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Berluc "Ost Rock Kult" – Konzertbericht, 08.08.2026, Seestern-Panoramabühne, Zeulenroda

Berluc "Ost Rock Kult" – Konzertbericht, 08.08.2026, Seestern-Panoramabühne, Zeulenroda

Bei Berluc werden Erinnerungen wachgerufen. Das sind nicht allein die Erinnerungen an die unverwüstlichen Lieder der Band. Für viele Fans steht der Name der 'Küstenrocker' gleichbedeutend für ein Kapitel Lebensgeschichte, das mit der eigenen Jugendzeit und dem Erwachsenwerden verbunden ist. Immer mit im Fokus die "Rocker von der Küste". Schlagzeuger Dietmar Ränker (87), der in Rostock wohnt, hält diesen Begriff weiter hoch, während seine Bandkollegen in Berlin und Halle an der Saale zu Hause sind. Es ist kein Zufall, wenn sich die Fans von einst heute bei Auftritten wieder treffen und für wenigstens 90 Minuten die frühere Zeit lebendig werden lassen. Dabei ist ein Konzert mit Berluc beileibe keine Nostalgieveranstaltung – es geht vielmehr um ein Stück erlebte Rockgeschichte, dessen Verlauf inzwischen wie eine Ewigkeit anmutet.

Schlagzeuger und Bandgründer Dietmar Ränker

Schlagzeuger und Bandgründer Dietmar Ränker

»Eine kurze Pause der Band wendete weder Denken noch die musikalische Windrichtung. Auf dem 'Segel' von Berluc steht nach wie vor Deutschrock«, weiß Schlagzeug- und Ostrock-Legende Dietmar Ränker. Nur eine kurze Zeit, von 1989 bis 1993, waren Berluc von der Bühne verschwunden, um anschließend mit bekannter Stärke neu zu starten. Zu Berluc gehören heute neben Dietmar Ränker Sänger Ronald Pilgrim (seit 1993) Gitarrist Bert Hoffmann (seit 1993), Bassist Uwe Carsten (seit 2012) und Keyboarder Uwe Märzke (seit 1993), dessen Satzgesang allein schon eines der Markenzeichen von Berluc ist.

"Ost Rock Kult" war der Titel eines Konzertprogrammes am 8. August 2026 mit Berluc und der Puhdys Tribute-Band Wilder Frieden auf der Seesternpanoramabühne in Zeulenroda. Der Begriff 'Kult' war an diesem Tag für das Ostrock-Spezial keineswegs übertrieben. Berluc wurden 1974 gegründet. 'Steuermann' Dietmar Ränker hält die Truppe weiter auf Kurs und hat an seiner Seite erfahrene Musiker, die der Band schon lange die Treue halten. Umbesetzungen in frühen Jahren konnten der Formation nichts anhaben, denn die stilistische Ausrichtung ist bis heute unverändert geblieben: Schnörkellosen Deutschrock verbinden die fünf Musiker mit härteren Songs und Rockballaden.

Ronald Pilgrim, Uwe Märzke und Uwe Carsten (von links)

Ronald Pilgrim, Uwe Märzke und Uwe Carsten (von links)

Hits wie "Hallo Erde hier ist Alpha", "No Bomb", "Glaube an dich" und "Die Erde lebt" sorgten einst regelmäßig für vordere Platzierungen in den DDR-Hörer-Charts auf verschiedenen Sendern. Doch in erster Linie sind die 'Rocker von der Küste' bis heute eine Liveband. Das sind sie geblieben und das unterstrichen sie höchst unterhaltsam beim Konzert in Zeulenroda, einem Teil der gemeinsamen Stadt Zeulenroda-Triebes. Von der Örtlichkeit wunderbar am 'Zeulenrodaer Meer' gelegen, wie die Einheimischen ihre Talsperre nennen. Bekannte Musik und ein lauer Sommerabend waren die besten Zutaten für einen unvergesslichen Tagesausklang mit Musik.

Berluc beim Gastspiel in der Seesternpanoramabühne

Berluc beim Gastspiel in der Seesternpanoramabühne

Die Besucher brauchten keine lange Zeit, um den Platz vor der Bühne zu befüllen und textsicher Titel für Titel mitzusingen. Sänger Ronald Pilgrim wusste das zu genießen. Er musste nicht in die Rolle eines Animateurs schlüpfen, sondern durfte einzelne Lieder konkret ankündigen, mal gewünscht oder als Klassiker auf der Setlist vertreten. Einer der erfolgreichsten Hits ist "Hallo Erde, hier ist Alpha". Das Lied ist 1978 beim Label Amiga als Single erschienen. Das markante Intro des Stücks eröffnet den Song mit futuristischen, rockigen Klängen, die das Thema einer Reise in das Universum einleiten. Ja, hier darf man schon einmal schmunzeln, wenn das originale Russische vom Band eingespielt wird, so wie zur Premiere vor sage und schreibe 48 Jahren. Gewidmet ist das Lied Sigmund Jähn. Der DDR-Kosmonaut war als erster Deutscher im All unterwegs. An Bord des sowjetischen Raumschiffs Sojus 31 umkreiste er ab dem 26. August 1978 gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski die Erde. Sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten dauerte die Mission, die in der DDR nach allen Regeln der Kunst politisch ausgeschlachtet wurde. Soweit der Ausflug in die Geschichte.

Berluc besannen sich damals auf den reinen Fakt und stellten anschließend mit ihrem Debütalbum "Reise zu den Sternen" (1979) unter Beweis, dass sie eine Vorliebe für ferne Welten in ihren Texten hatten. Bei diesem Thema blieb es allerdings nicht. Mit "No Bomb" starteten sie 1983 durch und hatten damit großen Erfolg. Der 2021 verstorbene Manfred Kähler, der sich 1988 aus familiären Gründen zurückgezogen hatte und von 1978 bis 1988 die 'Stimme von Berluc" war´, wollte das Lied nicht singen. Diese Rolle übernahm Gitarrist Detlef Brauer,  der dabei eine gute Figur abgab. Es ist eines der Lieder, das natürlich bei keinem Berluc-Konzert fehlen darf. Ohne Fehl und Tadel versahen Berluc ihren Auftritt in Zeulenroda und aufgrund der erwähnten Titel blieb die Aufmerksamkeit des Publikums bei dem kurzweiligen Konzert bis zum letzten Akkord erhalten.

Apropos Aufmerksamkeit: Weil sich das Gerücht hartnäckig hielt, nach 22 Uhr könne man kein Konzert mehr mit der vollen Aufmerksamkeit spielen, hatten sich Berluc und die Puhdys-Tribute-Band Wilder Frieden kurzerhand darauf verständigt, ihre Rollen zu tauschen. Berluc spielten zuerst, danach die vier Musiker von Wilder Frieden. Wie sich herausstellen sollte, erlebten die Besucher damit eine klassische 'Win-Win-Situation". Waren die Zuschauer jetzt so richtig auf Betriebstemperatur, so boten die Musiker aus Sachsen einen zweistündigen Reigen mit allen Klassikern der 2016 aufgelösten Band. Unbekümmert spielten Wilder Frieden ihren Part. Nach Herzenslust spielten sie die bekannten Lieder der Puhdys und dass kein Anderer die Reibeisenstimme von Ex-Frontmann Dieter Birr kopieren kann, war an diesem Abend allen klar. Die vier Musiker auf der Bühne hatten auf alle Fälle Spaß dabei und ernteten verdient viel Applaus. Die klassischen Stücke kamen zum Schluss, sozusagen als Höhepunkt eines denkwürdigen Konzertabends. Darunter waren "Wenn ein Mensch lebt", "Alt wie ein Baum", "Geh zu ihr" und "Rockerrente". "Lolita" und "Das Buch", beide aus der Zeit Mitte der 1980er Jahre, beendeten um Mitternacht das Set. Mit Bravour verkauften sich Wilder Frieden und empfahlen sich so für weitere Auftritte – ganz im Sinne von "Ost Rock Kult". Die Akteure von Wilder Frieden und Berluc hatten dieses Motto an diesem Abend gelebt. Die Besucher nahmen diese Einladung dankend an.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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