Ein Ossarium oder Ossuarium ist ein Beinhaus (os ist lateinisch für Knochen, Mehrzahl ossa), also ein Raum, beispielsweise unter einer Kirche, in dem Gebeine aufbewahrt werden.
Ein guter Name für eine Heavy / Doom Metal-Band dachten sich wohl 2014 drei Italiener, die bereits vorher gemeinsam Musik in einer Death Metal-Gruppe gemacht hatten. Erst Todesmetal, dann ein Beinhaus… das ist stimmig.
2017 brachten The Ossuary dann ihr Debüt mit dem dazu passenden Titel "Post Mortem Blues" heraus. Diesem folgte 2019 die "Southern Funeral" und 2021 "Oltretomba" (laut Google-Übersetzung ist dies italienisch für 'Leben nach dem Tod' bzw. ist eine Bezeichnung für die Unterwelt).
2025, nach einem etwas längeren Abstand, melden sich sie sich zurück um ein "Requiem For The Sun" zu zelebrieren.
The Ossuary – so ist zu lesen – sind unter anderem beeinflusst von Black Sabbath (klar…), The Doors, Mercyful Fate und Witchfinder General. Ich würde hier unbedingt noch ihren Landsmann Paul Chain ergänzen.
Wir haben es also mit einer eigenständigen Mischung aus Doom Metal, Heavy Metal und Psychedelic Rock zu tun. Düster, faszinierend, atmosphärisch, intensiv. Musik wie aus einem (Alb-)Traum, die in fremdartige Welten eintauchen lässt, in diese hineinzieht. Manchmal sind diese von unirdischer Schönheit, dann zum Erschaudern, wie in einem gelungenen Horrorfilm. Dieses Genre dürfte The Ossuary nicht unbekannt sein, zumal es in Italien bekannte Regisseure wie Fulci oder Argento gibt. Gerade bei letzterem spielen Klänge, meistens mit Synthesizern erzeugt, eine Rolle, um Stimmung in seinen Streifen zu erzeugen.
"Requiem For The Sun" könnte man als musikalisches Äquivalent dazu sehen, stimmungsmäßig, aber auch von den lyrischen Inhalten her, die von Blut und dunklen Ritualen erzählen, beispielsweise in "Altars In Black": »Worship the eye in the sky / Bleeding tables, heads held high / The dark defeats the light / The sun refused to shine«. Oder von der Leere, was dann in Verbindung mit dem Coverartwork seine Wirkung erzielt: »I hear a voice, a screaming noise / Growing in my mind, the volume of my void«
Ein kurzer Blick in die musikalische Tiefe hinter dem Motiv: Der Opener "Sacrifice" fällt gleich mit der Tür ins Haus; ohne Einleitung, setzt auf heavy Riffs, in die sich jedoch schon bald abgefahrenere Elemente mischen. Ähnlich ist es bei "Altar In Black", bei "Far From The Tree" gewinnen die Harmonien an Macht. "Wishing Well" steigert dies noch – nach einem eher rauen, disharmonischen Anfang wird es ruhiger, gleichzeitig abgehoben, fast schon sphärisch. Auch der Titeltrack bietet ein paar abgefahrene Momente. Ähnliches gilt für den Rest der Scheibe – bis hin zum überlangen (fast neunminütigem) Finale "Eloise". Nein, es handelt sich nicht um eine Coverversion.
Wobei es eigentlich wenig Sinn macht, einzelne Stücke hervorzuheben, es gibt keine großen Unterschiede bei den Songs, sondern eher nur verschiedene Schattierungen von Schwärze. "Requiem For The Sun" funktioniert als Gesamtwerk, zieht die geneigte Hörerschaft wohlig in den durch die düsteren Töne erzeugten Abgrund. Dies gelingt insbesondere durch die Integration der psychedelischen Sounds, die dem doomig-schwerem Basis-Klanggebilde eine surreale Komponente hinzufügen. Damit ist ein faszinierendes Gebräu gelungen.
Line-Up The Ossuary:
Stefano Fiore (vocals)
Alex Nespoli (guitars, synth)
Max Marzocca (drums, synth, backing vocals)
Guest: Lorenzo 'Fünj' Signorile (session bass)
Tracklist "Requiem For The Sun":
- Sacrifice (4:30)
- Altar In Black (5:17)
- Far From The Tree (4:57)
- Wishing Well (5:04)
- The Others (4:29)
- Requiem For The Sun (5:53)
- The Volume Of Void (4:15)
- Eloise (8:45)
Gesamtspielzeit 43:10, Erscheinungsjahr: 2025



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