Mit der Frage 'Konzertbericht ja oder nein?' wollte ich mich im Vorfeld der exklusiven Deutschland-Show von Iron Maiden am 2. Juni 2026 in Hannover gar nicht erst beschäftigen, weil die Messen in puncto Akkreditierung ohnehin gelesen schienen und ich auf Berichte ohne Foto lieber verzichte. Doch der positive Beigeschmack nach den Reaktionen aus Frankfurt und Hannover – dazu später – und eine intensive mentale Verarbeitung des Erlebten einige Tage nach dem Event hatten bei mir irgendwie den Schalter umgelegt.
Zu Beginn steht naturgemäß immer die Frage: Was will man über ein Iron Maiden-Konzert noch Neues schreiben? Genau an dieser Stelle sind mir die Zeilen unseres Kollegen Jens eingefallen. Im Jahresrückblick 2025 hat sich der Maiden-Fan dazu bekannt, keine weitere Show seiner Lieblingsband mehr zu besuchen. Das will ich um Gottes Willen nicht kommentieren, doch für mich stellt sich diese Frage nicht, während ich mich manchmal damit beschäftige, warum man sich bei jeder Tour wieder neu unters Party-Volk mischt. Doch letztlich finde ich darauf gute Antworten und Maiden bleibt für immer ein großes Stück meines Lebens.
Thema Akkreditierungen: 1998 in Hannover und 2003 in Leipzig hatte ich die Gelegenheit, meine Lieblinge zu fotografieren. Seitdem greife ich bewusst auf Eintrittskarten zurück. Weil es beim Tourneeveranstalter Wizard in Frankfurt stets den gleichen Hinweis auf die mangelnden Kapazitäten für Medienvertreter hagelte, unternahm ich auf dessen Homepage praktisch in letzter Minute den vagen Versuch, mich online zu akkreditieren. Prompt kam die Antwort, dass für mich Hannover Concerts der richtige Ansprechpartner sei. Von dort erhielt ich jedoch die korrekte Antwort, dass mein Antrag zu spät eingegangen sei. Gut, mit den Bescheiden hatte ich nicht gerechnet. Enttäuschung folglich Fehlanzeige. Das hat einerseits den Grund, dass ich schon im Vorfeld mit dem Kapitel abgeschlossen hatte und dass ich mich im Wissen um meine im Oktober 2025 erworbene Eintrittskarte auf den puren Genuss des Konzertes ohne Druck und mitgeführtes (Fotografen-)Gepäck freuen durfte. Ich möchte mich in dieser Frage einfach keinem Stress mehr aussetzen. In 35 Jahren als Konzertfotograf gab es wiederholt Absagen, aber dafür reichlich Grund zur Freude. Zu keiner Zeit machte sich in Hannover die Frage breit, ich würde ein im Juli 2025 bereits in Stuttgart erlebtes Konzert in Wiederholung sehen. Es war höchstens eine Art Zugabe, aber was bedeutet schon der Begriff Zugabe bei einer Maiden-Schow? Am Ende kann man das Stadion-Konzert in Hannover mit keiner anderen Veranstaltung vergleichen! Die Show im Juni 2026 war anders, im Rückblick war sie für mich emotionaler und noch besser.
Mit der Vorband Megadeth hatten Iron Maiden eine aus meiner Sicht sehr gute Wahl getroffen. Megadeth waren immer eine feste Größe in der Szene, dennoch hatte ich sie noch nie live gesehen. Der Auftritt des Quartetts aus den USA war überzeugend, deshalb war es schon etwas seltsam, als Megadeth bereits nach 45 Minuten ohne Zugabe die Segel streichen mussten, wohl gemerkt nach Plan. Einen solchen Abgang hatten sie nach meiner Einschätzung nicht verdient. Aber es war wie es war. Das mussten die ausgewiesenen Fans mit Megadeth-T-Shirts ebenfalls so zur Kenntnis nehmen. Die US-amerikanische Metalband um ihren Sänger und Gitarristen Dave Mustaine war an diesem Abend mit Thrash Metal für das Kontrastprogramm zuständig. Diesen Part meisterten sie gewohnt souverän.

Kurzer, wenn auch überzeugender Auftritt als Vorband: Megadeth mit Sänger und Gitarrist Dave Mustaine
Ein Maiden-Konzert kann schließlich auch zu einer Art Kampf gegen die Naturgewalten ausarten. In Stuttgart goss es wie aus Kübeln, allerdings war der Regen rechtzeitig vor dem Konzert verschwunden. Wie würde das Rennen wohl in Hannover ausgehen? Im Netz erkundigte ich mich am Nachmittag nach dem Regen-Radar. Dort war von 18 bis 23 Uhr von einer regenfreien Zeit auszugehen. So kam es. Wer hatte es vorausgesehen? Bruce Dickinson natürlich. Der Sänger hätte gemeint, es werde schon alles gut gehen. So zitierte ihn der langjährige PR-Berater der Band, Wolfgang Rott, im Vorfeld des Konzertes im regionalen Fernsehen. Bruce Dickinson, der laut Rott singt und »50.000 andere Dinge gleichzeitig macht«, in einer Funktion als Wetterprophet. Immerhin machte im Vorfeld das Wort Unwetter die Runde. Doch das blieb aus. Im Sitzplatzbereich schienen alle Plätze überdacht, aber der Regen drang dennoch an verschiedenen Stellen ein. Die Besucher im Stehplatzbereich hatten hier ohnehin die schlechteren Karten.
Iron Maiden begannen pünktlich um 21.00 Uhr nach der Vier-Minuten-Hymne "Doctor Doctor" von UFO mit ihrer Show. Die Setliste glich mit einer Ausnahme der Titelfolge aus dem Jahr 2025. Anstelle von "The Clairvoyant" erklang in der gleichen Reihenfolge zwischen The Number Of The Beast und "Powerslave" das Lied "Infinite Dreams". Es wurde seit 1988 nicht mehr gespielt und stand damit in bester Nähe zu den anderen älteren Stücken. Es erlebte 1988 zugleich seine Premiere, da es aus dem Album "Seventh Son Of A Seventh" stammt. Der Titeltrack "Seventh Son Of A Seventh" erlebte eine herausragende und überraschend wirkende Präsentation, doch welches Lied welchen Eindruck auf den Zuschauer machte, ist eine Frage, die sich nicht annähernd beantworten lässt, die so gar nicht steht, da alle 17 Darbietungen in puncto Optik und Sound das Prädikat ausgezeichnet verdient haben. Sicherlich kann ein solches Urteil in Abhängigkeit des jeweiligen Geschmacks bei unterschiedlichen musikalischen Favoriten immer unterschiedlich ausfallen, doch über gut oder schlecht lässt sich hier nicht urteilen.
Die Lieder wechselten schnell ohne längere Überleitungen und ließen nach zwei Stunden ein gutes Gefühl der Zufriedenheit, wieder einmal ein Maiden-Spektakel mit einer Band in Höchstform erlebt zu haben, zurück. Optisch wertete die zeitigere Dunkelphase aufgrund der finsteren Wolken das Geschehen noch einmal auf. So schien es mir zumindest. Ohnehin spielt die Lichtshow der Briten in einer anderen Liga. Wobei die Show zum 50-jährigen Bandjubiläum im Ganzen schon das Maß der Dinge ist, wofür letztlich die Zusammenstellung der Lieder steht. Um ehrlich zu sein: Schmeckt das heimische Bier in den eigenen vier Wänden in einem frisch erworbenen Tourbecher nicht gleich viel besser?
Setlist "Run For Your Lives"-Tour 2026:
- Murders In The Rue Morgue
- Wrathchild
- Killers
- Phantom Of The Opera
- The Number Of The Beast
- Infinite Dreams
- Powerslave
- 2 Minutes To Midnight
- Rime Of The Ancient Mariner
- Run To The Hills
- Seventh Son Of A Seventh Son
- The Trooper
- Hallowed Be Thy Name
- Iron Maiden
- Aces High
- Fear Of The Dark
- Wasted Years
Line-up Iron Maiden:
Bruce Dickinson (vocals)
Dave Murray (guitars)
Adrian Smith (guitars)
Janick Gers (guitars)
Steve Harris (bass)
Simon Dawson (drums)



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