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Festivalnachlese 34. Oettersdorfer Open Air – 10.07. bis 12.07.2026, Oettersdorf

Oettersdorf wird 2026 zum 34. Mal zu einer Hochburg für Livemusikfans

Die Hamburg Blues Band hat den Fokus schon auf ihre neue Tour gerichtet, die nach den vorläufigen Angaben am 15. August 2026 in Waffenrod beim Woodstock Forever beginnt und im Januar 2027 mit dem Gastspiel am 31. Januar in Habach im Village vorübergehend zu Ende geht. Obligatorisch ist inzwischen das Gastspiel im Wotufa-Saal in Neustadt an der Orla, das für den 9. Januar 2027 im Kalender steht. Aufmerksame Leser von RockTimes wissen längst, dass die Tour fortlaufend mehrere Male im Jahr verlängert wird.

Nur wenige Kilometer entfernt von Neustadt liegt Oettersdorf, unmittelbar vor den Toren der Kreisstadt Schleiz und direkt an der Bundesautobahn A 9 gelegen. Hier ist Dirk Pasold seit 34 Jahren Mitveranstalter des Open Airs, das unter Regie des Rockclubs Oettersdorf immer am zweiten Wochenende im Juli stattfindet. Er führt hier gemeinsam mit Ehefrau Tina federführend Regie, doch ohne Helfer geht es nicht. Wenn ein Verein als Ausrichter tätig ist, dann wird allen klar, dass es ohne ehrenamtlichen Einsatz nicht läuft. Das wissen die vielen Stammbesucher zu schätzen, doch äußerlich betrachtet ist die Veranstaltung im Saale-Orla-Kreis natürlich ein professionelles Unterfangen, das viele feste Konstanten zu bieten hat.

Musikfans folgen der ländliche Idylle nach Oettersdorf

Musikfans folgen der ländliche Idylle nach Oettersdorf

Allen voran ist es die Musik, die eine Reihe 'Wiederholungstäter' erkennen lässt, die zu einem Großteil schon in Neustadt spielten – und umgekehrt. Im dortigen Saal ist Dirk Pasold seit 1996 Pächter. Tradition trifft auf Tradition. In Oettersdorf sind es nur ein paar Jährchen mehr. Für viele Menschen ist der Veranstalter aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes und seiner ruhigen Art fast wie eine Institution. Bestes Beispiel: Gibt es eine Gastveranstaltung auf dem Gelände in externer Regie, dann sind er und seine Frau Tina dennoch 24 Stunden am Tag tätig. Das würdigen die auswärtigen Musikliebhaber, finden die Gäste doch ein gutes, familiäres Umfeld vor, das in dieser Form das Festival im nahen Oettersdorf auszeichnet. Nur das Ehepaar allein kann die Frage beantworten, ob Musiker, die schon ein oder mehrere Male in Oettersdorf und Neustadt gespielt haben, auf dem Saal oder auf dem nahen Festivalgelände ihre Premiere feierten. Das aber ist maximal ein Fall für die Statistiker. Die Herzlichkeit, mit der die Veranstalter und ihre Helfer die Bands empfangen und sich dabei um viele Dinge kümmern, ist beispielhaft und sorgt für das enge Vertrauensverhältnis zwischen den Gastgebern und den Akteuren auf der Bühne.

Blues wie aus dem Lehrbuch: Zenit Blues Band

Blues wie aus dem Lehrbuch: Zenit Blues Band

Das trifft auf die bereits eingangs erwähnte Hamburg Blues Band zu, die im Stile einer Allstar-Band mit Kopf und Gründer Gert Lange praktisch schon zum Inventar in Thüringen gehört – das an beiden Standorten: In Oettersdorf wie in Neustadt. Galt deren Auftritt am Samstag als einer der Höhepunkte, so war die erneute Anwesenheit von Ton Steine Scherben am gleichen Tag mit Mitgliedern der Originalbesetzung ein Spektakel mit einer Portion Nostalgie. Einen solch emotionalen Auftritt gab es am Freitag zur Eröffnung mit der Zenit Blues Band. Hier waren es vor allem zwei Ausnahmemusiker, die in den zwei Blöcken dem Geschehen den Stempel aufdrückten: Sänger und Gitarrist Big Joe Stolle und Pianist Alexander Blume, vielen bekannt aus seiner Zusammenarbeit mit Stefan Diestelmann.

Blues-Legende Big Joe Stolle (Zenit)

Blues-Legende Big Joe Stolle (Zenit)

Zu hören war Blues wie aus dem Lehrbuch, in englischer und in deutscher Sprache, fast ausschließlich waren es eigene Kompositionen. Die fünf Musiker auf der Bühne im Zelt brachten das Lebensgefühl des Blues in bester Weise zu Gehör und vor der Bühne konnte man sehen, welches Gemeinschaftsgefühl von dieser Musik ausgeht – zugleich eines der prägenden Merkmale des Festivals.

Oettersdorf erzählt Geschichten über Musiker, aber genauso kommen die Besucher miteinander ins Gespräch. Machen wir uns nichts vor: Wenn das Festival auf stattliche 34 Jahre blicken kann, dann gibt es nicht wenige Gäste, die in genau dieser Zeit mitgewachsen sind. Während Zenit das erste Set spielte, bereiteten sich die Akteure von Pothead auf der großen Bühne auf ihren Auftritt vor. Was anschließend aus den Boxen drang, war für einen Neuling ohne Pothead-Erfahrung Musik mit Überraschungseffekt.

Pothead-Sänger Bradley Kok

Pothead-Sänger Bradley Kok

Ohne stilistische Barrieren entwickelte das Trio einen enormen Druck, spielte und spielte eine abwechslungsreichen Mix aus Rock, Stoner Rock und Hard Rock. Ihre Musik ist nur schwer zu beschreiben. Doch wurde schnell deutlich, warum diese Formation eine solch treue Fangemeinde hat. Sänger und Gitarrist Bradley Kok sowie Bassist und Sänger Jeffery Moore sind Brüder und stammen ursprünglich aus Seattle. Mit ihrer 1991 in den Vereinigten Staaten gegründeten Formation heuerten sie später in Berlin an und sind hier seitdem zu Hause.

Ein Auftritt für die Galerie: Pothead

Ein Auftritt für die Galerie: Pothead

Das Trio spielt fast ausschließlich in Deutschland, oft wiederholt an angestammten Plätzen, obwohl die Band gut und gern internationales Format abruft. Es ist in der Tat so: Wer sie einmal live gesehen hat, will nicht wieder loslassen. Ebenfalls am Freitag zu erleben war die Rolling Stones-Tributeband Starfucker mit Sänger Mike Kilian. Auch sie standen schon in Neustadt und Oettersdorf auf der Bühne. Starfucker überzeugen durch ihre eigenständigen Interpretationen der Stones-Klassiker. Sie beschränken sich nicht aufs bloße Covern. Sie beendeten am ersten Festivaltag den Reigen auf der großen Bühne – passend übrigens zum Anlass des Tages, erschien doch just am 10. Juli 2026 mit "Foreign Tongues" das neue Album der Stones.

Zufälle und Überraschungen – in Oettersdorf gibt es mehr davon. Dazu zählte der Auftritt von Thomas 'Monster' Schoppe. Zu erleben war er in der Region zuletzt am 21. März 2026 anlässlich der Abschiedstour der Kult-Band Renft. Souverän meisterte Thomas Schoppe heuer das Gastspiel als Sänger bei Condor aus Radebeul. Gut gefüllt war auch diesmal der Zeltplatz, wobei inzwischen Caravan-Fahrzeuge das Bild bestimmen. Die farbenprächtige Galerie mit den sinnvollen Sprüchen an den Bauzäunen scheint ebenfalls Jahr für Jahr Zuwachs bekommen zu haben, sodass kein Zaunsfeld mehr verwaist steht. Es lohnt sich immer wieder, diese Kunstwerke zu betrachten.
Klar ist schon heute: Das 35. Oettersdorfer Open Air darf man sich für den 9. bis 11. Juli 2027 im Kalender vormerken. Nach mehreren Freitagserlebnissen steht RockTimes für ein Wochenende mit drei Tagen in den Startlöchern. Auch hier gilt: Termin vormerken und unbeirrt darauf hinfiebern!
Ein Dankeschön geht an Dirk Pasold mit Tina für den Platz auf der Gästeliste.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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