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Twin Serpent / True Norwegian Blackgrass – CD-Review

Echter norwegischer Blackgrass?
Was darf man sich denn, bitte schön, darunter vorstellen?

In der Pressemitteilung von Noisolution zu "True Norwegian Blackgrass" von der Band Twin Serpent gibt es erste Hinweise:
»[…] Was als Soloprojekt von Silvola begann, wurde zu einer Band und hat sich zu dem entwickelt, was Songwriter Silvola sich unter dem Genre "True Norwegian Blackgrass" vorgestellt hatte. Rowdyhafter Country-Punk mit einem Augenzwinkern, gespickt mit kosmischen und okkulten Untertönen. […] Sie verwischen die Genre-Grenzen von Punk, Country, Folk und Lo-Fi-Black-Metal-Ästhetik. […] Die Bandmitglieder sind erfahrene Underground-Kämpfer aus der Trondheimer Punkszene und bieten ein dynamisches Spektrum von Akustik bis 'Amp-Wall' und singen auf Englisch, Norwegisch und Finnisch über Themen wie Widerstand gegen Windräder, Atomkraft, die Pronoindustrie, Bildschirmzeit, […], Schwarze Löcher, Liebe und Rebellion. […]«

Diese Rezension soll mit dem Song "Anti-Nation Blues", einem der längsten Nummern auf der vorliegenden Platte, ganz am Ende der Tracklist beginnen.
Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Die Hitze ruft laut nach Schatten. Tatsächlich, Twin Serpent hat den Blues mit Banjo und Slide-Gitarre, die laut die Tumbleweeds durch die Gegend scheucht. Timo Silvola sowie Hanna Fauske singen im Duett und Viktor Kristensen verschleppt das Tempo mit akzentuiertem Trommel-Einsatz. Wild wandert das Bottleneck im Tony Gonzalez-E-Gitarren-Solo über die Saiten, so als gäbe es keinen Morgen mehr. Im Hintergrund bleibt alles in einem moderaten Modus. "Anti-Nation Blues" ist ein Blues-Statement mit vehementen Ausbrüchen der Dynamik. Den das Album abschießenden Song kann das Quartett aus meiner Sicht auf der Habenseite verbuchen.

Vom Titel her klingt auch "Freak Flag" interessant.
Highspeed, Country in der Gangart Galopp. Laut, heftig, intensiver Gesang. Antrieb von der Rhythmus-Fraktion gibt es satt. Da zupft Bassistin Hanna Fauske mit flinken Fingern die dicken Saiten und Viktor Kristensen trommelt in flotter Taktung. Das Banjo im Stakkato-Modus. Norwegischer Country, hochoktanig, par force.
Dem Himmel sehr nahe. Twin Serpent durchbricht die Wolkendecke und spielt im Opener "Space Heater" eine aufgewühlte Version, eine Mischung aus Hardcore und Rock. Der Metal ist ganz nah.

"Ærlig Talt", mit Bass-Solo Blitzlicht und einem überdrehten E-Gitarren-Alleingang, ist nicht minder energetisch und über den Country-Shuffel "Stellar Suicide" kommt Twin Serpent dann bei "Ain’t Home No More" endlich zur Ruhe. Wir genießen den tollen Gesang von Hanna Fauske sowie Timo Silvola. Das Banjo schmeichelt und trotz einer kleinen Intensivierung der Atmosphäre bleibt die Combo in der Balladen-Abteilung. Toll, diese Erholungsphase.
Norwegischer Blackgrass. Ruhig beginnend ist "Tusen Takk" ein Slow Blues mit Riff-betonten Intermezzi. Hinhörer!
Was ist denn jetzt los? Die Formation nimmt bei "Radiophobia" wieder Fahrt auf und serviert den Leuten vor den Lautsprechern wieder etwas, was mit dem Blues zu tun hat. Dieses Mal haut die Tony Gonzalez-E-Gitarre nach einem Drum-Intro einen Boogie erster Klasse raus. Zwischendrin klingt es wieder nach Slide-Gitarre und der Blues rockt groovend durch das Desert. Beim Solo glänzt Tony Gonzalez mit psychedelischer Wah Wah-Pedal-Action. Highlight!

Höchst abwechslungsreich gestaltet sich "Holy Ghost".
Die ruhigeren Teile stellen abermals den Gesang in den Vordergrund. Eine gewisse Skepsis bezüglich der Musik ist längst verflogen. Man wird von der Twin Serpent-Musik gefangen genommen.
Schräg, schräger, Twin Serpent. "Forventninger" ist eine verquere Reise auf den Balkan, eine Polka á la Twin Serpent. Auch dieser Abstecher passt perfekt ins musikalische Gerüst der Formation.
Dann noch "Kipu Kivi". Steht eine weitere Überraschung an? Dunkel-bedrohliche Wolken ziehen auf. Timo Silvola singt mit tiefer Stimme und dieses Stück ist so etwas wie die Twin Serpent-Andacht mit instrumentalem Ende.

"True Norwegian Blackgrass" von Tiwn Serpent ist eine frische Mischung aus Country, Rock, Blues und Punk.
"True Norwegian Blackgrass" von Tiwn Serpent ist eine echte Überraschung bringt die Repeat-Taste zu Dauereinsatz.
Chapeau, Twin Serpent.


Line-up Twin Serpent:

Timo Silvola (vocals, banjo, guitar)
Hanna Fauske (vocals, bass)
Tony Gonzalez (guitar, choir)
Viktor Kristensen (drums, percussion)

Tracklist "True Norwegian Blackgrass":

  1. Space Heater
  2. Ærlig Talt
  3. Stellar Suicide
  4. Freak Flag
  5. Hundromshelvete
  6. Ain’t Home No More
  7. Tusen Takk
  8. Radiophobia
  9. Forventninger
  10. Holy Ghost
  11. Kipu Kivi
  12. Anti-Nation Blues

Gesamtspielzeit: 37:06, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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