Bei Spyro Gyra handelt es sich um eine Jazz-Fusion-Band aus den USA, 1974 gegründet vom Saxofonisten Jay Beckenstein und dem Keyboarder Jeremy Wall. Von der Besetzung des gleichnamigen Debütalbums aus 1978 ist auf der mir vorliegenden Veröffentlichung "Live In Leverkusen 2022" nur noch Beckenstein anwesend, allerdings auch der damals als Gast beteiligte Keyboarder Tom Shuman.
Ihre Musik kann man von Beginn an am besten in den großen Sack Fusion packen, Elemente des Jazz waren auf jeden Fall vorhanden, viele sanfte Grooves, ganz sanft hin zum Smooth Jazz oder ein wenig Pop hin und wieder. Mit dieser Mischung konnte man sich als eine der kommerziell erfolgreichsten Band in diesem Genre etablieren, so kam es gar zu sieben Grammy-Auszeichnungen!
Die mir vorliegende Kombination von CD und DVD entstand anlässlich des Auftritts bei den Leverkusener Jazztagen, am 7.November 2022. Wir starten mit "Walk The Walk", das sich, ganz spontan betrachtet, anhört wie eine Mixtur aus Steely Dan, Weather Report der späten Jahre und vielleicht etwas Brecker Brothers oder auch mit der einen oder anderen Spur der Average White Band, mithin voll aus dem Topf der klassischen Fusion-Bewegung der Siebziger schöpfénd, zu der Spyro Gyra schließlich auch zählte. Und der Song kommt richtig gut voller Funk!
Ganz lässig, ganz cool, sehr professionell, ohne jedoch zu abgeklärt und seelenlos zu klingen, denn dazu strahlt die Musik recht viel Emotionen aus. "Groovin' For Grover", sicherlich dem Kollegen Grover Washington Jr. gewidmet, stellt Beckenstein vor die Herausforderung, sich dem Sound von Washington auch anzunähern. Ja, er kooperiert wohl in Gedanken mit dem großen Star und so scheint sich dieses auch in den Song zu übertragen, ein ganz lässiges Stück ist hier entstanden, total cooooool und herrlich, wie dieses Feeling der jeweiligen Solisten von der sehr lebendig und engagierten Rhythm Section unterstützt wird. Für 'beinharte' Jazzer mag das hier vielleicht zu ’schön' klingen, doch innerhalb des an und für sich kommerziell orientierten Sounds kommen auch Jazz-Elemente sicher nicht zu kurz, nur wurden sie anders verpackt.
Mit dem Medley, der dritten Nummer, hat man gleich zwei sehr erfolgreiche Stücke vereint, "Shaker Song" und "Morning Dance" bekommen hier Gesellschaft von "Catching The Sun". Mit 13:04 Minuten Spielzeit folgt der längste Song des Konzerts, "Cockatoo", auch total funky mit einer dazu bekannten typischen Gitarrenbegleitung und dem knarzenden Bass. In einer guten Disco sollte das sofort zum Tanz animieren, aber ich denke, solche Musik war und ist in den üblichen Discos stets unterrepräsentiert gewesen, schade eigentlich! Im Übrigen ist dieses ein Song von der 1980er- Veröffentlichung "Catching The Sun", im Original mit dem Bassisten Will Lee und dem Trompeter Randy Brecker eingespielt. Auf dieser Version bekommt Drummer Lionel Cordew eine breite Bühne und kann sein Können gut einbringen, ebenso geht Scott Ambush am Bass ganz scharf ab! Diese Liveversion bekommt dem funkigen Song insofern wirklich recht gut, und diese blendend besetzte Rhythm Section ist hierzu ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil! Und wenn Bandleader Jay Beckenstein dann zu zwei Saxofonen greift, dann werden Erinnerungen an den großen Dick Heckstall-Smith wach.
Dann kommt man uns spanisch, der vom Gitarristen Julio Fernandez komponierte Song "De La Luz" wird von diesem in dieser Sprache gesanglich eingeleitet, im Übrigen original ein Lied vom 1996er-Album "Heart Of The Night", und auch dort sang ihn Julio. Insgesamt kommt das Konzert wie aus einem Guss, alles ist sehr professionell eingespielt, bleibt trotz des Jazz-Anteils stets im überschaubaren Rahmen und auch die diversen Soli der Interpreten brechen nicht aus, so kann man punkten mit dieser durchgehenden Kompaktheit in der Darbietung, und das Alles ist so großartig FUNKY!
Positiv zu erwähnen sei noch, dass sich sowohl die CD als auch die DVD mit einem tollen Sound schmücken, sehr gute Klangqualität muss ich attestieren! Das veranlasst mich dann natürlich auch, mich mit auf die Livebühne mittels DVD zu begeben und den auditiven Genuss um einen möglichen visuellen zu erweitern. Klar, da wird man noch ein wenig mehr hinsichtlich der Eindrücke mitgerissen, und angesichts der hervorragenden Qualität macht das richtig Spaß! Und genau diesen vermitteln die Musiker dann auch während ihrer Performance. Ja, eine wichtige Veröffentlichung, so sehe ich das!
Line-up Spyro Gyra:
Jay Beckenstein (saxophones)
Tom Schuman (keyboard)
Julio Fernandez (guitar)
Scott Ambush (bass)
Lionel Cordew (drums)
Tracklist CD & DVD "Live In Leverkusen 2022":
- Walk The Walk (6:06)
- Groovin' For Grover (9:08)
- Medley: Shaker Song / Catching The Sun / Morning Dance (10:40)
- Cockatoo (13:04)
- De La Luz (10:53)
- Dancing On Table Mountain (9:51)
- Tempted (11:11)
- Medley: Old San Juan / Heliopolis (8:59)
Gesamtspielzeit: 79:49 Erscheinungsjahr: 2026



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