Ruhig und relaxt startet das Album mit dem Dreizehneinhalbminüter "Wallow". Fast konzertanes Gitarrenspiel in Verbindung mit Sylvains leicht und angenehm angerauter Stimme lassen das Stück fast zart in die Ohren fließen. Es dauert aber nicht lange, bis gewaltige Prog Metal-Wellen die Ohrwatschen ausspülen und eingesetzte Zweifußtechnik das Drumspiel mächtig aufpoliert.
Im weiteren Verlauf zeigt Sylvain Auclair, dass er nicht nur den Tieftöner anständig bollern lassen kann, sondern dass sein Organ zwar zart kann, aber er mit Verve und äußerst viel Grunge in der Stimme auch in der Lage ist, ganz anders daherzukommen. Im Wechsel mit teils sphärischen, teils härteren Instrumentalpassagen zeigt die kanadische Band Karcius, dass sie auch mit so ehrwürdigem Equipment wie Wurlitzer, Mellotron und B3 genregerecht umgehen kann.
Hier wie auch auf den Folgetracks ist immer wieder festzustellen, wie wichtig es sein kann, der ansonsten oft und sicher unbewusst nur stiefmütterlich erwähnten Rhythmussektion die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient. Bei Karcius fällt das allerdings auch nicht schwer. "Wallow" bietet genug Minuten, um die große stilistische Bandbreite der Musiker aufzuzeigen.
Eine Mischung aus Rock, Pop, afrikanische Tunes, Jazz und Ambient, schreibt die Band selbst. Auf "Black Soul Sickness", ihrem siebten Album, gibt es keinen Pop; Jazz vielleicht leicht in fast versteckten Ecken. Klassik höre ich auch in manchen Ecken, ebenfalls subtil integriert, wie auch das Afrikanische. Es mag aber sein, dass die sechs Alben vorher mehr von den genannten Zutaten hatten.
Hier rumst es stellenweise gewaltig und in Tracks wie "Darkest Heir" oder "Rise" rollen mächtige Metallwalzen aus den Lautsprechern. Und die ebenfalls eingesetzten Synthieklänge passen wider Erwarten gar nicht mal schlecht dazu. Auch die Wechsel mit ruhigeren Sachen wie etwa "Slow Down Son" machen das Album zu jeder Zeit spannend. Vielleicht sind die erwähnten afrikanischen Zutaten bei "Slow Down Son" in der Perkussion und ein klein wenig in der Gesangsharmonie zu finden. Das soll aber recht egal sein, denn wichtig ist, dass die Musik begeistert. Und das tut sie.
Sie hat stellenweise packenden Bombast, beinahe symphonische Wände, Sludge-Walzen, dann gibt es in "Awakening The Spirit" Verspieltes mit leichter, aber guter Psychedelic und dem metallischen Timbre im Gesang.
Kein Wunder, dass Karcius auf dem kanadischen Progstorm Montréal-Festival begeisterten. Mit Prog Metal möchte ich den Stil schon beschreiben. Aber es hat zu viele andere Gewürze, sodass ein jeder, der gute Musik mag, einmal reinhören sollte. Das Metallische überfährt einen nicht, aber wenn mit anständig Grunge in der Stimme zu Double Bass-Salven ins Micro gespuckt wird, gleich danach eine sphärische Gitarre in Ambientgefilden wildert, dann gehen die Daumen hoch.
Line-up Karcius:
Sylvain Auclair (vocals, bass, words)
Thomas Brodeur (drums, percussions, sound design)
Sébastien Cloutier (piano, B3, Wurlitzer, synths, Mellotrons, additional keyboards)
Simon L’Espérance (guitars, synths, percussions, keyboards, loops programming)
Tracklist Black Soul Sickness:
- Wallow (13:28)
- Out Of Nothing (5:34)
- Darkest Heir (5:34)
- Slow Down Son (3:22)
- Rise (6:14)
- Awakening The Spirit (7:06)
- Dusting My Coat (3:54)
Gesamtspielzeit: 45:16, Erscheinungsjahr: 2026



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