Thomas Roth kennt man am ehesten von den Geyers, vormals Geyers schwarzer Haufen und von Vorband-Auftritten auf Blackmore’s Night-Shows sowie auch gemeinsamem Musikzierens mit dem ehemaligen Deep Purple Gitarristen und seiner Frau Candice Night – wobei wir uns in der Ecke des Mittelalterfolks, bzw. -rocks befinden. Auch klassische Elemente sind bekannterweise involviert. Weniger bekannt, zumindest für den Rezensenten, ist, dass Geyers schwarzer Haufen als erste deutsche Band gilt, die Rockmusik mit Mittelaltermusik vermischte und dabei auch das entsprechende Instrumentarium nutzte.
So ist der Name Thomas Roth untrennbar mit der Nyckelharpa verbunden, einem Instrument, dass laut Wikipedia auch Schlüsselfidel, Schlüsselfiedel, Schlüsselgeige oder Tastenfidel genannt wird.»Ein Streichinstrument, dessen Saiten mechanisch über Tasten verkürzt werden«.
Was der Meister mit diesem Instrument musikalisch bringt, ist erst einmal nicht das, was man den Infos nach erwartet. Leicht klassisch startet das Album und halt: Mittelalter war ja nicht alles, auch Blackmore’s Night wurde genannt. Interessant ist die Mischung, die Tomas Roth auf Maskenball präsentiert aber allemal. Viele Musiker sind involviert und über die neun Stücke einsatzmäßig verteilt.
Vom flotten, poppigen Titeltrack mit irrem Nyckelharpa-Einsatz geht es zum fast epischen "Jerusalem", das zum Teil Klezmer-Züge an den Tag legt, mich aber in der Melodie auch an das Partisanenlied "Bella Ciao" erinnert. "Tanz" dagegen ist nun dort, wo man das Mittelalter verorten könnte. Das Stück hätte auch perfekt in eine "Game Of Thrones"-Folge gepasst. Der Name "Welsh Air" ist stimmig und man möchte gerne einmal an einem keltischen Lagerfeuer sitzen und der Musik lauschen. Besonders dann, wenn jemand wie die Gastsängerin Elina Sirana den Metal (Leaves’s Eye) verlässt und Sirenenhaftes ins Micro haucht. Auch bei "Jerusalem" ist sie zu hören, aber "Welsh Air" ist nicht zu toppen.
Thomas springt nach Halle und "Der Mann aus Halle" klingt in der Tat leicht deutsch, fast wie ein Marsch in Zeitlupe. Das klingt überraschend gut, zumal der Rezensent in jungen Jahren diese Musik in einem Spielmannszug unter die Leute brachte (wenn auch eher weniger in Zeitlupe). Ob "Swedish Pictures" schwedisch klingt, kann ich mangels Kompetenz nicht sagen. Aber wie auch die anderen Stücke, vermittelt das Lied Emotionen und einen weiten Blick in die Welt hinaus. Gesegnet sind sie allesamt durch gekonnt gespieltes und abwechslungsreiches Instrumentarium. Hier ist zum Beispiel auch starkes Gitarrenspiel involviert, das stellenweise schön sägt, während die Nyckelharpa auch schon mal etwas härter streicht.
Dass bei einer Nummer, die man "Seasick Sailor" benannt hat, auch ein Akkordeon in der nach altem Folk klingenden Szenerie seine Momente hat, darf nicht verwundern. "Ingredients" beendet den "Maskenball" mit leicht klassischen Düften so, wie er begonnen hat. Gesamt war das ein Potpourri an Liedern, die die Bandbreite des musikalischen Œuvres des Künstlers aufzeigt.
Absolutes Highlight für mich ist "Welsh Air". Aber auch alles andere ist leckeres Ohrenfutter, wobei mir die beidem klassisch angehauchten Nummern sowie der poppige Titeltrack vielleicht etwas weniger beigehen. Allerdings gab es erst einen Hördurchlauf …
Die eingebaute "Smoke On The Water"-Reminiszenz in "Incredients" hätte es nicht gebraucht. Das war in einem anderen Leben des musikalischen Freundes
Line-up Thomas Roth:
Thomas Roth (nyckelharpa, arrangements)
Jonah Weingarten (orchestration)
Micha Marks (bass)
Joris Nihenhuis (drums, percussion)
Milan Cimfe (arrangements, bass, drums)
Deandre T Jones (piano)
Elina Sirala (guest vocals)
Frank Tischer (orchestration, piano)
Horst Machowitz (guitar)
Sigi Hogar (solo guitar)
Arnd Fuchs (bass)
Simon Protzer (drums)
Steffen Burkhard (keyboards)
Florian Éwert (additional guitars)
Geoff Grips (guitar, bass)
Linda Simmons (bodhran, mandoline)
Kate Strudwick (flute recorders)
Meriel Field (violin)
Chris Jones (accordeon, flute)
Tracklist "Maskenball":
- Le Grand Louis (4;37)
- Maskenball (5;28)
- Jerusalem (4:45)
- Tanz (3:18)
- Welsh Air (4:08)
- Der Mann aus Halle (4:19)
- Swedish Pictures (6:31)
- Seasick Sailor (4:40)
- Incredients (6:38)
Gesamtspielzeit: 44:26, Erscheinungsjahr: 2026



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