Mit seinem Album "The Lockdown Sessions" beweist Roger Waters, dass nicht nur experimentelle Künstler mit dem Wunsch nach Neuem die Auszeit während der Corona-Pandemie genutzt haben, sondern ebenfalls höchst ambitionierte Musiker. Damit trotzten sie der kreativen Enthaltsamkeit, um im vorliegenden Fall Altes neu zu entdecken beziehungsweise aufzunehmen. "The Lockdown Sessions" enthält sechs Lieder einer langen Karriere, die während seiner Zeit bei Pink Floyd und in der seit 1985 währenden Schaffenszeit als Solist entstanden sind.
Die neuen Versionen der Stücke unterscheiden sich teilweise deutlich von den Originalen und gehören live schon seit Jahren zur gigantischen Show von Roger Waters. "Mother" ist nicht nur der Opener des Albums, sondern gleichzeitig das erste Stück, das in der unfreiwilligen kollektiven Quarantäne bei ihm zu Hause neu aufgenommen wurde. Roger Waters komponierte es während seiner Zeit bei Pink Floyd. Es ist auf dem epochalen, 1979 veröffentlichten Werk "The Wall" enthalten und gilt für mich wie eine ewig junge Erkennungsmelodie des Künstlers.
Das unverwüstliche "Mother" gibt musikalisch die Richtung auf "The Lockdown Sessions" vor. Die LP-taugliche 39-Minuten-Produktion mit sechs starken Kompositionen hört sich wie ein Konzeptalbum an. Bei Roger Waters wäre dies nicht unbedingt eine Überraschung. Sein Name wird immer mit der von ihm 1965 mitbegründeten Formation Pink Floyd in Verbindung stehen, wenngleich er diese bereits 1985 verließ. Aus den Floyd-Klassikern "Mother" und "Comfortably Numb" entstehen hörenswerte neue Versionen. "Mother" verpasst er in der Frischzellenkur eine um zwei Minuten längere Spielzeit, gemessen an der Originalversion von 1979.
Roger Waters, der am 6. September 2023 seinen 80. Geburtstag feiert, gab den Songs ein zeitloses wie modernes Klanggerüst. Mit dem neu aufgenommenen "Comfortably Numb 2022" hören wir eine bewegende aktuelle Version eines der größten Pink Floyd-Klassiker, der im Original ebenfalls auf "The Wall" enthalten ist. Das Lied ist ein Mitschnitt von Waters "This Is Not A Drill"-Tournee durch Nordamerika. Es beschreibt den Umgang mit Leid und Lebendigkeit. Auf acht Minuten zeigt sich die musikalische Größe des Sängers, Bassisten, Komponisten und Texters Waters, der die Lyrics schrieb.
Großes Kino zum Finale einer bemerkenswerten Produktion, die von der Pandemie begünstigt war, aber keineswegs Einheitsbrei darstellt. Allein das finale Werk legt Zeugnis ab über die Qualität des Pink Floyd-Mitbegründers und Musikers Roger Waters.
Der Kreativkopf erklärte zu "Lockdown Sessions": »Unsere Us And Them-Tournee dauerte drei Jahre … Bei jedem Auftritt spielten wir 'Mother' als Zugabe der Show, die mit 'Comfortably Numb' endete. Irgendwann habe ich mich dazu entschieden, auch andere Songs als Zugaben zu spielen und nach der Tournee dachte ich mir: 'Das könnte ein interessantes Album werden mit all den Zugaben – The Encores – ja, das klingt ziemlich gut'.«
Das Album "The Lockdown Sessions", das zwischen 2020 und 2021 im Haus des Musikers aufgenommen wurde, haben Roger Waters und Gus Seyffert produziert. Es ist bei Sony Music auf CD und Vinyl erschienen.
Line-up Roger Waters:
Roger Waters (Vocals, Guitar, Piano)
Gus Seyffert (Bass, Synthesizer, Cello, Backing Vocals)
Joey Waronker (Drums, Percussion)
Dave Kilminster (Guitar, Rhythm Guitar)
Jonathan Wilson (Guitar, Harmonium, Synthesizer, Backing Vocals)
Jon Carin (Keyboards, Synthesizer, Backing Vocals)
Lucius (Backing Vocals)
Bo Koster (Hammond Organ – #2,3,4,5)
Ian Ritchie (Saxophone – #2)
Shanay Johnson (Vocals – #6)
Amanda Belair (Backing Vocals – #6)
Robert Walter (Organ, Piano – #6)
Nigel Godrich (Strings, Backing Vocals – #6)
Tracklist "The Lockdown Sessions"
- Mother
- Two Suns In The Sunset
- Vera
- The Gunner’s Dream
- The Bravery Of Being Out Of Range
- Comfortably Numb 2022
Gesamtspielzeit: (39:31), Erscheinungsjahr: 2023



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