Mit 85 Jahren auf dem Buckel, legt der Altmeister des britischen Blues jetzt sein 36. Studioalbum vor, ist damit auch gleich auf Tour in unseren Landen und kann uns Blues-Begeisterte damit nach wie vor beeindrucken. Das Werkstück mit seinen zehn Titeln weist drei eigene Kompositionen auf, der Rest besteht aus typisch Mayall-soundigen Bluesnummern, so dass das Covern immer als eigenständige Interpretation daherkommt. Wer Mayall über die vielen Jahre kennt, wird wenig überrascht darüber sein, dass hier im Grunde nichts umwerfend Neues entstanden ist. Es ist einfach die für den Fan bewährte Art, in der er den Blues rüberbringt. Was mir allerdings auffällt, ist die etwas tiefere, nicht mehr so bisweilen fistelige Stimme, mit der John die Songs darbietet. Dann sind natürlich gleich die Gitarristen zu nennen, die er für dieses Werk als Beitragende versammeln konnte: Joe Bonamassa, Larry McCray, Alex Lifeson, Steven Van Zandt, Todd Rundgren und endlich auch einmal eine weibliche Saitengreiferin, die Texanerin Carolyn Wonderland.
Die CD wurde im 606 Studio von Dave Grohl von den Foo Fighters aufgenommen – in nur drei Tagen, wie Mayall in einem sehr offenen Interview erzählt. Mehr Zeit habe er im Übrigen noch nie für das Einspielen eines Albums gebraucht. Freilich haben sich die genannten Gitarristen, wie es heute oft üblich ist, nicht selber im Studio direkt an den Aufnahmen beteiligt, sondern ihre Beiträge den Recordings anderswo hinzugefügt.
Eröffnungsstück ist eine Nummer aus dem Jahre 1968 von Magic Sam, "What Have I Done Wrong", auf der Bonamassa unverkennbar seinen ersten Beitrag mit zwei Soli zur Scheibe einbringt; dezente Bläser begleiten blues-typisch im Hintergrund. Das folgende Stück "The Moon is Full" stammt aus der Feder von Qwendolyn Collins, der Ehefrau des bekannten Albert. Hier ist der Solist an der Gitarre der Blueser Larry McCray, Mayall begleitet und spielt ein Solo auf der Orgel neben dem Gitarrensolo. Beim Jeff Healey-Stück "Evil And Here To Stay" steigt der ehemalige Rush-Gitarrist Alex Lifeson in den Blues-Reigen mit kräftigen Akkorden, Licks und einem Solo ein. Mayall ist hier mit fast ungewohnt kräftiger Stimme zu hören und spielt die Harp und Begleitung sowie ein Solo am Klavier.
Beim Start des Stücks "That’s What Love Will Make You Do" von Milton Campell und im Solo, greift Todd Rundgren kräftig in die Saiten einer blues-rockigen Gitarre, welches ansonsten eine mit Bläsersatz und Orgel unterlegte flotte Nummer ist. Mit einer schönen Slide-Gitarre bringt sich danach Carolyn Wonderland bei der nächsten, langsamen, balladenartigen Bluesnummer "Distant Lonesome Train" ins Spiel. Das Stück selber ist von Joe Bonamassa von der "Blues Of Desperation"-CD von 2016 und hat dort einen flotteren Rhythmus sowie ein anderes, weniger bluesiges Feeling. Hier passt die Slide-Gitarre sehr schön zum mit Piano-Klängen unterlegten Sound. Bonamassa selber darf dann wieder in der Cover-Nummer "Delta Hurricane", das von Larry McCray 1993 eingespielt wurde, in die Saiten greifen. Orgel und Bläsersatz liefern das Fundament, in das neben Mayalls Gesang Bonamassa seine Licks und ein für ihn typisches Solo einbringen darf.
Mit "The Hurt Inside" kommt überraschenderweise auch noch eine Gary Moore-Nummer aus der CD "After Hours" von 1992 ins Set der gecoverten Stücke. Bei Gary Moore eher balladenartig aufgezogen, präsentiert sich das Cover mehr als Bluesnummer mit schönem Bläser-Background. Larry McCray fungiert hier als Leadgitarrist, der auf einem bridge-artigen Part ein kleines Solo bringt und das Stück mit einem längeren Wah-Wah Sologang zu Ende bringen darf.
"It’s So Tough" ist eine typische Mayall-Komposition im gemächlichen Blues-Tempo, bei der Steven Van Zandt den Gitarrero abgeben darf. Mit "Like It Like You Do" und dem titelgebenden "Nobody Told Me" kommen dann weitere Mayall-Kompositionen auf die Scheibe, bei denen wiederum Carolyn Wonderland auf der Gitarre zum Einsatz kommt. Die Titelnummer ist ein schlichter, langsamer, von Mayall auf dem Klavier unterlegter Blues und ist mit gut sieben Minuten der längste Track der CD. Mit einem Solo von Carolyn klingt das Stück und die CD aus.
Mein Fazit: Insgesamt, wie schon gesagt, kein Album mit stilistischen Überraschungen, sondern schlicht und einfach ein wohlklingendes, sehr gut gelungenes Alterswerk des britischen Blues-Sängers mit seinen genannten Unterstützern.
Line- up John Mayall:
John Mayall (harmonica, keyboards, vocals)
Joe Bonamassa (guitar)
Alex Lifeson (guitar)
Larry McCray (guitar)
Todd Rundgren (guitar)
Steven Van Zandt (guitar)
Carolyn Wonderland (guitar)
Greg Rzab (bass)
Jay Davenport (drums)
Billy Watts (rhythm guitar)
Ron Dziubla (saxophone)
Richard A. Rosenberg (trombone)
Mark Pender (trumpet)
Tracklist "Nobody Told Me":
- What Have I Done Wrong (w/ Joe Bonamassa)
- The Moon Is Full (w/ Larry McCray)
- Evil And Here To Stay (w/ Alex Lifeson)
- That’s What Love Will Make You Do (w/ Todd Rundgren)
- Distant Lonesome Train (w/ Carolyn Wonderland)
- Delta Hurricane (w/ Joe Bonamassa)
- The Hurt Inside (w/ Larry McCray)
- It’s So Tough (w/ Steven Van Zandt)
- Like It Like You Do (w/ Carolyn Wonderland)
- Nobody Told Me (w/ Carolyn Wonderland)
Gesamtspielzeit: 48:11, Erscheinungsjahr: 2019



Neueste Kommentare