaki Eyes
- The Way We Were
- Panorma City (bonus demo version)
- Mayday (bonus demo version)
- Real Happiness (bonus demo version)
- Blame It On These Endless Nights (bonus demo version)
- Anything Left To Share
- Au Pair Girl
- Gun That Motor Boy
- Swan Song
- The Land Of Milk & Honey
- Sweet Rollin' Train
- Face To Face
- And Your Bird Can Sing
- The Land Of Milk & Honey Part II
- Fear Of Future (bonus)
- Before I Wrote It Down (bonus)
- Long Goodbye (bonus)
Gesamtspielzeit: 55:18 (CD 1), 58:19 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026 (1979, 1980)



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