«

»

The Black Court / Amber – Momentum Grotesque – Digital-Review

The Black Court / Amber -Momentum Grotesque

Das Erste, das mir bei The Black Court aufgefallen war und woran ich mich nun spontan erinnert habe, war der Bezug zu Farben. Dies schrieb ich zu Red – Phantom Delusive  »Im Bandnamen steckt schwarz, die erste EP von 2015 hieß Gray – The Colors Of Fire And Pain, war also grau. Die aktuelle CD (Januar 2019) wiederum hat Rot im Titel: "Red – Phantom Delusive". Cover und Farbgestaltung im Booklet sind mit Rot-Tönen. Ob die nächste Scheibe dann blau wird, ist im Moment noch reine Spekulation. Irgendwie musste ich an die "Drei-Farben-Trilogie" von Krzysztof Kieślowski denken.«

Nun sind sechs Jahre vergangen und "Amber – Momentum Grotesque" ist erschienen. Also nichts mit Blau, sondern Bernstein; nun immerhin kann das auch als Farbe gesehen werden, bernsteinfarben, also gelblich. Wobei das Covermotiv eher nach Kupfer aussieht und wenig Hinweis darauf gibt, welche Musik sich dahinter verbirgt. Das von Marcel Hass (Apes Of Doom) gestaltete Bild zeigt den Brudermörder Kain als Symbol für das Impulsive und Zerstörerische der Menschheit, auch mit Blick auf die allgemeine heutige Situation.

Musikalisch haben wir es erneut mit (Melodic) Death Metal zu tun. Hannover liegt sozusagen immer noch in Schweden. Als Vergleiche werden unter anderem At The Gates, Amon Amarth (alt) und In Flames (alt) genannt, was durchaus zutreffend ist. Wobei The Black Court keine Kopie der genannten sind, sondern ihren eigenen Weg gehen. Dieses Mal wurde jedoch der Melodic-Anteil etwas zurückgeschraubt. Harte Riffs dominieren kantige Songs. Kein Schmusekurs, keine Keyboards, kein Klargesang. Wobei neben Growls und Keifen auch stellenweise Sprechstimme eingesetzt wird, beispielsweise in "… Of Profanity And Disguise".

Obwohl im Grundsatz aggressiv und rau, gibt es auch ruhigere und melancholischere Momente, z. B. beim kurzen Instrumental "Dies Irae" und Elemente in "Embers Of The Forgotten". Bei letzterem finde ich zudem die selbstreflektierenden Lyrics schön geschrieben:

»As we traverse this nebulous realm of introspection
We should be aware of the delicate balance between
Remembrance and oblivion,
Illumination and obscurity.«

Insgesamt ist "Amber – Momentum Grotesque" inhaltlich eher nachdenklich statt billige Klischee-Phrasen zu bieten. Genauso ist die Musik nicht nur hingekloppt, sondern durchdacht und strukturiert. Natürlich gibt es dennoch ordentlich auf die Mütze. Sogar etwas harscher und kantiger als zuvor. Anders ausgedrückt: Es weht ein etwas schärferer Wind durch den schwarzen Hof.

Auch wenn die Harmonien etwas in den Hintergrund gerückt sind, ganz weg sind sie nicht. Die Geschwindigkeit wird zudem variiert, was für Dynamik sorgt. Dabei werden keine Highspeed-Rekorde angestrebt, sondern sich eher im mittleren Tempo bewegt.
Kleine Besonderheiten wie das Lachen am Ende von "Nimbus" werden gezielt eingesetzt. Durch Feinheiten und Strukturen im Songwriting gelingt es, bei mehreren Tracks die fünf Minuten Marke zu überschreiten, ohne zu langweilen. Die Gesamtlänge von gut 41 Minuten ist außerdem richtig dosiert.

The Black Court ist mit "Amber – Momentum Grotesque" erneut ein solide gemauertes Death Metal-Album gelungen.  Anspieltipps: "Embers Of The Forgotten" und "Eden".


Line- up The Black Court:

Alexander Stranghöner (guitars)
Marcel Schön (bass)
Oskar Pusz (vocals)
Philipp Strunk (drums)
Sebastian Lipinski (guitars)

Tracklist "Amber – Momentum Grotesque":

  1. Nimbus (4:59)
  2. … Of Profanity And Disguise (3:47)
  3. Sunbound (5:27)
  4. Dies Irae (0:58)
  5. Eden (5:46)
  6. Embers Of The Forgotten (5:52)
  7. Glances Of A Dying Light (4:35)
  8. Cold Blood (4:34)
  9. Auspicious Solace (5:27)

Gesamtspielzeit: 41:35, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Andrea Groh

Hauptgenres: Doom/Death/Black Metal, auch Post/Progressive/Pagan Metal u.a.
Über mich
Meine Seite im Archiv
News
Konzertberichte als Team mit Jens
Mail: andrea(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>