Doom Metal ist so eine Sache für sich. Entweder man kann mit dem gemächlichen Tempo dieser Stil-Richtung etwas anfangen oder nicht. Oder wie Yoda schon sagte: "Tu’s oder Tu es nicht". Es gibt kein dazwischen … ja und langsam verging auch die Zeit seit dem letzten Album von Esslingens Finest.
Ganze sieben Jahre haben uns Mirror Of Deception, die dienstälteste Doom-Band Deutschlands, seit The Estuary auf neues Material warten lassen. Aber, und das kann ich gleich vorwegnehmen, diese Wartezeit hat sich mehr als gelohnt.
Junge, mit allem hab ich gerechnet, nur nicht mit solch einem Monster von Album wie diesem. Auch wenn ich alle Scheiben von Mirror Of Deception gut ("Foregone") bis super ("Mirrorsoil") finde, hat mich seit dem Debüt kein Album mehr so abgeholt und umgeboxt wie "Transience".
Unglaublich, wie dieses Album einen von der ersten Sekunde gefangen nimmt und nicht mehr loslässt. Was die vier Doomster um Urgestein Jochen Fopp hier abgeliefert haben ist schlicht und ergreifend ihr Opus Magnum. Hier stimmt wirklich alles, von der wunderbar aufgeräumten, dennoch wuchtigen Produktion, bis zu den wahnsinnig genialen Melodien. Sicher, die Harmonien und Melodien sind für Fans der Schwaben nichts neues. Ähnliches haben sie auch schon auf den Veröffentlichungen der Vergangenheit zuhauf gehabt. Aber sicherlich nicht so zwingend wie hier. Jeder Song ist ein Volltreffer, ach quatsch, eine Hymne des Doom.
Hier eine Nummer ins Rampenlicht zerren zu wollen ist fast schon eine Herkulesaufgabe. Aber wenn es sein soll und der- oder diejenige noch nicht mit dem Schaffen des Quartetts vertraut sein sollte, darf gerne der Opener "Death, Deliver Us" angecheckt werden. Auch wenn ich mal ganz kurz verwirrt geschaut habe, denn Michael (Siffi) Siffermann singt nicht nur hier etwas höher als sonst, was ihm aber gut zu Gesicht steht, sondern auf der ganzen Platte. Klar, kein Bruce Dickinson-Sirenengesang, aber schon ein Stückchen höher als früher. Das macht die Scheibe runder und nimmt ein wenig den Lokalkolorit weg, was einerseits schade, andererseits keine Verschlechterung darstellt, sondern nur ein weiterer Pluspunkt ist.
Oder "Haven", das mit ungewöhnlichen kurzen Grunz-Parts zu begeistern weiß (hier hat Jochen wohl seine Liebe zu Doom/Death ausleben dürfen). Auch der Abschlusstrack ist zum Niederknien, so bombastisch hat man Mirror Of Deception noch nie vernommen. Was für Melodien, unglaublich. Chorartige Gesänge im Hintergrund … Unfassbar geil!
Apropos Jochen Fopp, der Lead-Gitarrist schleudert bei jedem Song Riffs und Leads raus die nicht von dieser Welt sind. Aber auch die anderen, zwei davon erst seit kurzem im Line-up (wahrscheinlich ist das die Frischzellen-Kur, die die Band gebraucht hat), machen einen vortrefflichen Job.
Sollten jetzt nicht noch dieses Jahr Candlemass zusammen mit Messiah Marcolin ein neues Album veröffentlichen, ist die neue Mirror Of Deception jetzt schon die Doom-Scheibe des Jahres 2026.
Line-up Mirror of Deception:
Michael Siffermann (Gesang, Gitarre)
Jochen Fopp (Gitarre)
Pascal Schrade (Gesang, Bass)
Uwe Kurz (Schlagzeug)
Tracklist "Transience":
- Death, Deliver Us
- Currents
- Haven
- Slow Winds
- Consumed
- The Sands
- Meander
Gesamtspielzeit: 43:22, Erscheinungsjahr 2026



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