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Qoniak / Mutatio – CD-Review

Schlagzeuger Lionel Friedli sowie Keyboarder Vincent Membrez sind Qoniak.
Man kennt sich seit der Schulzeit auf einem Gymnasium.
Auf der Band-Website steht: »[…] Taking contemporary jazz and cutting it to pieces with a techno-indus blade, math rock scalpel, overlapping tempos and rhythmical breaks gleaned from Meshuggah, one foot in Area 51, the other in the underground passageways of Stranger Things, meet QONIAK. […]«
Alleine schon von der zitierten Beschreibung her muss man bei "Mutatio", dem Album aus dem Jahr 2020, wohl mit allem rechnen.
2013 kam "Sentient Beings" auf den Markt. Mit von der Partie waren Gitarrist Flo Stoffner und die Sängerin Joy Frempong.
Die acht Songs wurden von Vincent Membrez komponiert und in den Artefax Studios (Lausanne) in die Tat umgesetzt.
Ein weiteres Statement des Duos lautet: »[…] Eine spontane Veränderung, die zu einem extremen Bruch mit der ursprünglichen Ordnung führt: so sehen wir im Wesentlichen die Musik. […]«
Da muss man wohl mit allem rechnen.

Die Qoniak-Zeit bricht an.
"Scoul" ist die fast fünfminütige Impuls-Nummer der vorliegenden Platte.
Schwere Kost, angetrieben von einem hyperaktiven Beat und extrem-inflationären Keyboard-Exzessen, prasselt an raue Klippen, die das "Scoul"-Wasser als schonungslose Gischt in die Höhe treibt.
Nachdem dem Hörer das Blut in den Adern gefroren ist, heißt es:
Achtung!
Warnhinweis!
Die Inhalte von "Mutatio" könnten für Anhänger harmonischer Musik nicht geeignet sein.

Lassen wir alle weiteren Tracks beiseite und widmen uns dem Ende der Scheibe.
Fast sieben Minuten umfasst "Bokal".
Muss man sich abermals auf eine Maschinerie, die einer Art Geisterbahn-Drama gleich kommt, einlassen? Bei dieser Nummer befindet man sich im Auge des Qoniak-Wirbelsturms, auch wenn die Nerven des Hörers zunächst durch einen weiteren Schweizerischen Höhenflug erregt werden. Die Combo gibt sich geradezu träumerisch, auch wenn Lionel Friedli unentwegt nach vorne treibt. Nein, er kann auch gnädig sein und lässt es phasenweise rhythmisch gemach angehen. Beide besuchten die Jazzschule in Luzern. Die Qoniak-Klang-Gebilde atmen die Luft der frei formulierten Art des Jazz.

Ist die Album-Einleitung "Scoul" verdaut, glaubt man seinen Ohren nicht.
Nach dem Naturereignis kommt der Wahnsinns-Kreisel in "Rooin" zur Ruhe. Qoniak kreiert ein Stimmungsnest der anderen Art. Geradezu besinnlich geht es zu, auch wenn Rhythmus sowie Keyboards in ihren raumgreifenden Aktionen kontraproduktiv zu einem Groove agieren. Trotzdem ist "Rooin" eine Wellness-Oase.
"Qo" ist eine nächste Free Jazz-Wundertüte. Nicht erst bei dieser künstlerisch-hysterischen Nummer setzen sich die Leiden des Hörers fort. Qoniak offenbart exaltierte Fantasien und bedient den Hörer mit Herausforderungen, die sich in der Geschwindigkeit eines Hamsterrades drehen.

Aus meiner Sicht muss man für die Band aber auch eine Lanze brechen.
Es gibt innerhalb von Songs Situationen, die an die herausragenden Bands des New Wave oder Post Punk erinnern.
Immunität? Lotusblüteneffekt?
Kunst ist grenzenlos.
Qoniak verändert die Sichtweise auf die Musik.
Qoniak ist musikalischer Dadaismus.
"Mutatio" ist wie ein Schiff im Hafen.
Nur eine Qoniak-Zwischenstation, denn bald geht es wieder auf hohe See. Vielleicht dem einen oder anderen Unwetter trotzend, wird man abermals Leute, die noch nicht wissen, was sich im Kosmos weit außerhalb des Tellerrandes tummelt, auf eine Abenteuerreise mitnehmen.

Bleibt gesund und nehmt euch zur Ablenkung Zeit für extreme Musik.


Line-up Qoniak:

Lionel Friedli (drums)
Vincent Membrez (keyboards)

Tracklist "Mutatio":

  1. Scoul (4:42)
  2. Coac (5:06)
  3. Ipsum (3:34)
  4. Baobob (5:08)
  5. Rooin (7:02)
  6. Qo (3:36)
  7. Gaudens (3:51)
  8. Bokal (6:45)

Gesamtspielzeit: 39:49, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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