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Sweet Confusion und Restposten Bluesband / Konzertbericht, 27.03.2026, Wotufa-Saal Neustadt/Orla

Wotufa-Saal Neustadt an der Orla

An dieser Stelle musste RockTimes schon wiederholt über geschlossene Konzertstätten oder den Rückzug von Veranstaltern berichten, über Rettungsaktionen, um beispielsweise durch Spenden traditionsreiche Gastspielorte am Leben zu erhalten. Die herben Einschläge treffen hierzulande immer ernster.

01 Gefühlauschaos im Wotufa-Saal

01 Gefühlauschaos im Wotufa-Saal

Die Entwicklung im Veranstaltungsalltag macht auch nicht vor Dirk Pasold im ostthüringischen Neustadt an der Orla halt. Seit 30 Jahren sind er und seine Frau Tina Pächter im dortigen Wotufa-Saal. Die Faschingszeit und die Sommerpause ausgeklammert, gibt es Woche für Woche Live-Musik, in den meisten Fällen wird hier freitags wie samstags gerockt. Vor 1996 waren er und seine Frau in der Heimatregion um Schleiz schon an anderer Stelle tätig, während das Oettersdorfer Open Air unter ihrer Regie 2026 bereits in die 34. Runde geht.

Den Wotufa-Pächter hört man jedoch nie öffentlich klagen und er schafft es, Bands auf die Bühne zu holen, die es eigentlich gar nicht mehr gibt. Ein Beispiel ist die Monokel Allstar Band mit Monokel-Gründungsmitglied Frank 'Gala' Gahler (Gesang, Mundharmonika). In einer Art Sonderkonzert sollten sie am 27. März 2026 in Neustadt ihren erdigen Blues Rock zelebrieren. Das lockt immer wieder Fans an, die Konzerte sind eine Mischung aus Nostalgie, Tradition und Kult.
Noch am frühen Morgen schien bei der Telefonschalte zwischen dem Pächter und RockTimes die Welt in Ordnung zu sein, beide Seiten freuten sich auf den unmittelbar bevorstehenden Abend. Da gewöhnlich Freunde gut vernetzt sind, machte am Nachmittag schnell die Nachricht die Runde, Monokel hätten krankheitsbedingt abgesagt. Ein kurzfristiger Musiker-Ersatz innerhalb der Band stand nicht im Raum. Derweil hatten Dirk Pasold und seine Frau Tina alle Hebel in Bewegung gesetzt und über die Dauer eines Vormittags Ersatz für die Berliner organisiert. Schließlich wurde auch die Homepage aktualisiert.

Tobias Hillig und Steffi Breiting

Tobias Hillig und Steffi Breiting

Im Vorfeld hieß es, die Thüringerin Steffi Breiting wäre erneut im Wotufa-Saal anzutreffen, weil ihr Mann Tobias 'Tobi' Hillig Gitarre bei der Monokel Allstar Band spielt. Monokel wäre der falsche Begriff, da offiziell die Monokel Kraftblues Band das musikalische Erbe von Monokel pflegt. Komplizierte Sachverhalte also auch in den Reihen des Blues Rock, vornehmlich im Osten Deutschlands, nämlich dort, wo die Band Abend für Abend spielte, zumindest immer an den Wochenenden.
Steffi Breiting hingegen, Sängerin mit einer phantastisch ausdrucksstarken Stimme, stand eine Woche zuvor an gleicher Stelle mit der Band Windminister im Vorprogramm von Renft bei deren letztem Gastspiel in Neustadt auf der Bühne. Renft sind derzeit auf Abschiedstournee. Am 21. März 2026 wusste sie schon einmal zu überzeugen. Jetzt, genau einen Woche später, trat sie mit ihrer eigenen Band Sweet Confusion auf.

Bassist Volkmar Große von Sweet Confusion

Bassist Volkmar Große von Sweet Confusion

»Steffi Breiting lebt für das Singen. Gesegnet mit einer Stimme, in der Sehnsucht und auch Kraft zu Hause sind und die den Vergleich mit anderen großen Sängerinnen wie Etta James oder Amy Winehouse nicht scheuen muss, bringt sie zusammen mit ihrer Band 'Sweet Confusion' Musik auf die Bühne, die verzaubert und bewegt und uns an den Soundtrack von Love, Peace & Understanding erinnert«, lesen wir auf der Homepage von Sweet Confusion.

Tobias 'Tobi' Hillig von Sweet Confusion

Tobias 'Tobi' Hillig von Sweet Confusion

Trifft man als Besucher auf dieses Liveerlebnis, so spürt man sofort, dass bei einer solchen Formulierung keinerlei Übertreibung vorliegen kann. Egal, ob man eine ausgewiesene Vorliebe für Blues Rock hat oder nicht, der Faszination ihrer Stimme kann man sich nicht entziehen. Mit Herz und Verstand ist die Künstlerin dabei. »Die großartige Besetzung mit Tobias Hillig (Gitarre), Volkmar Große (Bassgitarre und Kontrabass) und Jeff Allen (Schlagzeug) lässt die klassischen Rock- und Soulstücke aufs Neue leuchten«, heißt es weiter auf der Seite im Netz.

Sweet Confusion sind allein schon ein Garant für einen denkwürdigen Konzertabend. Unterwegs sind sie auch mit dem Sänger Dirk Zöllner. Sie trugen es wohl mit Fassung, dass sie bei ihrem kurzfristigen Einsatz ’nur' die Vorband an diesem Abend waren, während die Restposten Bluesband aus Apolda (Weimarer Land) plötzlich von der Vorband zum Headliner aufgestiegen waren.

Steffi Breiting beim Auftritt mit der Restposten Bluesband

Steffi Breiting beim Auftritt mit der Restposten Bluesband

Zwei Stunden rockten sie munter los, kannten keine Pause, doch fairerweise darf man behaupten, die Besucher des Wotufa-Saals hatten in dieser Besetzung ein Co-Headliner-Konzert mit zwei starken Livebands erlebt. Musiker, die mit Herz und Seele ihrer Berufung nachgehen, die Blues, Rock und Blues Rock leben. Es gab auch einen gemeinsamen Auftritt der Sängerin mit der Restposen Bluesband. Wo es musikalisch passt beziehungsweise gleiche Titel ausgepackt werden, dort darf man mit der Künstlerin aus Schmölln rechnen. Glänzend war hier das Zusammenwirken von Steffi Breiting und Larry 'Doc' Watkins aus Virginia (USA). Sie verstanden sich blendend. Das bereitete richtig gute Laune. Nicht wenige Besucher hielten den US-Amerikaner für einen Gastmusiker, jedoch gehört der Sänger fest zum Ensemble der Restposten Bluesband, bei denen Handwerk und Spielfreude in einer beeindruckenden Qualität hochgehalten werden.

Hans Raths am Saxophon

Hans Raths am Saxophon

 

Die Band aus Apolda covert zwar ausschließlich Songs bekannter Künstler, doch sie interpretieren diese nach ihrer eigenen Handschrift. Mit Leidenschaft spielen die Herren im besten Musikeralter, sodass einem warm ums Herz werden muss. Sie rockten in Neustadt den Blues, perfekt und mit vielen Emotionen verpackt, setzen sie die großen Musiker wie Gary Moore, Stevie Ray Vaughan und ZZ Top gekonnt in Szene.

Was Dirk Pasold innerhalb von wenigen Stunden für den Freitag gelang, sollte am Tag darauf ausbleiben. Das Konzert mit der Danny Bryant-Bigband musste kurzfristig abgesagt werden, weil der Bandchef einen Unfall erlitten hatte, der ihn zum Pausieren zwang. Ein Ersatztermin muss erst gefunden werden. »Gute Besserung den Musikern«, schrieb Dirk Pasold auf ein Plakat.
Es bedarf normalerweise keiner Schriftform, um nachzuvollziehen, wie leid es dem Organisator selbst tat. Doch der Neustädter Konzertveranstalter hatte sich bei Musikern und Besuchern durch sein besonnenes Verhalten und die für Freitag gelungene Rettungsaktion großen Respekt verschafft, dies sicherlich über die Grenzen Thüringens hinaus.

Durch das Zusammenwirken der beiden Bands und das Agieren des Veranstalters war die Erfolgsgeschichte vom Freitag (27. März 2026) übrigens eine rein Thüringer Aktion. Trotz der hohen Anerkennung durch die Anwesenden fiel das Fazit des Gastgebers zwiespältig aus: »Das Wochenende war für uns sehr schwierig. Gut, dass wir wenigstens den Freitag retten konnten. Nur schade, dass es so wenig Gäste waren.«
Die eingefleischten Monokel-Fans waren also gar nicht erst angereist. Das ist nicht nur schade, das ist sehr bedauerlich und spricht nicht gerade für Solidarität unter Musikliebhabern einer Szene.

RockTimes bedankt sich in schwierigen Zeiten bei Wotufa-Pächter Dirk Pasold für den Platz auf der Gästeliste.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Mario Keim | RockTimes


Line-up Sweet Confusion:

Steffi Breiting (vocals)
Tobias Hillig (guitar)
Volkmar Große (bass)
Jeff Allen (drums)

Line-up Restposten Blues Band:

Larry 'Doc' Watkins (vocals)
Jochen Saul (guitar, vocals)
Torsten Petri (bass, vocals)
Stefan Meier (drums)
Hans Raths (saxophone)

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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