Sprechen wir von der ehemaligen britischen Band UFO, dann fallen uns sofort Titel wie "Doctor Doctor", "Rock Bottom" oder "Love To Love" ein. Der unangefochtene Favorit dürfte wohl "Doctor Doctor" mit seiner eingängigen Melodie sein. Dies nicht nur, weil das im Original 4:10 Minuten lange Stück seit der Jahrtausendwende die Einlaufhymne von Iron Maiden ist. In voller Länge leitet es jedes Konzert der Metal-Legende ein.
Zur Hochzeit der Band UFO war der aus Sarstedt bei Hannover stammende Gitarrist Michael Schenker der kreative Kopf. Das Studioalbum "Phenomenon", aus dem "Doctor Doctor" und "Rock Bottom" stammen, wurde 1974 in der Besetzung Schenker, Phil Mogg (Gesang), Pete Way (Bass) und Andy Parker (Schlagzeug) aufgenommen. 1973 und gerade einmal 18 Jahr alt, war Michael Schenker von den Scorpions nach Großbritannien gewechselt. in Hannover hatte er als Teenager angeheuert und spielte von 1969 bis 1973 an der Seite seines älteren Bruders Rudolf, um 1972 das Scorpions-Debüt-Album "Lonesome Crow" aufzunehmen. Dafür steuerte Michael Schenker Kompositionen bei. Für kurze Zeit, nämlich von 1978 bis 1979, half er später noch einmal bei der erfolgreichen deutschen Band, die 2025 ihren 60. Geburtstag feiern sollte, aus. Damals wie heute gleicht diese Entwicklung von Michael Schenker einem modernen Märchen. Sein Ausnahmetalent brachte ihm in England den Titel 'German Wunderkind' ein. Wegweisend waren die Werke Mitte der 1970er Jahre nicht nur für UFO selbst, sondern prägend für die gesamte Hard Rock-Szene der damaligen Zeit. Bis heute haben die Lieder Kult-Charakter, haben sie zurecht Klassiker-Status.
- Gitarrist und Keyboarder Steve Mann
- Keineswegs zugeknöpft, vielmehr überraschend volksnah agierte Michael Schenker
- Michael Schenker und Sänger RD Liapakis
Dass der gebürtige Niedersache nicht immer geradlinig durchs Musikerleben kam, ist bekannt, sollte aber nicht Gegenstand dieser Betrachtung sein. Schenker, schon immer ein kreativer Kopf und ein leidenschaftlicher Livemusiker, nutzte die einzigartige Erfolgs-Ära von UFO, um rund 50 Jahre später die Tour My Years With UFO – The 50th Anniversary Celebration ins Leben zu rufen. 70 Konzerte gab es im vergangenen Jahr in den USA und in Europa. 2026 legte Schenker noch ein paar Termine nach. 'Leg 2' führte ihn mit neun Stationen erneut durch Deutschland. Eines der Konzerte gab er am 5. März 2026 im Täubchenthal in Leipzig. Wer den Gitarristen früher schon einmal live erlebt hatte, konnte sich seinerzeit ein Bild von seinem Wirken auf der Bühne machen.
Umso überraschender trat er diesmal vor sein Publikum. Er wirkte geradezu volksnah und offen, flirtete mit seinen Fans und war schließlich ein gleichberechiger Partner in einer gut funktionierenden Band.
Ohnehin scheint er alterslos zu sein. Die Truppe um den 71-jährigen trat als homogene Einheit in Erscheinung, in der es augenscheinlich keinen Star gab. Gut, Schenker stand immer allein am rechten Bühnenrand, vom Publikum aus gesehen, und zauberte auf seinem Instrument. Dabei fiel auf, dass er gern mal eine scharfe Kante anspielt, ganz der Metal, doch über die 90 Minuten gesehen bot die Band gepflegten Hard Rock, der gut ins Ohr ging: Vertraut, aber immer wieder willkommen. Die Besucher waren am Anfang noch etwas zugeknöpft, gingen allerdings mehr und mehr aus sich heraus und feierten Schenker & Co. zunehmend. Begleitet wurde Michael Schenker, ausgestattet mit einer Gibson Flying V, auf der zweiten Etappe der Tour 'Leg 2' von Roberto Dimitri Liapakis (Gesang, Mystic Prophecy), Steve Mann (Gitarre, Keyboards), Barend Courbois (Bass) und Bodo Schopf (Schlagzeug).
- Volle Kraft voraus
- Sänger RD Liapakis hatte ebenfalls seinen Spaß
- Energiegeladen und mit Spaß bei der Sache
Mit dem Instrumental "Lipstick Traces" und dem darauffolgenden "Between The Walls" bewiesen UFO, dass sie auch die etwas ruhigeren Töne und Keyboard-Passagen abrufen können. Doch dies war mehr einen Ausnahme, in der Hauptsache spielte das Quintett Hard Rock. Das abschließende "Too Hot to Handle" war den verstorbenen Ex-Bandmitgliedern Pete Way und Paul Raymond gewidmet, sodass es zu einem besonderen emotionalen Glanzpunkt geriet.
Mit Power State aus dem Frankfurter Raum und Grey Attack aus Aachen traten in Leipzig im Vorprogramm zwei Bands aus Deutschland auf. Sie hatten keinerlei Schwierigkeiten, das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Beide Formationen spielten melodiebetonten Hard Rock. Sie agierten facettenreich und hinterließen einen guten, kurzweiligen Eindruck während des jeweils rund 30-minütigen Auftrittes.
RockTimes bedankt sich sehr herzlich bei Janine Lerch vom Concertbüro Zahlmann für den hervorragenden Support mit Gästelisteneintrag und Fotopass.
Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes












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