Der Verfasser dieser Zeilen kann sich noch ganz gut entsinnen, wie das damals um die irgendwie komischen Jahre rund um 1990 so war. Die Musikwelt war irgendwie vom Grunge und Bands wie Nirvana, Soundgarden und Konsorten überrollt worden, in Los Angeles und auch dem Rest der Welt regierten ansonsten Guns 'N Roses, Metallica und darüber hinaus Thrash-Bands wie etwa Slayer das Landschaftsbild. Zwar ins Gesamtbild passend, aber dennoch so ganz anders hatte der Rezensent dagegen unter anderem die Bands Dogs D’Amour, The Pogues sowie auch The Quireboys für sich entdeckt. Denn die kamen bauchmäßig irgendwie ehrlicher rüber, hielten sich eher fern von Metal sowie Glam und zockten vielmehr bodenständigen Rock, der dazu noch mit viel Dreck unter den Fingernägeln abgeliefert wurde. Diesen Bands blieb der ganz große Erfolg verwehrt, selbst wenn die Quireboys, um die es in diesem Review auch gehen soll, für ihr Debüt "A Bit Of What You Fancy" (1990) in ihrer Heimat England immerhin eine Gold-Auszeichnung einstreichen durften.
Aber zurück zum Rockpalast und dem Auftritt vom 18. Oktober 2007 in der Harmonie, Bonn. Die Band hatte sich nach dem zweiten Album "Bitter, Sweet & Twisted" (1993) für acht Jahre getrennt und mit neuem Line-up 2001 wieder zusammengefunden. Von der alten Besetzung waren lediglich noch Frontmann Spike und der Gitarrist Guy Griffin am Start. Aber die Spielfreude war ganz offensichtlich zurück, was man dem Konzert vom ersten bis zum letzten Song auch anhört. Ganz zu schweigen von der DVD, wo der visuelle Aspekt noch zusätzlich zum Genuss der 14 gebrachten Tracks beiträgt. Neben einigen neuen Songs wie "The Finer Stuff" oder "Mona Lisa Smiled" wurden an diesem Abend natürlich auch die Band-Klassiker, namentlich "7 O’Clock", "There She Goes Again", "Misled", "Tramps & Thieves", "Hey You" oder "I Don’t Love You Anymore" zelebriert. Und das mit soviel Adrenalin, dass es eine wahre Freude ist.
Auch das zweite enthaltene Konzert vom 4. April 1990 in der Live Music Hall in Köln macht so richtig fett Laune, geht in die Beine und zeigt, dass die Band kein Fake, sondern immer schon richtig gut war. Auf der Setlist standen in jener Nacht logischerweise die Songs des Debütalbums, von denen weiter oben bereits einige genannt wurden. Dazu das starke "Roses And Rings", "Man On The Loose" und natürlich auch "Whippin' Boy". Gegen Ende der Show gingen die eigenen Songs dann aus und die Zugaben bestanden aus dem alten Blues-Klassiker "Hoochie Coochie Man" sowie dem – übrigens richtig gut gebrachten – Rolling Stones-Cover "Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)". Und wer jetzt noch Zweifel hat, darf sich vom Rezensenten, der die Band in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts live auf dem Finkenbach Festival erleben durfte, versichern lassen, dass bei den Konzerten dieser Jungs kein Auge trocken bleibt.
The Quireboys, das ist Rock’n’Roll mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Piano sowie einem Sänger mit Reibeisen-Stimme. Eine Combo, die sich ganz offensichtlich vorgenommen hatte, die inoffizielle Nachfolge von Bands wie den bereits erwähnten Stones oder – vielleicht noch treffender – den Faces anzutreten. Es gibt jede Menge gute Studioplatten der Engländer, aber die ganz große Stärke des Sextetts ist ganz klar die Bühne, Live-Shows, face to face mit ihrem Publikum. Daher eine sehr gelungene und empfehlenswerte Veröffentlichung von MiG Music, die jedem Rock-Fan allerbesten Gewissens ans Herz gelegt werden darf. Spitzen-Unterhaltung garantiert. Und wenn Spike zwischen zwei Songs fragt »Is anybody gonna buy me a drink tonight?« erwischt man sich schon mal selbst dabei, ihm einen zu versprechen. Hat er sich verdient!
Line-up The Quireboys 2007:
Spike (harmonica, lead vocals)
Guy Griffin (guitars, background vocals)
Paul Guerin (guitars, background vocals)
Jimi Jimmi (bass)
Keith Weir (keyboards, background vocals)
Pip Mailing (drums)
Line-up The Quireboys 1990:
Spike (harmonica, lead vocals)
Guy Griffin (guitars, background vocals)
Guy Bailey (guitars, background vocals)
Nigel Mogg (bass, background vocals)
Rudy Richman (drums)
Chris Johnstone (keyboards)
Tracklist CD 1 – "Live At Rockpalast 2007":
- Louder
- Misled
- The Finer Stuff
- Tramps & Thieves
- One For The Road
- Roses And Rings
- This Is Rock’n’Roll
- Mona Lisa Smiled
- There She Goes Again
- Hey You
- Sweet Mary Ann
- 7 O’Clock
- I Don’t Love You Anymore
- Interview (DVD only)
- Sex Party
CD 2 – "Live At Rockpalast 1990":
- Misled
- Man On The Loose
- Whippin' Boy
- Roses And Rings
- Long Time Comin'
- Sweet Mary Ann
- I Don’t Love You Anymore
- Sex Party
- Take Me Home
- Hey You
- There She Goes Again
- 7 O’Clock
- Mayfair
- I’m Your Hoochie Coochie Man
- Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)
Gesamtspielzeit: 70:14 (CD 1), 55:43 (CD 2), 130:00 (DVD), Erscheinungsjahr: 2025 (1990, 2007)



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