Gern zitiere ich als Einleitung für die ungefähre Beschreibung dieser Musik diesen Text aus der Pressemitteilung: »Einflüsse aus dem Jazz, Elemente aus der spätromantischen Orchesterliteratur, Rhythmen aus Kuba und dem Orient und Sounds aus der modernen Filmmusik«.. Bei der "Movie Sinfonica" handelt es sich um ein Projekt der künstlerischen Leiterin Julia Dietrich, unter dem Bandnamen Arco Sinfónica. Den elf Kompositionen liegen persönliche Erlebnisse und Ereignisse der Komponisten Julia Diederich, Christoph König, Heiko Gottberg und Matthias Anton zugrunde, und die Musik wurden von 40 Musikern des German Pops Orchestra, 5 Perkussionisten, 9 Big Band-Bläsern, E- Gitarre, E-und Akustik-Bass, Klavier, Drums, 3 Tonmeistern, 9 SängerInnen des Staatsopernchors Stuttgart und 15 Sänger*innen des SWR Vocalensembles Stuttgart eingespielt. So soll ein Publikum von Liebhabern klassischer Musik als auch des Jazz angesprochen werden.
Ursprünglich entstand die Idee hierzu bereits im Jahre 2017 und im Rahmen einer Tournee sammelte man viele Erfahrungen, die in die spätere Realisierung einflossen. Ende November 2023 begannen dann schließlich die Aufnahmen unter der Leitung des zu den Pionieren des Bereichs Classical Crossover zählenden Bernd Ruf. Nach etlichen krankheitsbedingten Verzögerungen wurde das Projekt dann schließlich am 5. Dezember 2025 veröffentlicht, die, wie von Julia Diederich genannt, "Weltmusik-Suite in 3D".
Mit dem gut vier Minuten langen Titelsong startet es bereits mit großem Orchestersound. Schon hier spürt man das absolut Besondere dieser Aufnahmen, man spürt förmlich, wieviel Herzblut investiert wurde, um sicher verschiedene musikalische Vorlieben von Hörern*innen zu bedienen, sowohl das klassische Publikum dürfte sich unterhalten fühlen, einige Jazz-Fans sicher auch, und ohnehin grundsätzlich Alle, die auf ausdrucksstarke Musik stehen, denn mit dieser Veröffentlichung erfolgt sozusagen eine 'Vollbedienung'!
Neben Klassik aus dem Bereich der Spätromantik und Jazzelementen werden auch immer wieder Elemente der Weltmusik herangezogen, aus Südamerika, Kuba, dem Orient, und man wähnt sich mehr als einmal in einer Traumwelt, die gedanklich mit vor dem 'geistigen Auge' erscheinenden Filmen, mithin wird hier die "Movie Sinfonica" diesem Namen mehr als gerecht. Erklingt der Song "Why", dann wird sogar das Genre des Rock herangezogen und integriert durch die Gestaltung des Gitarristen Heiko Gottberg sehr gut umgesetzt.
Nach einer kurzen gesprochenen Einleitung, "Intro Aria", dann ein großartiges Stück mit "Aria", gleich hier bin ich angenehm überrascht und überwältigt worden durch diese orchestrale Basis, die voller Bildkraft die Sinne anregt, diese Fülle, die dennoch immer wieder ein Mehr zulässt. Da fügen sich mitten in einer Passage mit Chorgesang zur Orchesterbegleitung wie selbstverständlich rhythmische Beigaben aus lateinamerikanischer Quelle ein, dann (#4) entwickelt sich ein luftiger leicht swingender Rhythmus mit einer quirlig gespielten Jazz-Gitarre, mächtig umrahmt von Bläsersätzen, und der Jazz gewährt dem Genre Fusion dann noch Zugang mit Hinwendung zum Jazz Rock, so dass ich innerhalb von nicht einmal zwei Minuten großartige Änderungen nachvollziehen kann. So bin ich ständig überwältigt von dieser Gestaltung in Verbindung mit diesen sehr durchdachten Arrangements, die sowohl dichte Strukturen als auch Offenheit verknüpfen. Welch grandioses Werk ist hier entstanden, abseits jeglichen Mainstreams, allein durch die geschickte Verwendung recht verschieden geprägter emotionaler Momente der vielen Genres, die hier unter einen Hut gebracht wurden.
Herrlich, wie plötzlich der Rhythmus stoppen kann und sich eine Flöte wie aus dem Nichts erhebt und sich dazu Streichersätze einschmiegen. So hat auch jedes einzelne Stück einen Hintergrund, und Erklärungen zu den einzelnen Nummern finden sich im eingehefteten Booklet. Zum Beispiel "Getting Better", hier wird aufgeführt: »Wenn alle Türen verschlossen erscheinen, wenn Schmerzen zu einem ständigen Begleiter werden, dann ist es oft die Hoffnung, die uns die Kraft gibt, weiter daran zu glauben, dass es uns eines Tages besser gehen wird«
Ja, dieses Werk bietet ein großartiges Hörerlebnis, dieses tiefe Engagement und die Sorgfalt im Umgang bei der Gestaltung der Einzelelemente zu einem Ganzen ist beeindruckend und faszinierend, als Gesamtes oder auch im Einzelnen, jeden Song des Albums betreffend, weil man stets auf neue Herausforderungen trifft, und so beende ich diese Rezension auch mit einem Zitat aus der Erläuterung zum abschließenden Song "Dolce Vita": »Es ist eine Reise, die uns zeigt, dass eine vollkommene Hingabe unser Leben maximal bereichern und nur im Loslassen von Erwartungen und Regeln beginnen kann und Erfüllung findet«.
Ja, und so möge man sich von festgefahrenen Klangvorstellungen lösen, sich öffnen und darüber hinaus auch zu erleben, dass es noch mehr als nur die 'Lieblingsmusik' gibt!
Line-up Arco Sinfónica:
Heiko Gottberg (Gitarre)
Kristjan Randalu (Keys)
Wim de Vries (Schlagzeug)
Uli Zimmer (Orchestermanager)
Ariane Volm (Violine 1)
Isabel Zimmer (Violine 1)
Carla Kühne (Violine 1)
Silke Maurer (Violine 1)
Anke de Veer (Violine 1)
Marta Kovalova (Violine 1)
Friederike Faust (Violine 1)
Skirska Yaroslava (Violine 1)
Martl Jäckel (Violine 1)
Johannes Krampen (Violine 1)
Kamilla Busch (Violine 1)
Klaus Marquardt (Violine 2)
Kimberly Crawford (Violine 2)
Christof Eßwein (Violine 2)
Lisa Barry (Violine 2)
Anna-Maria Barth (Violine 2)
Kathrin Bscheidl (Violine 2)
Alexandra Cygan (Violine 2)
Andrea Langenbacher (Violine 2)
Thomas Gerlinger (Violine 2)
Martin Höfler (Viola)
Erika Cedeno (Viola)
Marcin Niziol (Viola)
Katharina Brade (Viola)
Bettina Bachofer (Viola)
Alex Brutsch (Viola)
Sophie Mettefeu (Viola)
Yein Cho (Viola)
Iris Gerlinger (Viola)
Yuichi Yazaki (Viola)
Naru Yamamoto (Viola)
Astrid Naegele (Violoncello)
Bronek Madziar (Violoncello)
Krassimira Krasteva (Violoncello)
Lilja Tzeuschner (Violoncello)
Shihyu Yu-Holz (Violoncello)
Thiago Paganelli (Kontrabass)
Hande Kazdal (Kontrabass)
Alexander Uhl (Kontrabass)
Ralf Zeranski (Kontrabass)
Maya Valcheva Chalkiadis (Kontrabass)
Arthur Balough (Kontrabass)
Karin Geyer (Flöte & Piccolo)
Amanda Chominsky (Flöte & Piccolo)
Birgit Maier-Dermann (Flöte & Piccolo)
Kirsty Wilson (Oboe, English Horn)
Theresa Braisch (Klarinette)
Melanie Huber (Klarinette)
Andreas Geyer (Klarinette)
Lorenzo Salva Peralta (Klarinette)
Robert Mark-Oros (Fagott)
Johannes Busemann (Horn 1)
Stefan Helbig (Horn 1)
Thomas Müller (Horn 2)
Piotr Nowara (Horn 2)
Felix Langmaier (Tuba)
Samira Nowarra (Harfe)
Rainer Kunert (Perkussion)
Guido Beck (Perkussion)
GermanPops Orchestra (5 Perkussionisten, 9 Big-Band-Bläser, E-Gitarre, E- und Akustik-Bass, Klavier, Schlagzeug, 3 Tonmeister)
Mitglieder des State Opera Choir Stuttgart (9 Sänger)
SWR Vocalensemble (15 Sänger), Uli Röser (Posaune), Jens Müller (Flügelhorn), Maxim Zettel (Conga), Daniel Hanfeld (Timbales)
Tracklist "Movie Sinfonica":
- Movie Sinfónica (4:11)
- A Thing Of Me (7:29)
- Why (5:47)
- Jerusalem (9:30)
- Intro Aria (0:26)
- Aria (8:58)
- Getting Better (9:28)
- Passo Regia (2:38)
- Nachtschicht (6:03)
- Love Theme (5:44)
- Justitia (9:34)
- Dolce Vita (3:28)
Gesamtspielzeit: 72:55, Erscheinungsjahr: 2025



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